Wandzeitung

Wie stelle ich mir das Jahr 2000 vor?

So hieß das Thema eines Aufsatzes, den wahrscheinlich jeder in der Schule schreiben musste. Zumindest jeder, der jetzt so um die vierzig oder älter ist. Einiges von dem, was man damals aufgeschrieben hat traf ein, einiges wurde übertroffen und einiges war Spinnerei.
Gesponnen haben auch zwei Kollegen der Bereitschaftspolizei Dresden, als sie sich die Einsätze der Zukunft ausgemalt haben: Könnte man nicht jedem Einheitsführer ab Ebene Gruppenführer einen GPS- Sensor in die Tasche stecken und so die Verteilung der Kräfte in Echtzeit darstellen? Und das nicht nur in der Einsatzzentrale, sondern parallel dazu in jedem Befehlskraftwagen? Und könnte nicht der gleiche Personenkreis mit einem Minicomputer ausrüstet sein, der dem Träger ein exaktes Lagebild vermittelt? Und könnte man diesen Minicomputer auch noch anders nutzen, zum Beispiel um dem Einheitsführer anzuzeigen, wo er mit seiner Truppe hin soll und wie er dort hin kommt? Oder um Bilder von Straftätern zu übermitteln? Und könnte man nicht einige Beamte mit Helmkameras ausrüsten, die von der Einsatzzentrale angesteuert werden können, damit man sich dort ein Bild von der Lage vor Ort machen kann?
Unsere beiden Bereitschaftspolizisten gerieten ins Schwärmen ob solcher Zukunftsvisionen und dabei wäre es dann auch geblieben, wenn, ja wenn sie nicht gerade in München auf der GEPC (General Police Equipment Exhibition & Conference) gewesen wären. Die Kreisgruppe der Bereitschafspolizei Dresden hatte den Besuch der Leitmesse für das umfassende Produktspektrum an aktueller Ausrüstung und Zukunftstechnologie für die Zielgruppen Polizei, Grenzschutz, Zoll, Strafvollzug, staatliche Sicherheitsdienste etc. für ihre Mitglieder organisiert, weil dies dienstlich so leider nicht ermöglicht werden konnte. Und dort stolperten die beiden über den Stand der Firma RUAG aus der Schweiz. Und diese lässt mit dem „Einsatzführungssystem Panthercommand“ nahezu alle Träume wahr werden. Und das nicht nur als Studie. Das System wurde zur Fußballeuropameisterschaft in Zürich und Genf bereits eingesetzt. Auch in Frankfurt am Main ist es schon erfolgreich getestet worden. Durch die Einbindung von schon vorhandenen Mitteln, wie zum Beispiel Computertechnik oder Kommunikationsnetze, hält sich das Investitionsvolumen sogar in Grenzen.
Es wäre Sachsen zu wünschen, nach den vielen technischen Inovationen im Polizeibereich auch hier voran zu gehen. Die Möglichkeiten, welche die Technik heute bietet müssen genutzt werden. Schließlich hilft ein effizienter Einsatz von Kräften auch Personal zu sparen. Und das müssen wir ja wohl.

Frank Schellenberger

P.S.: Sollte es mal eine Arbeitsgruppe „Spinnen für die Zukunft“ geben, die beiden Bereitschaftspolizisten wären gern dabei.



GdP-Wintercamp „Reloaded“

Nachdem das Wintercamp im vergangenen Jahr eine rundum gelungene Veranstaltung war, ging man damals mit der Hoffnung und der Absicht auseinander, dass dies zwar das erste aber nicht das letzte Event dieser Art sein sollte.
Die Teilnehmer von damals sollten nicht enttäuscht werden, denn im Januar diesen Jahres fand die Neuauflage, sozusagen Wintercamp – „Reloaded“ statt. Viele Veteranen aus dem letzten Jahr, aber auch einige Neulinge machten sich auf den Weg nach „Jablonec nad Jizerou“ im tschechischen Riesengebirge. Dort sollte das Hotel „U Nás“ unsere Residenz für die nächsten vier Tage sein. Residenz war in dem Fall wirklich das treffende Wort, denn in dem fantastischen Hotel blieben keine Wünsche offen. Sehr geräumige komfortable Zimmer, gemütliches Restaurant, Wellness-Bereich usw.
Es sah also alles nach einem herrlichen kleinen Urlaub aus, doch unsere gute Laune wurde bereits nach dem ersten Tag auf der Piste getrübt. Wir waren mittags auf dem Parkplatz in Rokytnice mit vier Autos angekommen, aber am Nachmittag, als es wieder zurück ins Hotel gehen sollte, standen nur noch drei davon da.
Tja, da staunten wir alle nicht schlecht und scheinbar werden nicht nur in deutscher Grenznähe Kombis neueren Baujahrs gestohlen. Abgesehen davon, dass für den Besitzer des Wagens der Tag natürlich gelaufen war und vier Leute den Rest des Urlaubs nur noch zwischen Snowboard-Schuhen und Badelatschen wählen konnten, standen wir vor einem großen logistischen Problem, da ja nun alle 13 Leute samt Ausrüstung in 3 Autos geladen werden mussten. Im weiteren Verlauf des Urlaubs wurde dann Ladungssicherung ganz klein geschrieben, so dass das Problem relativ gut gemeistert wurde.
Nachdem die Anzeige bei den freundlichen Kollegen auf dem ortsansässigen Polizeirevier aufgegeben war und jeder mal mit einer tschechischen Dienstwaffe hantiert hatte (grenzübergreifende Zusammenarbeit eben ;-) neigte sich der Tag dem Ende zu.
In den folgenden 3 Tagen machten wir mal in Spindler Myln, mal in Rokytnice die Pisten unsicher. Bei hervorragenden Wintersportbedingungen und teilweise strahlendem Sonnenschein kam wirklich jeder, vom Anfänger bis zum Profi, voll auf seine Kosten. Trotz einiger waghalsiger Manöver und einem sehr lustig anzusehenden Ausflug eines Kollegen in ein Lift-Fangnetz, blieben alle Teilnehmer unverletzt.
Nachdem die Lifte geschlossen hatten, wurde dann der hoteleigene Wellness-Bereich ausgiebig genutzt, anschließend im schicken Restaurant gegessen und dann meist bis tief in die Nacht gepokert und gefeiert.
Nach 4 Tagen Spaß auf und abseits der Pisten war die kleine Reise dann aber auch schon vorbei und so machten sich alle am 17.01.08 in den drei „verbliebenen“ Autos und einem Mietwagen, wieder auf den Heimweg.
Nachdem dieses Wintercamp das des letzten Jahres sogar noch übertraf, hoffe ich, dass es nächstes Jahr „GdP-Wintercamp III“ heißt. Die Hotelbesitzerin erwartet uns schon... 

Wegner, PM




Herrentag in Dresden und kein Ende?

Am 5. Mai 2005 kam es aus Anlaß des so genannten „Vatertages“ zu erheblichen Ausschreitungen in der Stadt Dresden. Die gerichtliche Aufarbeitung macht gute Fortschritte und so wie es sich gegenwärtig darstellt kann man mit der Verurteilungsquote sehr zufrieden sein. (natürlich aus Sicht eines Polizeibeamten)
Es gibt aber noch eine andere Seite: Bei einem Einsatz mit über 30 verletzten Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten muss die Frage gestattet sein, ob bei der Lagebewältigung Fehler gemacht wurden. Das eine oder andere dürfte sich ja schon herum gesprochen haben und bestimmte Dinge gehören einfach nicht in Zeitungen. Und unter diesem Gesichtspunkt scheint es vertretbar, dass ein Polizeiführer in einem Interview mit der Presse Aussagen trifft, die nicht jedes Detail des Einsatzverlaufes, unter anderem Defizite in der eigenen Organisation, wiedergeben und damit Sorge dafür trägt, dass keine öffentliche Diskussion über eben diese Versäumnisse und Fehler zugelassen wird.
Fehler können passieren, aber sie sind unverzeihlich, wenn sie nicht ausgewertet und daher ein zweites Mal gemacht werden.
Da aus Sicht vieler der eingesetzten Beamtinnen und Beamten eine gründliche polizeiintere Analyse der Ereignisse am Herrentag in Dresden bisher nicht erfolgte, hat sich der Vorstand der GdP- Kreisgruppe der Bereitschaftspolizei Dresden im Dezember 2005 mit einem Brief an den Landespolizeipräsidenten gewand.

Darin wurden folgende Fragen formuliert:

1. Wurde der Einsatz am 05. Mai 2005 ausgewertet und wenn ja, auf welcher Ebene und mit welchem Ergebnis?

2. Ist vorgesehen, die betroffenen Polizeibeamten über das Ergebnis dieser Auswertung zu informieren?

3. Liegen die Ursachen für die aufgetretenen Fehler am Versagen einzelner Personen oder an der Organisationsstruktur der Polizei?

4. Welche Konsequenzen wird es geben?


Über den weiteren Verlauf werden wir in geeigneter Weise informieren.


F.Schellenberger


Polizist und Fußballfan - geht denn das?

Natürlich geht das! Schließlich fasziniert dieser Sport Millionen und macht auch vor Polizeibeamten nicht halt.
Und da der Autor selbst unzählige Stunden bei Fußballeinsätzen verbracht hat und dabei beobachten konnte, wie sich manch ein Kollege quälte, damit ihn die
Emotionen nicht mitreißen, wurde irgendwann in einer Kaffeeecke die Idee geboren, mit Dynamo Dresden auswärts zu einem Spiel zu fahren. Durch die 2. Bundesliga
und die neugebaute Allianz-Arena wurde schnell klar: es sollte München sein.

Am 09.09.2005 ging es los und - vorab - es wurde der perfekte Tag.
Früh um sechs war der Start in Dresden, denn wir wollten ja auch noch was von der Stadt sehen. Gegen Mittag waren wir dann in der bayrischen Landeshauptstadt, wo uns ein Kollege vom PP München erwartete, um uns ein wenig herum zu führen. Der hatte aber nicht viel zu tun, denn angesichts der vielen Biergärten und des herrlichen Wetters schmolz unsere Gruppe zusehends.
Die Massen aus Dresden - immerhin schätzt man, dass um die 20000 Dresdner Fans dort waren - waren in München nicht zu übersehen und während durch das Hofbräuhaus "Auswärtssieg"-Sprechchöre hallten, begaben wir uns zum Stadion.
Allein das "Schlauchboot" zu sehen, war die Reise schon wert: Fassungsvermögen 66000 Plätze, alle überdacht, großzügige Imbiss- und Sanitäranlagen. Man kann nur hoffen, dass sich die sächsischen Vereine noch eine Weile im bezahlten Fußball halten und hier ähnliche Arenen entstehen. (und das nicht nur in Leipzig, wo derzeit auch noch die falsche Mannschaft im Zentralstadion spielt :-))
Zum Spiel 1860-Dynamo ist nicht viel zu sagen. Die Zuschauer aus Dresden machten einen Höllenlärm (klar, wenn man 2:0 führt) und ich kann versichern, dass unsere Busbesatzung erheblich dazu beigetragen hat. Das Sicherheitspersonal und auch die eingesetzten Polizeibeamten aus Bayern überzeugten durch professionelle Gelassenheit und am Ende durfte Dresden auch noch drei Punkte mitnehmen. Von Ausschreitungen und demolierten Raststätten haben wir nichts mitbekommen, aber das passiert uns ja mitunter selbst, wenn wir im Einsatz sind.

Fazit des Tages: das Event ist eigentlich nicht zu toppen. Aus dem Plan, im nächsten Jahr nach Dortmund zu fahren, scheint im Moment nichts zu werden, aber wir lassen uns diesbezüglich schon noch was einfallen.

F. Schellenberger
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