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GdP Berlin zur Berichterstattung über die Polizeiakademie

In den letzten Tagen ist die Berliner Polizeiakademie in den Fokus gerückt, was wir prinzipiell gut finden, weil es wichtig ist, genau hinzusehen, wer in unserer Stadt zur zukünftigen Polizistin, zum zukünftigen Polizisten ausgebildet wird und vor allem auch, wie es geschieht. Auch wir haben in den letzten Tagen das Audio-File eines Sanitäters sowie den Brief eines vermeintlichen LKA-Beamten erhalten. Die Darstellungen überraschen uns nicht, weil wir vereinzelte, ähnliche Äußerungen auch in den letzten Monaten erhalten haben. Zumeist verbreitete sich das über Chats und gelangte dann auch über das Schneeballprinzip teilweise zu Ihnen.

Wir finden es gut, dass kritische Meinungen zu Ihnen gelangen und auch, dass Sie Missstände thematisieren, wünschen uns aber auch, dass die betreffenden Kolleginnen und Kollegen, die auf so etwas hinweisen, sich an ihre Personalvertretungen oder die Gewerkschaften wenden.
In der Tat verstehen wir den Drang der Kolleginnen und Kollegen, anonym zu bleiben, zumal es und er Vergangenheit nicht immer eine gern gesehene Kritikkultur in der Berliner Polizei gab. Wenn ich aber ein Problem mit meinem Arbeitgeber oder den Strukturen habe, muss ich mich an diejenigen wenden, die mir helfen können. Bisher hat sich niemand mit derart schweren Schilderungen persönlich an uns oder die zuständige Personalvertretung gewandt, wir erhalten somit Aussagen über die Zustände an der Polizeiakademie im Grunde genommen stets über Dritte und intensivierendes Hörensagen. Hakt man dann genauer nach den eigenen Erfahrungen nach, relativiert sich einiges, wie im übrigen auch die vermeintliche Massenschlägerei oder das Verweigern von gemeinsamem Schwimmunterricht durch Auszubildende mit Migrationshintergrund, über die in der Vergangenheit gesprochen wurde.

Wir nehmen derartige Aussagen dennoch mit Besorgnis auf, weil sie selbst, wenn sie nicht in aller Gänze stimmen, einen wahren Kern haben und als Hilferuf der Kolleginnen und Kollegen ebenso wenig von der Behördenleitung unter den Tisch gekehrt werden dürfen, wie eventuelle Probleme mit Auszubildenden, die einen Migrationshintergrund vorweisen. Wenn es letztere gibt, muss man diese klar ansprechen und Lösungen finden und wenn sie jemand an uns heranträgt, werden wir genau das anschieben. Es sei an diesem Punkt darauf verwiesen, dass die Berliner Polizei seit Jahren eine nahezu identische Quote an Auszubildenden mit Migrationshintergrund aufweist und die Absolventinnen und Absolventen auf den aufnehmenden Dienststellen (Bereitschaftspolizei, Abschnitte, LKA etc.) als große und notwendige Bereicherung angesehen werden, keine vergleichbaren Schilderungen aus den Bereichen zu hören sind, auch wir als Gewerkschaft der Polizei über jede Kollegin und jeden Kollegen glücklich sind und wir sehr vorsichtig sein sollten, das Verhalten einiger für alle zu pauschalisieren.

Unsere bisherigen Erfahrungen zeigen durchaus, dass es Probleme an der Akademie gibt. Diese sind aber nicht damit zu erklären, dass wir Menschen mit Migrationshintergrund einstellen, sondern eine Folge politischer Fehlentscheidungen und Tatenlosgikeit. Berlin hat jahrelang gespart, wir haben unzählige Leute ausgebildet und dann weggeschickt. Dass der Personalkörper der Polizei dadurch ausgeblutet ist und im Missverhältnis zur Bevölkerung und Aufgabenstruktur in dieser Stadt steht, ist ihnen mittlerweile bekannt. Die Politik hat vor einigen Jahren erkannt, dass man darauf reagieren muss, weshalb wir jetzt wieder mehr Polizistinnen und Polizisten einstellen. Das bedeutet, dass wir jährlich über 1200 Menschen ausbilden, die nach zweieinhalb bzw. dreijähriger Ausbildung auf der Straße für Recht und Ordnung sorgen. Dass sich unter diesen vielleicht der eine oder andere wiederfindet, der es vor Jahren, als man im Jahr nur 500 Einstellungen vornahm, nicht geschafft hätte, liegt in der Natur der Sache. Wir können uns die Bewerberinnen und Bewerber nicht aussuchen, haben beim Kampf um junge Talente aufgrund der Besoldungssituation, des Ausstattungsstandards und der Einsatzbelastung auch nicht die allerbesten Karten. Was wir aber machen können, ist ihre Entwicklung beeinflussen und niemand sollte vergessen, dass wir hier vielfach über 16- und 17-Jährige sprechen.

Genau hier liegt der Kern, auf den vor allem die verantwortlichen Politiker, denen die Thematik keinesfalls neu ist, schauen müssen. Die Akademie, ehemals Landespolizeischule, befindet sich mitten in einem Strukturwandel, der mehr auf Ökonomie als auf Qualität in der Ausbildung ausgerichtet ist und auf die Entwicklung zu einer Berufsschule hinführt. Die dazu angedachte Reform hat die Polizeiführung entgegen der Kritik und des Vetos der zuständigen Personalvertretungen durchgesetzt, die verantwortlichen Politiker haben dem trotz Kenntnis nichts entgegengesetzt. Durch die Reform wurden theoretische Inhalte im Bereich Deutsch, Politische Bildung und Verhaltenslehre gekürzt. Das sollen die Auszubildenden jetzt über Praktika auf Dienststellen vermittelt bekommen. Die dazu notwendigen Praktikumsbeauftragten gibt es nicht. Stattdessen müssen die Beamtinnen und Beamten im täglichen Dienst nebenbei Inhalte vermitteln, auch hier geht die Personaleinsparung zu Lasten der Ausbildung. Früher hatte jede Klasse einen Zugführer und Gruppenführer, die nicht nur selbst Unterricht gegeben, sondern die Klassen vollständig begleitet haben, stets Ansprechpartner, Respekt- sowie Vertrauensperson waren und dadurch Fehlentwicklungen entgegenwirken sowie die Entwicklung prägen konnten. Das war kein Elternersatz, füllte aber den große Zwischenschritt zum Erwachsenwerden.

Kurzum, wenn immer alle über die heutige Generation tadeln, sagen, sie wäre verantwortungs- und respektlos, befolge keine Regeln, dann sollte man sich doch nicht der Illusion hingeben, dass sich nicht auch Vertreter dieser Generation bei der Polizei bewerben und dort aufgenommen werden. Wenn dem wirklich so ist, dann wäre es noch wichtiger als früher, die jungen Menschen an die Hand zu nehmen und sie mithilfe von erfahrenen Kolleginnen und Kollegen auf den Weg zu engagierten, zuverlässigen Polizistinnen und Polizisten zu bringen. Dafür trägt Politik die Verantwortung, denn sie bestimmt die Richtlinien und letztlich die zukünftige Sicherheit in dieser Stadt. Eine Verantwortung, auf die wir sie als Gewerkschaft der Polizei seit Beginn der sich wandelnden Struktur hingewiesen haben.