Rund 130 Kolleginnen und Kollegen aus allen Dienstbereichen der PD Göttingen tagten gemeinsam mit dem Polizeipräsidenten Herrn Wargel, dem Vizepräsidenten Roger Fladung sowie mit fast allen PI-Leitern.
Unter dem Motto „Gute Chefs halten gesund!“ sollte über die Führungskräfteentwicklung, die Messbarkeit von Leistung (Beurteilung) und natürlich die Bewertung der Arbeit gesprochen werden.
Für den Blick über den eigenen Tellerrand sorgte die GdP mit zwei externen Referenten.
In der Begrüßung unterstrich der Vorsitzende der BG PD Göttingen, Harald Calsow, dass Führungskräfte sich ethisch verhalten müssen, wenn sie überleben wollen. In diesem Sinne sei Ethik eine Führungsqualität!
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Delegiertentag der Bezirksgruppe PD Göttingen am 1. September 2008 Fotos: Ralf Hermes | ||
Schloss Hämelschenburg | ||
Schnell wurden die Unterschiede deutlich, als er die erforderliche enge Zusammenarbeit zwischen Verwaltungsspitze und Politik beschrieb. Anders als in der Polizei fordere die kommunale Politik eine viel direktere Mitsprache auch bei Personalentscheidungen ein. Hier sei der ehemalige Polizeiführer als Landrat beständig auf mehrheitsfähige Entscheidungen angewiesen. Dennoch, so Butte, habe er seinen Berufswechsel nicht im Geringsten bereut und aus seinen Erfahrungen bei der Polizei viele Ideen neu in die Kreisverwaltung einbringen können. Dass sich der Landrat im Kreise seiner ehemaligen Arbeitskollegen sichtbar wohl fühlte, wurde nicht nur an der Länge seiner Rede, sondern auch durch ein ausdrückliches Dankeschön an die GdP dafür, dass ihn seine alte Heimat noch nicht vergessen habe, deutlich.
Anschließend kam mit Henning Blum ein Gewerkschafter aus der Wirtschaft zu Wort. Schnell wurden Parallelen, aber auch große Unterschiede aufgezeigt. Ein Vergleich von Bosch, als weltweit agierendem Großunternehmen, mit der Verwaltung oder der Polizei ist aufgrund der hier fehlenden Produktherstellung und der nicht vorhandenen direkten Wettbewerbssituation sehr schwierig.
Der Vorsitzende des Betriebsrates im Werk Hildesheim beschrieb den Denk- und Handlungsrahmen dort auf Grundlage des Bosch Human Resources System. Er machte aber auch mit Beispielen aus dem internationalen Raum deutlich, dass z. B. in Asien Entlassungen auch schon mal in der Art erfolgen, dass die betrieblich bereitgestellten Busse, die Mitarbeiter von entlegenen Orten zum Betriebswerk bringen, einfach nicht mehr zur Verfügung gestellt würden. Aber auch bei Bosch werden im harten Verdrängungswettbewerb durchaus die Ellenbogen eingesetzt.
In einer umfassenden Grundsatzrede beschrieb Polizeipräsident Wargel die Situation in der Polizeidirektion, die Kennzahlen, aber auch sein Führungsverständnis. Hoch zufrieden zeigte er sich mit den Unternehmenszahlen, aber auch den guten Erfahrungen mit der Budgetierung. Er verwies auf allein 267 Beförderungen im letzten Jahr. Damit hätten sich mehr als 10% der Beschäftigten finanziell verbessert. Ziel müsse es sein, aus Mitarbeitern Mitdenker zu machen, aber auch die soziale Leistung des Einzelnen spiele eine große Rolle. Dieses nicht nur im Umgang mit den Kollegen, sondern auch dem Bürger gegenüber. Daher sei Teamfähigkeit bei den Mitarbeitern zu belohnen.
Zum Umgang mit Fehlern merkte er an, dass Fehler gemacht werden dürfen, nur nicht zu oft und nicht immer dieselben. Vor allem müsse man den Mut haben, darüber zu reden.
Schließlich räumte er ein, dass Führung Kontrolle braucht. Dafür gäbe es auch Personal- und Berufsvertretungen. Hier bedankte er sich bei der GdP für die stets konstruktiv-kritische Begleitung.
Mit Hermann Lutz, dem langjährigen Bundesvorsitzenden der GdP, moderierte ein Gewerkschafter die Veranstaltung, der auch international viele Kontakte zu Polizeiführungskräften hatte. Sein eindringlicher Appell war, den in der Polizei in den letzten Jahren besser qualifizierten Mitarbeitern auch deutlich mehr zuzutrauen. Wer diese Menschen heute noch so führe wie in den vergangenen Jahrzehnten, begehe einen schweren Fehler. Damit verbunden, so Hermann Lutz' kritische These, sei aber auch ein deutlich geringerer Bedarf an Führungskräften insgesamt. Dieses müsse auch innerhalb der Gewerkschaft zu einem Umdenken führen.
In der anschließenden Fragerunde hatten dann die Delegierten die Möglichkeit, ihre Themen anzusprechen und nachzufragen.
Linde Becker-Huntgeburth z. B. verwies auf die anstehenden harten Tarifauseinandersetzung 2009 und die GdP-Forderungen dazu.
Unser Landesvorsitzender Bernhard Witthaut unterstrich dieses auch mit der Forderung der Übernahme der Tarifergebnisse für die Beamten. In seinem Grußwort an Polizeiführung und Mitarbeiter appellierte er ferner, gemeinsam daran zu arbeiten, dass die Arbeit in der Polizei weiterhin Spaß macht.
Harald Calsow, der mit seinem Vorstandsteam die Organisation und Regie der Veranstaltung übernommen hatte, rief zum Abschluss dazu auf, die Informationen dieses Tages hinaus in die Dienststellen zu tragen, damit wir gemeinsam eine gute Polizei bleiben. Für die Delegierten der GdP, die noch eine gut halbstündige Diskussion mit den Referenten führten, endete ein langer Veranstaltungstag, der eine vielfältige Bewertung erfuhr.
Bericht zum Download (PDF, 77 KB):