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Im Gespräch: Wahrheit

Zum Abschluss des Fachtages der Gewerkschaft der Polizei (GdP) „Jüdisches Leben und Polizei“ talkten Ann E. Young und der stellvertretende GdP-Bundesvorsitzende Sven Hüber über Youngs Polizeikarriere und die Herausforderungen der Bildungsarbeit. Die Polizistin war der erste afroamerikanische, weibliche „Captain“ des Los Angeles Police Departments (LAPD) und doziert nach ihrem Übergang in den Ruhestand sowohl an einer Universität sowie im Simon Wiesenthal Center. Ein Gespräch über schreiende Ausbilder, Einsamkeit und gute Wünsche.

Aufgewachsen ist die Tochter ihrer aus Jamaika und Kuba stammenden Eltern im New Yorker Stadtteil Brooklyn. Dass sie Polizistin werden wollte, stand schon sehr früh fest, erzählt Young den Teilnehmenden des Fachtages und erinnert sich noch lebhaft an die enge Beziehung der New Yorker Polizei zur bürgerlichen Gemeinschaft dort.

Nach ihrem Umzug von der Ost- an die Westküste der USA begann sie ihre Ausbildung bei der LAPD. Ihr erster Tag in der Akademie sei schrecklich gewesen, schildert sie. „Das Schreien der Ausbilder war unerträglich. Sie riefen uns Namen, lachten uns aus und machten sich über uns lustig.“ Aber, das stand sie alles durch und begann eine lange, erfolgreiche Laufbahn: „Detective“ Mitte 1988, „Sergeant“ 1991 und „Lieutenant“ Mitte 1995. Im April 2000 wurde sie als erste Afroamerikanerin in der LAPD in den Rang eines „Captain“ befördert.

Ob sie denn nicht zurecht als Vorbild beschrieben werden könne, fragte Hüber. Ihr Weg müsse doch für andere Frauen inspirierend gewesen sein? „Vorbild?“, lächelt sie bescheiden zurück. „Ich hoffe, ich habe ein Leben geführt, das andere dazu ermutigt, der LAPD beizutreten. Ein Leben, auf das Frauen und People of Color stolz sein können.“ Dennoch sei der Weg schwierig gewesen, fügt sie an und antwortet auf Hübers Frage, welche Hindernisse und Herausforderungen zu überwinden waren: „Jedenfalls viele. Nicht alle Führungskräfte waren erfreut über meine Beförderung, obwohl sie sich das nicht anmerken ließen. Wissen Sie, es ist ziemlich einsam an der Spitze. Ich habe ein paar Freunde verloren. Ich hatte niemanden, mit dem ich über meine Sorgen sprechen konnte. Manchmal war ich die einzige Stimme im Raum, oft war ich still oder wurde ignoriert, wenn ich etwas sagte.“

Hüber: „Würden Sie denselben Weg noch einmal gehen?“ „Ja“, strahlt sie. Sie würde alles noch einmal genauso machen. Es gebe nicht einen Moment der Reue. „Ich konnte die Früchte meiner Arbeit in den Erfolgen meiner Mitarbeiter sehen.“ Es gebe viele positive Erinnerungen, darunter ihre Zeit in der Abteilung für Jugendkriminalität, Einsätze vor Ort und die Gesichter der Gemeinschaft, die auf ihre Hilfe hofften. Und sie erzählt, wie sie sich mit einem ehemaligen Gangmitglied traf, der schließlich sein Studium abgeschlossen hatte.

GdP-Vize Hüber nahm den Faden auf und lenkte das Gespräch auf die Arbeit mit jungen Menschen und Youngs Tätigkeit als Universitäts- und SWC-Dozentin. „Warum arbeiten Sie gerne mit jungen Menschen? Welche Erfahrungen helfen Ihnen, junge Menschen zu inspirieren, der Polizei beizutreten?“ Die jungen Menschen seien unsere Zukunft und suchten bei uns erfahrenen Älteren nach Orientierung, antwortet die ehemalige Polizistin. „Das Museum of Tolerance und die Universität ermöglichen es mir, weiterhin als Mentorin zu wirken. Es bietet mir den Raum, über Führung zu sprechen.“ Denn, so betont Young, falsche Führung könne zu katastrophalen Situationen führen.

Was denn wichtig sei, wenn es darum gehe, Wissen so zu vermitteln, dass es junge Menschen heute effektiv erreiche, hakte Hüber nach. Die Antwort fiel so kurz wie klipp und klar aus: „Wahrheit!“

Abschließend zog Hüber noch einmal das Thema Antisemitismus in den Fokus seiner Frage und bat Ann E. Young, den Teilnehmenden ihre drei Wünsche für junge Polizistinnen und Polizisten, die Polizei generell und die jüdische Community zu verraten.

„Ein besseres Verständnis füreinander, eine echte Integration in die Gemeinschaft und mehr Zusammenarbeit, besonders in friedlichen Zeiten“, antwortete sie und betonte, dass es entscheidend sei, „die Kulturen aller Menschen, denen wir dienen, zu verstehen“.