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Erstmals über 450.000 Einsätze im Jahr – Feuerwehr arbeitet längst über der Belastungsgrenze

GdP: Für die aktuellen Aufgaben fehlen allein 500-700 Einsatzkräfte

Die Berliner Feuerwehr rückte im vergangenen Jahr 1244 am Tag aus, um Menschen zu helfen. Foto: Spreepicture

Berlin. Die Hauptstadt wächst immer weiter und mit ihr die Einsatzbelastung für die Kolleginnen und Kollegen der Berliner Feuerwehr. Allein im Jahr 2016 sind unsere Kräfte zu 454.143 Einsätzen ausgerückt, darunter 374.492 Rettungsdienstfahrten und 7.230 Bränden. Geschultert wird das von gerade einmal knapp über 4.000 Feuerwehrleuten. Die GdP fordert mindestens 1.000 neue Stellen in den nächsten zwei Doppelhaushalten, deutliche Investitionen in die Ausrüstung und Infrastruktur sowie ein gesellschaftliches Umdenken.

365 Tage im Jahr – Nicht nur, wenn die Sintflut kommt

„Man kann anhand unseres Jahresberichts sehr deutlich erkennen, dass die Berliner Feuerwehr eben nicht nur gefragt ist, wenn die Sintflut über die Stadt hereinbricht oder es zu einem Großbrand kommt. Wir fahren jeden Tag über 1.200 Einsätze und stellen die eigene Gesundheit stets hinter die Interessen und das Wohlbefinden der Bürgerinnen und Bürger“, sagt GdP-Vorstand und Hauptbrandmeister Oliver Mertens. Gerade einmal 4.053 Stellen verzeichnet die Berliner Feuerwehr, deckt mit diesem Personalkörper auf 892 km² Fläche die Sicherheit von 3,5 Millionen Einwohnern und Besuchern ab. In einer kürzlich veröffentlichten Anfrage des Abgeordneten Marcel Luthe (FDP) zum Krankenstand in der Berliner Verwaltung hatte die Feuerwehr mit 45,8 Tagen / Jahr den mit Abstand höchsten.

Aktuell 500 bis 700 Kräfte mehr benötigt

260 neue Stellen hat der Senat in seinem kürzlich beschlossenen Doppelhaushalt 2018/19 für die Berliner Feuerwehr vorgesehen. Mertens: „Das ist ein guter Anfang und es wird eine Mammutaufgabe, sie zu besetzen und vor allem sie bei den aktuellen Bedingungen auszubilden. Stellen sind das eine, um genügend qualifizierte Kräfte auszubilden, benötigen wir aber mehr Kapazitäten an der BFRA und müssen die Attraktivität der Berliner Feuerwehr steigern. Das fängt bei der Besoldung an, geht über den Zustand der Fahrzeuge und Wachen und endet bei der Einsatzbelastung, die aktuell nur dank der aufopferungsvollen Bereitschaft unserer Kolleginnen und Kollegen zu stemmen ist. Allein aktuell bräuchten wir eigentlich 500 bis 700 Kräfte mehr, um alle Aufgaben ohne Überschreitung der wöchentlichen Arbeitszeit zu gewährleisten“. Diese Zahl wächst mit der Stadt auf mehr als eintausend in den nächsten Jahren. Zudem habe man momentan ein Durchschnittsalter von fast 50 Jahren erreicht.

Nicht 112 rufen, wenn die Kekse alle sind

Große Probleme bereiten der Berliner Feuerwehr auch die Anrufe der Bürgerinnen und Bürger, die genau genommen keine Hilfe benötigen. Allein im Jahr 2016 gab es insgesamt 531.304 Fahrzeugalarmierungen im Rettungsdienst (+ 21.008 gegenüber 2015). „Wenn jemand gesundheitliche Probleme hat, ist es absolut richtig, die 112 zu wählen. Wir werden aber mittlerweile gerufen, weil die Kekse im Regal alle sind oder das rote Partykleid nicht mehr aufzufinden ist. Die Feuerwehr sollte niemand zum Spaß rufen, sondern nur, wenn man wirklich in einer Notsituation steckt und Hilfe benötigt“, so Mertens abschließend.

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