Bildungsarbeit für die Polizei
In der Septemberausgabe DEUTSCHE POLIZEI 2024 berichteten wir über die Seminarreise einer Delegation der Gewerkschaft der Polizei (GdP) unter Führung des Bundesvorsitzenden Jochen Kopelke in die kalifornische Metropole Los Angeles auf Einladung des Simon Wiesenthal Centers (SWC). Am Rande des Seminars fanden weitere Aktivitäten statt. So tauschten sich Katrin Kuhl, im Geschäftsführenden Bundesvorstand für die gewerkschaftspolitische Bildungsarbeit verantwortlich, und der stellvertretende Direktor des „Museum of Tolerance“ (SWC), Mark Katrikh, über die Bildungsarbeit in der Polizei aus.
Katrin Kuhl: Lieber Mark, wie beschreibst Du als Leiter des Museum of Tolerance die Vision des Museums?
Mark Katrikh: Das Museum of Tolerace ist kein typisches Museum. Unser Ansatz besteht immer darin, die Geschichte zu betrachten und sie als Ausgangspunkt für Gespräche über unsere heutige Welt zu nutzen, also die Vergangenheit zu betrachten, um die Gegenwart besser zu verstehen. Ich bin seit 24 Jahren im Museum tätig und habe in verschiedenen Funktionen gearbeitet. Ungefähr zehn davon war ich für die Schulungsprogrammen für Strafverfolgungsbehörden und Justiz verantwortlich.
Kuhl: Welche Bildungsprogramme bietet ihr denn speziell für die Polizei an, und was sind deren Ziele?
Katrikh: Wir bieten derzeit zwölf verschiedene Programme an. Diese haben das Ziel, das Vertrauen in die Gesellschaft aufzubauen. Außerdem arbeite ich viel im Bereich der Führungskräfteentwicklung. Wir bieten zum Beispiel Kurse zu Gesetzen im Zusammenhang mit Hassverbrechen in Kalifornien an und wie sie sich auf die Arbeit der Polizei und die Gesellschaft auswirken. Wir haben auch Kurse zu Racial Profiling und kultureller Vielfalt, einem Bereich, in dem wir ursprünglich begonnen haben, um das Verständnis für verschiedene Kulturen zu fördern.
Kuhl: Seit wann bietet das Museum of Tolerance denn Schulungen für die Polizei an und wie ist es dazu gekommen?
Katrikh: Das ist tatsächlich eine interessante Geschichte, denn wir sind ein Museum und keine Polizeibehörde. Wir sind eine Community-basierte Organisation. Zum einen nutzen wir das Museum immer als Ausgangspunkt für Gespräche. Es gab früher bereits einige Pilotprojekte und Schulungen, die wir durchgeführt haben. 1999 haben wir dann intensiv die Zusammenarbeit mit der Polizei begonnen. Das war vor allem bedingt durch aktuelles Geschehen, welches wir im Staat, im Land und in der Welt beobachtet haben. Im Fokus stand die Partnerschaft mit örtlichen Polizeibehörden. Einige Polizeidienststellen rund um das Museum kamen zu uns und sagten: ‚Die Gespräche, die Sie hier führen, sind genau die Gespräche, die wir mit Beamtinnen und Beamten führen möchten. Können sie ein Programm schaffen, zu dem wir kommen und das Museum of Tolerance als einen Raum für Gespräche nutzen dürfen?‘ Das hat bei uns großen Anklang gefunden. Im Laufe der Zeit haben wir neue Kurse konzipiert, basierend auf den wachsenden Bedürfnissen und Interessen von Behörden und Kolleginnen und Kollegen.
Kuhl: Es bewegt mich sehr, das zu hören. Auch wir in Deutschland benötigt dringend mehr Räume, die einen Austausch über Erfahrungen und gemeinsames Lernen ermöglichen. Worauf kommt es aus Deiner Sicht bei der Entwicklung dieser Räume und von Programmen an?
Katrikh: Wir hören sehr viel zu und hören auf das, was uns die Kolleginnen und Kollegen der Polizei sagen. Wir beobachten, was in der Welt passiert und organisieren dann Gespräche, die das Lernen unterstützen.
Kuhl: Was sind Deiner Meinung dabei die dringendsten Herausforderungen der Polizei heutzutage?
Katrikh: Worüber wir häufig sprechen, ist die Unterstützung bei schwierigen Gesprächen. Es gibt viele Spannungen in der Welt, unterschiedliche Perspektiven und Meinungen. Oft wissen Menschen nicht, wie sie bestimmte Gespräch beginnen sollen oder sich respektvoll darauf einlassen können. In vielerlei Hinsicht sprechen wir darüber, wie wir den zivilen Diskurs wieder in die Gespräche bringen können.
Kuhl: Vielen Dank für Deine Zeit, Mark. Ich freue mich auf unseren künftigen Austausch zur Bildungsarbeit in der Polizei.
