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GdP-Frauen: Es wird immer selbstverständlicher, auf Polizistinnen einzuschlagen

Berlin. Seit Jahren weist die Gewerkschaft der Polizei (GdP) auf die steigende Zahl der von Gewalt betroffenen Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten hin. Die JUNGE GRUPPE der GdP trug mit ihrer 2011 ins Leben gerufenen Kampagne „AUCH MENSCH“ (www.auchmensch.de) dazu bei, dass dieses Thema sowohl in der Gesellschaft als auch in der Politik angekommen ist. Allerdings sei […]

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Bezirksvorstandsmitglied Erika Krause-Schöne gemeinsam mit Bundesvorstandsmitglied Elke Gündner-Ede und der Bundesfrauenvorsitzenden Dagmar Hölzl.

Berlin. Seit Jahren weist die Gewerkschaft der Polizei (GdP) auf die steigende Zahl der von Gewalt betroffenen Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten hin. Die JUNGE GRUPPE der GdP trug mit ihrer 2011 ins Leben gerufenen Kampagne „AUCH MENSCH“ (www.auchmensch.de) dazu bei, dass dieses Thema sowohl in der Gesellschaft als auch in der Politik angekommen ist. Allerdings sei die GdP-Forderung nach einem einschlägigen Straftatparagraphen für derartige Straftaten noch immer nicht umgesetzt, auch wenn es jetzt positive Entwicklungen durch die Initiativen der Bundesländer Saarland und Hessen gebe, sagte Elke Gündner-Ede, Mitglied des Geschäftsführenden GdP-Bundesvorstandes, am Freitag in Berlin.

Zum diesjährigen „Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen“ wirft die GdP einen Blick auf die von Gewalt betroffenen Polizeibeamtinnen. „Unsere Kolleginnen sind Tag und Nacht für ihren Auftrag, die Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung, im Einsatz und werden dabei immer öfter selbst Opfer von Gewalt“, betonte Gündner-Ede. Die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) weist für 2015 insgesamt 64.371 Straftaten gegen Polizeivollzugsbeamtinnen und -beamte aus. Das ist eine Steigerung gegenüber 2011 von 17 Prozent. „Jahr für Jahr sehen sich auch unsere Kolleginnen vermehrt gewaltbereiten Tätern und Täterinnen gegenüber. 2015 waren 11.296 und somit 17,5 Prozent der von Gewalt betroffenen Polizisten weiblich“, so die Gewerkschafterin. Die Einstellungszahlen von Frauen in die Polizei hat in den vergangenen Jahren eine Quote von 30 bis 33 Prozent erreicht.

Erika Krause-Schöne, Mitglied im Bezirksvorstand der GdP Bundespolizei und Vorsitzende der Bezirksfrauengruppe sagte dazu: „Wenn bis vor wenigen Jahren es so war, dass der Einsatz einer Polizistin sehr oft deeskalierend wirkte, ist es immer selbstverständlicher, auf Polizistinnen einzuschlagen. Teilweise gezielt als vermeintlich ‚schwächeres Geschlecht‘.“

Die GdP-Bundesfrauenvorsitzende Dagmar Hölzl verwies darauf, dass insbesondere im Streifendienst Einsatzkräfte häufig mit einem sehr hohen Aggressions- und Gewaltpotenzial konfrontiert werden.. Erhebungen zufolge wurden mehr als 80 Prozent der Kolleginnen und Kollegen beschimpft, beleidigt oder verbal bedroht, knapp jede oder jeder Vierte erlebte dies sogar mindestens einmal im Monat.

„Auch Beamtinnen im Einsatz erfahren immer häufiger psychische und physische Gewalt, und bedauerlicherweise zeigt die Erfahrung, dass diese vermehrt von Migranten ausgeht. Leider kommt es bei Einsätzen inzwischen häufig vor, dass Menschen aus muslimisch geprägten Ländern – hier vor allem Männer – grundsätzlich das Gespräch mit einer Polizeibeamtin verweigern“, betonte Hölzl.

„Was steht aber dahinter? Die zunehmende Respektlosigkeit, die fehlende Achtung und ein Nichtakzeptieren von Werten. Dies gilt nicht nur für Jugendliche und Heranwachsende, sondern auch für Erwachsene, egal welchen Alters und Nationalität“, sagte die stellvertretende GdP-Bundesfrauenvorsitzende Erika Krause-Schöne. „Wenn ‚wir‘ gebraucht werden, ist das Gegenüber freundlich und unterstützend. Wenn aber eine eigene Betroffenheit von polizeilichen Maßnahmen eintritt, wird gepöbelt, gemeckert oder die polizeilichen Weisungen ignoriert und das mit sehr beleidigenden Worten oder mit Gewalt.“
Dieses Auftreten werde sehr schnell von anderen Menschen wahrgenommen, so dass dieses Negativbenehmen vielleicht einen Reiz darstelle, es zu übernehmen nach dem Motto: „Wenn ‚er‘ kann ‚ich‘ auch. Durch die Potenzierung dieses Verhaltens kommt es aus meiner Sicht auch zu immer mehr tätlichen Angriffen mit ‚waffenähnlichen‘ Gegenständen auf Polizisten, Polizistinnen und auch Rettungskräften sowie anderen Amtsträgern“, so Krause-Schöne, die seit fast 30 Jahren Polizistin ist und viele Erfahrungen auf unterschiedlichster Ebene mit Gewalt gegen Polizei machen musste. „Allein die verbalen Entgleisungen wie Fotze, Hure, Polizistenschlampe, aber auch ‚Ich weiß, wo Du wohnst‘: Mit zunehmendem Dienstalter ‚stumpft‘ man dienstlich ab, innerlich bleiben die Verletzungen.“

 

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