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Den Generationenwandel gemeinsam gestalten

In der Septemberausgabe DEUTSCHE POLIZEI berichteten wir über die Seminarreise einer Delegation der Gewerkschaft der Polizei (GdP) unter Führung des Bundesvorsitzenden Jochen Kopelke in die kalifornische Metropole Los Angeles auf Einladung des Simon Wiesenthal Centers. Am Rande des Seminars fanden weitere Gespräche und Aktivitäten statt, etwa ein Doppelinterview des GdP-Chefs mit seinem US-amerikanischen Kollegen Craig Lally.

„Good afternoon, gentlemen!“, begrüßt Ann E. Young den GdP-Bundesvorsitzenden Jochen Kopelke und Craig Lally, den Präsidenten der amerikanischen Polizeigewerkschaft ‚Los Angeles Police Protective League‘ (LAPPL), zum Interview. Besprochen werden Gemeinsamkeiten und Unterschiede bei der Gewinnung von Gewerkschaftsmitgliedern, die Herausforderungen bei der Rekrutierung von Polizeibeschäftigten bedingt durch den Generationenwandel und die Verantwortung von Führungskräften diesen zu begleiten.

Ann E. Young: Herr Kopelke, Herr Lally, mit welchen Argumenten überzeugen Sie die Polizeibeschäftigten in Deutschland und in den USA, dass sie Mitglied ihrer Polizeigewerkschaft werden? 

Jochen Kopelke: Wenn junge Kolleginnen und Kollegen ihre Karriere bei der Polizei in Deutschland beginnen, dann gehen wir proaktiv auf sie zu und sagen: „Tritt unserer Gewerkschaftsfamilie bei. So bist du abgesichert, kannst deinen Job machen und die GdP kümmert sich um dich und deine Anliegen. Die GdP schützt dich“.

Craig Lally: Wir haben 27 Abteilungen in Los Angeles und empfangen die neuen auf Probezeit eingestellten Beamtinnen und Beamten – frisch von der Akademie. In den Gesprächen mit ihnen versuche ich das Bewusstsein zu schaffen, dass der Polizeiberuf ein gefährlicher Job ist. Viele wissen das bereits, aber es besteht oft auch die Angst vor unserem Disziplinarsystem. Daher betone ich immer: „Ihr müsst nichts falsch machen in eurem Job. Es reicht, beschuldigt zu werden, etwas falsch gemacht zu haben.“ Das ist mein stärkstes Argument, um sie zu überzeugen. Am besten ist es, wenn erfahrene Kolleginnen und Kollegen sagen: „Ihr müsst rechtlichen Beistand haben.“. Denn wir stellen den Beamtinnen und Beamten, die wegen Fehlverhaltens beschuldigt werden, einen Anwalt zur Verfügung. Das, was praktisch niemand sonst im Land macht.

Young: Das klingt nach einem guten Ansatz. Gibt es weitere Herausforderungen für die Arbeit der amerikanischen Polizei?

Lally: Unsere größte Herausforderung, die derzeit jede Polizeibehörde im Land betrifft, ist die Personalgewinnung. Im Durchschnitt verlieren wir etwa 500 Beamte pro Jahr allein durch Pensionierungen. Wir liegen stark hinter dem Soll, was Pensionierungen und Neueinstellungen betrifft. Die Rekrutierung und Bindung von Polizeibeschäftigten sind schwierig. Gleichzeitig ist die Arbeitsbelastung gestiegen. Uns fehlt Personal, um die grundlegenden Dienste für die Gemeinschaft zu gewährleisten. Das ist ein Problem, weil unser Pensionssystem auf der Basis der aktiven Kolleginnen und Kollegen aufbaut. Es muss jemand da sein, der ihren Platz einnimmt. Wenn wir 500 Beamte pro Jahr verlieren und nur etwa 200 einstellen, wird das langfristig das Pensionssystem belasten.

Kopelke: Ja, das ist auch in Deutschland der Fall. Es wird gefährlich, wenn nicht ausreichend Personal vorhanden ist. Die harte Arbeit, die wir täglich auf der Straße erleben, erfordert Teamarbeit und genug Personal. Nur so kann man sicherstellen, dass sowohl die Einsatzkräfte als auch die Gemeinschaft geschützt sind.

Young: Welche Herausforderungen sehen Sie denn speziell in Deutschland, Herr Kopelke?

Kopelke: Es ist eine sehr vergleichbare Situation in Deutschland. Auch wir sehen, dass junge Menschen Respekt oder Angst davor haben, den Polizeiberuf zu ergreifen. Der Polizeiberuf ist einer der spannendsten und wichtigsten Jobs, die wir in Deutschland haben. Es ist ein Beruf, bei dem man Verbrechen bekämpft und Menschen in Situationen hilft, in denen sonst niemand für sie da ist. Wir haben die gleichen Probleme wie unsere amerikanischen Kolleginnen und Kollegen. Auch wir erhalten weniger Bewerbungen und verlieren Menschen zum Beispiel während der dreijährigen Ausbildung. Manche verlieren wir, wenn sie in die Einheiten kommen und auf der Straße arbeiten. Sie sind überrascht, wie hart der Job ist. Es ist umfangreiche Gewerkschaftsarbeit, die Menschen zu motivieren und im Dienst zu halten. Hinzukommt der wichtige Punkt, dass sich die Belegschaft selbst stark verändert hat und wir uns inmitten eines Generationenwechsels befinden.

Lally: Das stimmt. In den achtziger Jahren hatten wir nie Probleme, Leute einzustellen. Früher war die Abkürzung „LAPD“ ein Anreiz. Heute sehen es viele Menschen nicht mehr als Karriere, sondern denken eher ‚Ich arbeite in dem Job für fünf oder zehn Jahre und dann mache ich etwas anderes.

Kopelke: Genau, das ist die Herausforderung. Wenn es viele Veränderungen in unserer Arbeitswelt gibt, dann müssen wir Ideen entwickeln, wie wir uns an dieser Transformation beteiligen können.

Ann E. Young: Das klingt nach ehrgeizigen Zielen. Die jungen Menschen heute sind anders als vor 25 Jahren. Ich bin damit aufgewachsen, Polizistin werden zu wollen. Das hatte ich von Anfang an im Blut. Wie können wir dieses Gefühl heute bei jungen Menschen hervorrufen?

Lally: In der LAPD waren unsere besten Rekrutierer die Polizisten selbst. Es gab viele Beamte, die zum Beispiel ihre Kinder oder Nachbarn ermutigten, eine Karriere bei der Polizei zu beginnen. Wir bieten einen großartigen, facettenreichen Job – bis heute.

Kopelke: Wir sollten uns die Chance geben, die Generation kräftemäßig zu vermischen. Den Beschäftigten ermöglichen, in Ränge zu gelangen, auch wenn sie noch nicht so lange wie andere im Dienst sind. Wir sollten uns austauschen und gemeinsam ein modernes Arbeitsumfeld schaffen. Es gibt viele Themen, die uns zusammenbringen. Insbesondere der Generationenunterschied ist eine Chance, eine Gruppe zu verändern und gemeinsam den gleichen Herzschlag für die Polizeiarbeit zu haben.

Ann E. Young: Viele Kolleginnen und Kollegen sind ausgebrannt und desillusioniert von ihrem Job und sie müssen neu begeistert werden. Meiner Meinung nach ist eine gute Führung der Schlüssel zum Erfolg. Was muss eine Führungskraft mitbringen, um den Mitgliedern das Gefühl zu geben, dass sie betreut und unterstützt werden?

Lally: Entscheidend ist, dass die richtige Führungskraft den Kolleginnen und Kollegen die Sicherheit gibt, die sie brauchen, um ihre Arbeit erledigen zu können. Es gibt viele Komponenten, die eine Rolle spielen. Beispielsweise war es eine starke Botschaft, als selbst in schwierigen Zeiten das Budget für die Polizei sogar erhöht wurde. Hier zeigte sich, wie wichtig der kontinuierliche Austausch und das Vernetzen in die Politik, mit Gewerkschaften und in die Polizei selbst sind. Als Führungskraft sollte man unter anderem als starkes Bindeglied agieren und wissen, was die Kolleginnen und Kollegen brauchen.

Kopelke: Genau deshalb müssen wir die geeigneten Personen auswählen, welche die Führung übernehmen und etwa den gesamten Bezirk oder die gesamte Einheit stärken. Die Führungskräfte müssen die Kolleginnen und Kollegen motivieren, ihnen zuhören und die individuellen Bedürfnisse erkennen. Nur so können wir langfristig Zufriedenheit im Polizeiberuf schaffen und Personal halten.

Ann E. Young: Gentlemen, ich danke Ihnen für das Gespräch und freue mich, dass wir international zusammenrücken und heute einen Grundstein für den künftigen Austausch gelegt haben.