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„Wie finden Sie Wertschätzung?“ – „Nur zufällig.“

Hätte man es absichtlich verstecken wollen, hätte man es kaum besser machen können: Seit März besteht ein umfassendes Handlungspapier mit dem Titel „Wertschätzung durch gemeinsame Gestaltung der Arbeitswirklichkeit“ zur Etablierung des öffentlichen Dienstes als attraktiver und moderner Arbeitgeber, das unter Federführung des Bundesinnenministeriums entstanden war. In den Behörden ist das Papier jedoch erst vor wenigen […]

Hätte man es absichtlich verstecken wollen, hätte man es kaum besser machen können: Seit März besteht ein umfassendes Handlungspapier mit dem Titel „Wertschätzung durch gemeinsame Gestaltung der Arbeitswirklichkeit“ zur Etablierung des öffentlichen Dienstes als attraktiver und moderner Arbeitgeber, das unter Federführung des Bundesinnenministeriums entstanden war. In den Behörden ist das Papier jedoch erst vor wenigen Tagen angekommen. Eine Anweisung zur Umsetzung gibt es nicht. Gut versteckt waren die Handlungsempfehlungen lediglich auf den Seiten des Demografie-Portals und der BAköV veröffentlicht. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Denn das Papier hat es in sich und könnte wohl von jedem Gewerkschafter so unterschrieben werden. Wertschätzung, so heißt es, sei „ein strategisches Handlungsfeld der Personalpolitik“ und die Verantwortung dafür liegt vor allem auch bei den Führungskräften. So heißt es: „Wenn die Haltung stimmt, stimmt auch das Verhalten“.

Im Alltag erleben wir das oft anders: Das Gegenteil von Fürsorge ist Gleichgültigkeit. Gleichgültig gegenüber der Auszahlung von Bezügen oder gegenüber den Bearbeitungszeiten von Beihilfeanträgen. Oder wenn unter dem Deckmantel „Einsatzangelegenheit“ den Personalräten die Mitbestimmung bei Arbeits- und Gesundheitsschutz verweigert wird.

Die Arbeitsgruppe definiert in ihrem Papier Handlungsempfehlungen für verschiedene Bereiche im Arbeitsalltag, in denen Wertschätzung gelebt werden soll. Wichtigster Punkt ist die direkte Kommunikation. Also z.B. keine Äußerung von Kritik gegenüber Dritten, das Schaffen von physischen oder rein zeitlichen Räumen, in denen Gespräche stattfinden können oder die Förderung sozialer Kompetenzen.

Außerdem müssen Beschäftigte in Entscheidungsprozesse eingebunden und ihnen Entscheidungen transparent gemacht werden. Dazu zählt auch, Anregungen, Bedürfnisse und Befürchtungen der Beschäftigten ernst zu nehmen und mit einzubeziehen.

Schließlich kommen die Autoren zu dem Schluss: „Wertgeschätzte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind motiviertere und gesündere Beschäftigte. Somit sind eine mitarbeiterorientierte Personalpolitik mit einer wertschätzenden Kultur ein wesentlicher Schlüssel, um die Arbeitsplätze in den Behörden zukunftsgerecht auszugestalten, Arbeitsklima, Arbeitsbedingungen und zugleich die Attraktivität der Verwaltung als Arbeitgeber zu fördern.“

Stimmt! Doch nun gilt es, eine verbindliche Umsetzung herbeizuführen. Es nützt den Kolleginnen und Kollegen nichts, nur eine Arbeitsgruppe einzusetzen. Deren Empfehlungen und Beschlüsse müssen in den Behörden verankert und mit Leben gefüllt werden!

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