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Personalnot und am Boden liegende Mitarbeiterzufriedenheit in der saarländischen Polizei

GdP Saarland: Junge Gruppe redet mit Innenminister TACHELES

Saarbrücken.

Die Personalnot in der saarländischen Polizei darf nicht weiter geleugnet werden. Über die dadurch entstehenden Probleme muss offen geredet werden. Hierzu hat unsere JUNGE GRUPPE einen Offenen Brief an Innenminister Klaus Bouillon geschrieben.

Offener Brief an den saarländischen Innenminister: JUNGE GRUPPE redet Tacheles

Sehr geehrter Herr Innenminister Klaus Bouillon,
in den letzten Wochen bzw. Monaten hat der Landesjugendvorstand der Gewerkschaft der Polizei mehrfach vergeblich versucht, ein Innenministergespräch mit Ihnen zu terminieren. Dies war vor März 2017 stets problemlos möglich. Mit großer Betroffenheit stellen wir folglich fest, dass es von Seiten des Innenministeriums nicht möglich erscheint, in der derzeitigen prekären Personalsituation der saarländischen Vollzugspolizei einen Gesprächstermin mit der mitgliederstärksten Polizeigewerkschaft im Land zu finden. Dies spiegelt für uns keineswegs den im Koalitionsvertrag niedergeschriebenen sog. „saarländischen Weg“, d.h. die enge Zusammenarbeit der Landesregierung mit den Gewerkschaften, wider. Aus diesem Grund sehen wir uns gezwungen, unser Anliegen mittels eines offenen Briefes an Sie heranzutragen:

Die JUNGE GRUPPE der Gewerkschaft der Polizei startet mit diesem offenen Brief die Aktion „TACHELES 2020“, die in einer Podiumsdiskussion in der Landesjugendkonferenz am 8. Dezember 2017, zu welcher Sie herzlich eingeladen sind, enden wird. Begleitet von mehreren Öffentlichkeitsaktionen, Dienststellenbereisungen sowie Pressemitteilungen werden wir in den kommenden Monaten auf die am Boden liegende Mitarbeiterzufriedenheit unserer Kolleginnen und Kollegen aufmerksam machen.

In den nächsten zwei Jahren baut unsere Organisation aufgrund der Pensionierungswelle knapp 100 Beamtinnen und Beamte ab. Dies ist eine Großinspektion, die in kürzester Zeit wegbrechen wird. Hinzu kommt, dass aufgrund der Eltern- oder auch Teilzeit etwa weitere 100 Vollzeitäquivalente der Behörde derzeit nicht zur Verfügung stehen, was eine weitere fehlende Großinspektion bedeutet. Jede(r) fünfte Beamtin / Beamte wird in den nächsten fünf Jahren in Pension gehen; Erfahrungswissen geht somit schlagartig verloren. Die Zufriedenheit unserer Kolleginnen und Kollegen, die tagtäglich für die innere Sicherheit den Kopf hinhalten, ist bereits derart schlecht, dass wir aufgrund des anstehenden Aderlasses der Vollzugspolizei keine Möglichkeit mehr sehen, unsere Organisation weiter zur Bürger- und vor allem zur Mitarbeiterzufriedenheit aufrecht zu erhalten. Hohe Arbeitsbelastung, kaum Freizeit und steigende Gewalt machen unsere Kolleginnen und Kollegen krank! Wir werden es als Interessenvertretung nicht dulden, dass gerade die Kolleginnen und Kollegen des WSD, der Direktion 2 (LKA) sowie der Bereitschaftspolizei durch dieses Sparspektakel verheizt werden!

Die Landesregierung muss zum einen gewährleisten, dass die kommenden Durstjahre durch Lebensarbeitszeitverlängerungen mit einem Gehaltsplus von 10 v.H., einer Reformierung der Polizeipostenstruktur sowie einer Erhöhung des Zulagenwesens abgefedert werden können und unsere Mannschaft wieder gerne zum Dienst erscheint. Zum anderen muss das Saarland seine Sparzwänge in unseren Reihen überdenken und endlich gemäß dem Bundestrend die Einstellungszahlen erhöhen. Sicherheit kostet bare Münze, und die Mitarbeiterzufriedenheit ist hierfür ein elementar wichtiger Baustein. Wer eine demotivierte Feuerwehrpolizei möchte, der ist auf dem richtigen Wege! Im Wahlkampf wurde verkündet, der Personalabbau sei gestoppt?! Traurig zu sehen, dass wir weiter ausgedünnt werden ...

Wir befinden uns in schwierigen Zeiten, die klarer und zum Teil auch harter Worte bedürfen. Eine politische Zusammenarbeit mit den Gewerkschaften ist hier von Nöten, da sie Sprachrohr wie auch Schutzschild für die Kolleginnen und Kollegen sind. Wir fordern die Regierungsverantwortlichen daher auf, die Personalpolitik zu überdenken, um endlich wieder eine Polizei zu gewährleisten, die bürgernah und zufrieden Repression und vor allem Prävention bieten kann!

Wir bieten Ihnen weiterhin den gewerkschaftlichen Dialog mit uns an.

Mit freundlichen Grüßen
In Zusammenhalt

Der Landesjugendvorstand