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© Foto: GdP-Bezirk Bundespolizei | Zoll
Foto: GdP-Bezirk Bundespolizei | Zoll

24.03.2026

GdP beim Police Intergroup Event im Europäischen Parlament in Brüssel

Veranstaltung Europa

Europas Polizeien im „Schattenkrieg“ stärken.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) brachte sich erneut aktiv in die europäische Sicherheitsdebatte ein: Am 4. März 2026 nahm eine GdP-Delegation gemeinsam mit weiteren Gewerkschaftsvertreterinnen und -vertretern des europäischen Dachverbandes EU.Pol am Police Intergroup Event im Europäischen Parlament in Brüssel teil. 

Der europäische Polizeiverband EU.Pol, dessen Präsident Jochen Kopelke – Bundesvorsitzender der GdP – ist, gilt als größte europäische Polizeigewerkschaft und vertritt die Interessen von Polizeibeschäftigten aus zahlreichen europäischen Ländern auf EU-Ebene. Rund 350 Polizeibeschäftigte aus ganz Europa kamen zusammen, um sich über aktuelle sicherheitspolitische Herausforderungen und die Zukunft der europäischen Polizeiarbeit auszutauschen.

Unter dem Titel „Before Borders and Battlefields: How the Police is Central to Europe’s Security“ diskutierten hochrangige Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Sicherheitsbehörden und internationalen Institutionen über die Rolle der Polizei in der europäischen Sicherheitsarchitektur.

Im Mittelpunkt der Gespräche standen insbesondere die politische, operative und rechtliche Stärkung der Polizeien, die Verzahnung von innerer und äußerer Sicherheit, die internationale Zusammenarbeit im Umgang mit hybriden Bedrohungen sowie notwendige gesetzgeberische Initiativen auf Ebene der Europäischen Union.

Für den GdP-Bezirk Bundespolizei | Zoll nahm Roland Voss an der Veranstaltung teil und brachte die Perspektive der Beschäftigten der Bundespolizei in die europäische Diskussion ein.

Sicherheit Europas im Spannungsfeld hybrider Bedrohungen

In den Diskussionen wurde deutlich, dass sich Europa zunehmend in einem sicherheitspolitischen Umfeld bewegt, das von Konflikten unterhalb der Schwelle eines offenen militärischen Krieges geprägt ist. Experten sprechen in diesem Zusammenhang immer häufiger von einem „Schattenkrieg“, in dem Staaten und nichtstaatliche Akteure versuchen, offene Gesellschaften gezielt zu destabilisieren.

Neben klassischen sicherheitspolitischen Herausforderungen treten verstärkt Cyberangriffe, Desinformationskampagnen, Sabotageakte gegen kritische Infrastrukturen oder die Instrumentalisierung krimineller Netzwerke in den Vordergrund. Ziel solcher Angriffe ist es häufig, Vertrauen in staatliche Institutionen zu untergraben und gesellschaftliche Spannungen zu verstärken.

In diesem Umfeld befinden sich auch die europäischen Polizeien zunehmend im „Schattenkrieg“. Sie stehen an vorderster Front, wenn es darum geht, kritische Infrastrukturen zu schützen, organisierte Kriminalität zu bekämpfen, hybride Angriffe aufzuklären und die Sicherheit der Bevölkerung zu gewährleisten.

Viele Diskussionsbeiträge machten deutlich, dass Polizeikräfte in demokratischen Gesellschaften häufig eine der ersten Verteidigungslinien gegen Bedrohungen der inneren Sicherheit darstellen.

EU.Pol – die Stimme der Polizeikräfte Europas

Eine wichtige Rolle spielt dabei der europäische Polizeiverband EU.Pol, der sich seit seiner Gründung im Jahr 2020 dafür einsetzt, die Interessen der Polizeibeschäftigten über nationale Grenzen hinweg zu vertreten, den Austausch zwischen den europäischen Polizeien zu fördern und gemeinsame europäische Werte im Polizeiwesen zu stärken.

Ein bedeutender politischer Erfolg von EU.Pol ist die maßgebliche Mitwirkung an der Gründung einer parlamentarischen Gruppe im Europäischen Parlament, die sich gezielt mit den Anliegen der Polizeikräfte in Europa befasst. Diese sogenannte Police Intergroup schafft eine wichtige Plattform für den Dialog zwischen Politik und Praxis und stärkt die politische Sichtbarkeit der europäischen Polizeibeschäftigten.

An der Veranstaltung beteiligten sich unter anderem die Europaabgeordneten Lena Düpont und Assita Kanko, die gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern aus Polizei und Gewerkschaften über aktuelle sicherheitspolitische Entwicklungen diskutierten.

Polizeiberuf europaweit als Hochrisikoberuf anerkennen

Ein zentrales Thema der Gespräche war die zunehmende Gewalt gegen Polizistinnen und Polizisten in vielen europäischen Staaten. In zahlreichen EU-Mitgliedstaaten steigt die Zahl von Angriffen auf Einsatzkräfte seit Jahren an.

Vor diesem Hintergrund wurde eine klare Forderung formuliert:

Der Polizeiberuf muss europaweit als Hochrisikoberuf anerkannt werden.

Polizeibeschäftigte stehen täglich an vorderster Front der Gefahrenabwehr. Sie schützen kritische Infrastrukturen, bekämpfen organisierte Kriminalität und Terrorismus, reagieren auf hybride Bedrohungen und gewährleisten die Sicherheit der Bevölkerung. Dabei sind sie regelmäßig erheblichen physischen und psychischen Belastungen sowie konkreten Gefahren für Leib und Leben ausgesetzt.

Eine europaweite Anerkennung als Hochrisikoberuf würde dieser besonderen Verantwortung Rechnung tragen und müsste sich auch in verbesserten Schutzmaßnahmen, moderner Ausstattung, guten Arbeitsbedingungen sowie einer angemessenen Besoldung widerspiegeln.

Polizeiarbeit wird zunehmend international

Mit der fortschreitenden Globalisierung werden auch die Aufgaben der Polizeien immer internationaler. Schon heute sind zahlreiche Kolleginnen und Kollegen der deutschen Sicherheitsbehörden in internationalen Behörden, Missionen und Institutionen tätig.

Vor diesem Hintergrund setzt sich die GdP dafür ein, auch die Interessenvertretung der Beschäftigten stärker europäisch zu denken. Ein wichtiges Ziel ist die Schaffung einer europäischen Mitarbeitervertretung, die – ähnlich den europäischen Betriebsräten – Informations- und Konsultationsrechte auf europäischer Ebene ermöglicht.

Der Hintergrund: Mitarbeiterrechte sind in den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union sehr unterschiedlich ausgestaltet. Das betrifft unter anderem Arbeitszeiten, soziale Rahmenbedingungen sowie Besoldung und gesellschaftliche Wertschätzung der Polizeibeschäftigten.

Darüber hinaus müssen auch Themen wie die Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf im Polizeialltag stärker auf europäischer Ebene berücksichtigt werden.

Starke Stimme für Europas Polizeibeschäftigte

Die Veranstaltung in Brüssel hat erneut gezeigt: Sicherheitsfragen machen nicht an nationalen Grenzen halt. Umso wichtiger ist eine enge Zusammenarbeit der Polizeien in Europa – und ebenso eine starke gewerkschaftliche Vertretung der Beschäftigten.

Für die GdP steht fest: Europäische Sicherheit braucht starke Polizeien, die effektiv zusammenarbeiten – und eine klare gewerkschaftliche Stimme auf europäischer Ebene.

Das Treffen im Europäischen Parlament bot eine wichtige Plattform, um Perspektiven einzubringen, Netzwerke auszubauen und die Interessen der Kolleginnen und Kollegen auch in Brüssel sichtbar zu vertreten.