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Verdienter Polizeiführer Michael Knape verliert Lehrauftrag an der HWR

Hintergründe für Entlassung unklar – Verdacht der Einmischung des Polizeipräsidenten

Kurz nach diesem tödlichen Einsatz in Hohenschönhausen flammte die Debatte um Taser neu auf. Waren Knapes kritische Worte der Grund für den Verlust des Lehrauftrags? Foto: Spreepicture

Berlin. Paukenschlag an der Hochschule für Wirtschaft und Recht (HWR). Nach 28 Jahren Lehrtätigkeit an der Hochschule haben sich die Verantwortlichen dazu entschieden, Prof. Michael Knape keinen weiteren Lehrauftrag zu erteilen. Die genauen Gründe sind bisher unklar, doch nach Informationen des Magazins Spiegel hat PPr Klaus Kandt auf eine Entlassung des früheren Leitenden Polizeidirektor beim Polizeipräsidenten gedrängt. Die GdP fordert eine lückenlose Aufklärung über die Rolle des aktuellen Polizeipräsidenten.

Entscheidung nicht nachvollziehbar

„Ehrlich gesagt bin ich ein wenig überrumpelt von dieser Entscheidung. Ich kenne Professor Knape seit Jahrzehnten und ich kann die Beendigung des Lehrauftrags wie viele Kolleginnen und Kollegen an der HWR und zahlreiche Studentinnen und Studenten nicht nachvollziehen. Menschen seines Kalibers sind der Grund, warum viele überhaupt den Weg zur Polizei finden, seine Fachkompetenz im Bereich Polizei- und Ordnungsrecht ist über jeden Zweifel erhaben“, sagt Kerstin Philipp, Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei. Neben dem Artikel habe die GdP-Chefin über einen Brief der Seminargruppe S 4/7 an den Präsidenten der Hochschule von der Entlassung erfahren. In ihrem Schreiben plädierten die Studentinnen und Studenten mit Nachdruck für eine Weiterbeschäftigung Knapes. Der frühere Direktionsleiter bildete seit 1989 Studierende für den gehobenen Polizeivollzugsdienst aus, wurde 2001 zum Honorarprofessor ernannt und war bis zur Pensionierung im Jahr 2014 ranghoher Polizeiführer in Berlin.

Kritische Aussagen zum Taser als Grund für Entlassung?

Zuletzt äußerte sich Knape wie auch zuvor sein Kollege Prof. Dr. Clemens Arzt in der Morgenpost kritisch über die fehlende Rechtsgrundlage beim Taser-Probelauf und forderte Polizeipräsident Kandt dazu auf, seiner Fürsorgepflicht nachzukommen. Während es für Prof. Dr. Arzt in der Folge keine Probleme gab, wurde Knape bereits kurz nach dem veröffentlichten Artikel für sein Statement angegriffen. Die zuständige Dekanin Prof. Dr. Schönrock wollte einen Zusammenhang zwischen Taser-Kritik und Entlassung nicht benennen. Dem Spiegel gegenüber bestätigte die Berliner Polizei aber thematisch gebundene Gespräche zwischen der Dekanin und Polizeipräsident Kandt, der die Äußerungen Knapes als „fachlich falsch und ungebührlich“ einschätzte und die Meinung vertritt, dass es nicht unwidersprochen bleiben könne, wenn sich ein für den Polizei-Nachwuchs verantwortlicher Dozent in der Presse zu tagesaktuellen Rechtsfragen in sehr fragwürdiger Weise äußern würde.

Senatsinnenverwaltung muss Vorfall lückenlos aufklären

Der Verdacht liegt nahe, dass der Polizeipräsident massiv auf die Beendigung von Knapes Lehrauftrags gedrängt hat. „Das klingt für mich nicht wirklich nach Autonomie der Wissenschaft. Die Senatsinnenverwaltung sollte das schnellstmöglich lückenlos aufklären. Es wäre schon eine harte Hausnummer, einem erfahrenen Einsatzführer seinen Lehrauftrag zu entziehen, weil er im Sinne der Kolleginnen und Kollegen auf die aus seiner Sicht fehlende Rechtsgrundlage beim Taser hinweist und der Polizeipräsident darüber hinaus über die Auswahl der Dozenten an der HWR entscheidet“, so Philipp abschließend.


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