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DEUTSCHE POLIZEI

Ausgabe November 2016

Wenn Medien dann und wann über Gewalt an Frauen berichten, verbinden sie dies stets mit dem Appell, sich helfen zu lassen. Werbekampagnen, beispielsweise für das bundesweite Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen, haben Konjunktur. Doch wie ergeht es den Frauen, die sich aus diesen Beziehungen lösen wollen und die angeratenen Schritte einleiten?

Gewalt und Androhung von Suizid

Welche Hilfe kann die Polizei tatsächlich bieten, und warum gehen so viele Frauen immer wieder zum gewalttätigen Partner zurück?

Vivian B. kann endlich mit Distanz auf die Vergangenheit blicken. Die 27-jährige Angestellte musste einen weiten Weg gehen, um an diesen Punkt anzukommen. Vor sechseinhalb Jahren lernte sie Patrick Z. über gemeinsame Freunde kennen. Er kommt aus einer sehr großen Familie, viele Verwandte kannte Vivian bereits. Der familiäre Zusammenhalt, gemeinsame Feiern und das Gemeinschaftsgefühl füllen bei Vivian eine Lücke.

Zwei Jahre später ziehen sie zusammen. Im Dezember kommt es zu ersten Anschuldigungen und Beleidigungen. Grundproblem in der Beziehung ist Patricks Eifersucht. „Er unterstellte mir immer wieder Affären, mit Kollegen, Freunden, Nachbarn und schließlich mit jedem Mann, den ich nur grüßte“, blickt Vivian zurück. Er kontrolliert ihr Handy, konfrontiert sie mit Unterstellungen und beleidigt sie. Vivian versucht daher weniger Angriffsfläche zu bieten. Sie geht nicht mehr mit Freundinnen aus und zieht sich immer mehr zurück. Dennoch werden die Vorwürfe schlimmer. „Es ging nicht nur darum, was er mir alles unterstellt und wie heftig er mich beleidigt hat. Er stellte sich zudem als Opfer dar. Ich hatte bald schon ein schlechtes Gewissen, wenn ich überhaupt mit einem Kollegen auf der Arbeit zwei Sätze sprach“, berichtet die junge Frau.

2012 kommt es schließlich zu ersten physischen Übergriffen. „Er hat mich so heftig am Arm gegriffen, dass ich blaue Flecken bekam. Er tat mir absichtlich weh“, sagt sie. Doch auch sein Tonfall und die Beschimpfungen eskalieren immer häufiger, und er spuckt Vivian ins Gesicht. „Wenn er das tat, rastete auch ich aus. Das war so widerlich und demütigend.“ Es entwickeln sich erste Handgemenge, bei denen Vivian selbst noch wütend wird, Patrick wegschubst und anschreit.

Patrick, der jedoch deutlich größer und stärker als Vivian ist, unterjocht sie. Sie merkt, dass es aussichtslos ist, sich zu wehren. Zudem verändert sich Patrick zunehmend: Hatte er früher noch im Betrieb seiner Eltern mitgeholfen, arbeitet er nichts mehr.

Den Lebensunterhalt bestreitet Vivian allein, während Patrick Lebensprojekte andenkt und sie dafür koplett aufkommen lässt. Die Eifersucht Patricks nimmt weiter zu. Als Vivian im Sommer 2014 eine Leitungsposition annimmt, kommt es bald zur ersten Ohrfeige wegen einer angeblichen Affäre. Von da an eskaliert die Situation immer häufiger, sogar auf offener Straße vor wildfremden Menschen. Patricks Hemmschwelle zur Gewalt sinkt zunehmend. Doch auch die Bereitschaft, sich und seine Freundin in Gefahr zu bringen, steigt.

DP-Autorin Dr. Dorothee Dienstbühl berichtet in der November-Titelgeschichte anhand von Beispielen über Häusliche Gewalt und Ex-Partner-Stalking aus der Opferperspektive.

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