Zum Inhalt wechseln

50 Jahre Seniorenarbeit in der Gewerkschaft der Polizei (GdP) Baden-Württemberg

Im vergangenen Jahr 2018 konnten wir auf 50 Jahre Seniorenarbeit in der GdP Baden-Württemberg zurück blicken. Damit trägt die GdP Baden-Württemberg dem Umstand Rechnung, dass Rentner und Pensionäre Interessen und Anliegen haben, die sich von denen der „Aktiven“ im Beruf in vielen Bereichen unterscheiden. Doch erst vor 30 Jahren wurde eine organisatorisch eigenständige Seniorengruppe innerhalb der GdP Baden-Württemberg gegründet. Allerdings ist es auch nach einem halben Jahrhundert sowohl in der Bundes- als auch in der Landes-GdP immer noch ein teilweise mühsamer Weg zur Verbesserung der Interessenvertretung dieser Altersgruppe „außerhalb“ des Polizeiberufs. Und auch heute sind noch nicht alle Senioren damit zufrieden.


Von H. Werner Fischer, Landesseniorenvorsitzender


1968 wurde auf dem Landesdelegiertentag der GdP Baden-Württemberg beschlossen, im Landesvorstand das Amt eines Beisitzers für Pensionäre einzurichten; erster Amtsinhaber war Fritz Faller, ehemaliger Fachlehrer an der Landes-Polizeischule. 1981 gab der damals 79-jährige Pensionär sein Amt ab; Nachfolger wurde Olaf Bong aus Stuttgart, der 2005 mit 76 Lebensjahren in der Landesseniorenkonferenz nicht mehr zur Wahl antrat und der 2018 verstarb.

Viele Jahre waren die Beisitzer für Pensionäre („für Versorgungsfragen“) im Landesvorstand „Einzelkämpfer“, da es außer ihnen keine organisierte Gruppenvertretung gab. 1986 beschloss der GdP-Bundeskongress in Mannheim auf zunehmenden Druck der Rentner und Pensionäre unter den GdP-Mitgliedern die Einrichtung einer Seniorengruppe auf Bundesebene mit eigenen Richtlinien und einem gewählten Vorstand. Es dauerte noch zwei Jahre bis Olaf Bong auch den Landesvorstand der GdP Baden-Württemberg überzeugen konnte, dem Beispiel der Bundes-GdP (und zwischenzeitlich fast aller Landesverbände) zu folgen: 1988 beschloss der Landesvorstand die Gründung einer Seniorengruppe.



Dazu wurden Richtlinien erstellt; mit diesen bekam die Gruppe jetzt einen fünfköpfigen Vorstand, der vom Geschäftsführenden Landesvorstand vorgeschlagen und vom Landesvorstand gewählt wurde. Erst 2002 wurden die Richtlinien derart geändert, dass die Mitglieder der Seniorengruppe in den Seniorenkonferenzen demokratisch ihren Vorstand wählen konnten, dessen Vorsitzender die Rentner und Pensionäre im Landesvorstand vertritt. Bis zur Landesseniorenkonferenz am 27. September 2005 war dies wiederum Olaf Bong. In dieser Konferenz gab Olaf Bong den Landesvorsitz aus Altersgründen ab; er wurde später für seine Verdienste vom Landesdelegiertentag zum Ehrenmitglied der GdP Baden-Württemberg gewählt.

Dann gab es einen Generationswechsel an der Spitze: Vorsitzender wurde Günter Cramer aus der damaligen Kreisgruppe (KG) Karlsruhe –PP-, sein Stellvertreter H. Werner Fischer aus der KG Freiburg –LPD-, Schriftführer wurde Peter Schmidt von der KG Bruchsal –BePo- (alle „Jungpensionäre“); Beisitzer blieben wie bisher Erwin Müller (KG Freiburg –PD-) und Roland Zöller (KG Karlsruhe –LPD-).



In der Landesseniorenkonferenz 2005 neu gewählter Vorstand: (von links) Roland Zöller, Vorsitzender Günter Cramer, sein Vorgänger Olaf Bong, H. Werner Fischer, Erwin Müller; nicht im Bild, da Fotograf, Peter Schmidt.

Der damals neue Landesseniorenvorstand (LSV) hat sich bemüht, zuvor Bewährtes beizubehalten aber auch neue Bewegung in die Seniorenarbeit zu bringen. Allerdings war ihm damals bewusst, dass viel Arbeit vor ihm liegt: „Dicke Bretter müssen noch durchbohrt werden!“ ist ein Zitat aus einem Bericht über die Seniorenkonferenz 2005. War die Seniorenarbeit bis dahin mehr geprägt vom Einsatz für die beamten- und versorgungsrechtlichen Belange der „Ruheständler“ und die „Fachvertretung“ von Interessen einzelner Betroffener auf Landesebene („Beisitzer für Versorgungsfragen“), so ist dies zwar weiterhin als Aufgabe gesehen worden, besonderes Augenmerk wird aber seither auf eine aktive Seniorenarbeit vor Ort gelegt. Die GdP-Mitglieder, die der Seniorengruppe angehören, sollen erkennen können, dass ihre GdP auch nach dem Berufsleben noch für sie und ihre Interessen da ist. Fortgeführt wurden deshalb auch die Seminare „Vorbereitung auf den Ruhestand“, die sich zwischenzeitlich als „Renner“ entwickelt haben.


Für eben diese Seniorenarbeit vor Ort gibt es seit 2002 ein „AktivProgramm – nicht nur für Senioren (APS)“, das im Internetauftritt der GdP (Bund) hinterlegt ist. Hauptsächlicher Inhalt dieses Programms sind Unterlagen zur Vorsorge, Ratschläge für die Gesundheit im Alter, zur Gestaltung von Freizeit und Bildungsangebote. Es ist zu wünschen, dass dieses Angebot vermehrt von allen Kolleginnen und Kollegen angenommen wird, da es eine schier unerschöpfliche Quelle verschiedenster Hilfen für viele Bereiche des Lebens ist – eben nicht nur für Senioren. In diesem Zusammenhang sieht der LSV auch eine Aufgabe darin, bei Mitgliederversammlungen in den Kreisgruppen zu erscheinen und dort für die Seniorenarbeit zu werben und aber auch den „Aktiven“ im Beruf deutlich zu machen, dass Seniorenarbeit eine Aufgabe aller GdP-Mitglieder ist, denn „was man den Alten wegnimmt, bekommen die Jungen nie mehr wieder“ und: „Die jungen Leute von heute sollten gelegentlich daran denken, dass sie die alten Herrschaften von morgen sein werden. Denn morgen ist heute schon gestern!“

Zu Beginn des Jahres 2009 legte der Landesseniorenvorsitzende Günter Cramer aus persönlichen Gründen sein Amt nieder. Der Landesseniorenvorstand (LSV) wählte gemäß den Richtlinien für die Seniorenarbeit den bisherigen Stellvertretenden Vorsitzenden H. Werner Fischer zum Nachfolger. Durch den freiwerdenden Platz konnte Kollege Manfred Bohn (von der damaligen Kreisgruppe Emmendingen) zur Mitarbeit gewonnen werden; er wurde zum Stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. Noch im selben Jahr verstarb der Schriftführer des LSV Peter Schmidt. In der dann 2011 folgenden Landesseniorenkonferenz wählten die Delegierten einen neuen, jetzt wieder kompletten Vorstand. Neu hinzu gekommen war Rita Seyfrid (Kreisgruppe, jetzt BG Karlsruhe PP), die Roland Zöller ersetzte, der sich aus Altergründen nicht zur Wiederwahl stellte, und das GdP-Ehrenmitglied Wolfgang Schmidt (BG Aalen/Ostalbkreis) als neuer Schriftführer für Peter Schmidt.



Die Landesseniorenkonferenz 2011 wählte den Vorstand: (von links) Manfred Bohn (Stellv. Vorsitzender), H. Werner Fischer (Vorsitzender), Wolfgang Schmidt (Schriftführer), Rita Seyfrid (Beisitzerin) und Erwin Müller (Beisitzer)

Bei der Fortsetzung der GdP-Seniorenarbeit sah der neue Vorstand auf Landesebene einen weiteren Schwerpunkt: das Einbringen der „Seniorenprobleme“ in den GdP-Landesvorstand zur Umsetzung in die Politik und die Bemühungen für einen höheren Stellenwert der Seniorenarbeit in den verschiedensten Organisationen - aber auch in der Gesellschaft schlechthin. Auf Landes- wie auf Bundesebene sind deshalb Anträge verschiedenster Art in Bearbeitung, unter anderem: konstruktiver Einsatz bei der Festlegung von Arbeitszeiten, insbesondere der Lebensarbeitszeit; Erhaltung der Besitzstände in Rente und Pension; Initiativen in der Gesundheitspolitik einschließlich der Pflegeversicherung. Nicht erfolgreich waren intensive Bemühungen, die „Abschmelzung“ der Beamten-Pension von 75 auf 71,75 Prozent, die Reduzierung der Witwenpension auf 55 Prozent und der monatlichen „Sonderzahlung“ (ehemals Weihnachtsgeld) für Pensionäre auf nur noch etwa 30 Prozent des Standes von 1993 sowie die Leistungsreduzierung in der Beihilfe zu verhindern.

Leider mussten sich in der Folgezeit nach der Landesseniorenkonferenz 2011 bereits wieder zwei Mitglieder des LSV aus der Mitarbeit zurückziehen: Bereits am Ende des Wahljahres hat Rita Seyfrid ihr Amt aus persönlichen Gründen abgeben. Und zu Beginn des Jahres 2013 musste der langjährige Beisitzer im Landesseniorenvorstand (LSV) Erwin Müller aus gesundheitlichen Gründen seine aktive Mitarbeit in der GdP beenden. So bestand der LSV in der ersten Hälfte des Jubiläumsjahres 2013 (25 Jahre Seniorengruppe in der GdP Baden-Württemberg) nur noch aus einem „Restvorstand“ von drei Personen. Für kurze Zeit gelang es, den im Ruhestand befindlichen ehemaligen GdP-Landesvorsitzenden (und jetzigen Ehrenvorsitzenden) Josef (Jupp) Schneider zur Mitarbeit im Landesseniorenvorstand zu bewegen; aber eben nur kurz: nach nur acht Monaten beendete er bereits seine Mitarbeit wieder. Für eine kontinuierliche seitherige Mitarbeit konnten dann aber das ehemaligen Mitglied des Geschäftsführenden GdP-Landesvorstands (und jetzige Ehrenmitglieder) Karl-Heinz Strobel und Hans-Jürgen Maier (BG Offenburg) gewonnen werden.



Der aktuelle Landesseniorenvorstand (LSV) im Jahre 2016 nach der Landesseniorenkonferenz: (von links) Manfred Bohn (Stellvertretender Vorsitzender), Karl-Heinz Strobel (Beisitzer), Werner Fischer (Vorsitzender), Wolfgang Schmidt (Schriftführer), Hans-Jürgen Maier (Beisitzer).

Regelmäßig nimmt der Landesvorsitzende oder sein Vertreter an den Sitzungen des Bundesseniorenvorstands teil und natürlich werden die Senioreninteressen durch gewählte Delegierte in den jeweiligen Bundesseniorenkonferenzen und in den Landesdelegiertentagen der GdP Baden-Württemberg vertreten. So war beispielsweise Olaf Bong neben seinem Amt als Landesseniorenvorsitzender auch viele Jahre Schriftführer im Geschäftsführenden Vorstand der Seniorengruppe (Bund) und der jetzige Landesseniorenvorsitzende Werner Fischer ist seit 2014 als Stellvertretender Schriftführer Mitglied des Geschäftsführenden Bundesseniorenvorstands.


Bundesseniorenkonferenz 2018: Die Delegierten aus Baden-Württemberg (von links) Hans-Jürgen Maier (Beisitzer im LSV), Walter Burkhardt (BG Stuttgart), Werner Fischer (Landesseniorenvorsitzender), Paul Reinauer (BG Freiburg), Wolfgang Schmidt (Schriftführer im LSV), Manfred Bohn (Stellvertretender Landesseniorenvorsitzender), Karl-Heinz Strobel (Beisitzer im LSV)

Auf den Seniorenseiten der Internet-Auftritte von Bundes- und Landes-GdP werden stets Informationen angeboten. Eine große Nachfrage erlebt auch jährlich das Angebot einer Seniorenfahrt der Bundes-GdP (zuletzt stets organisierte Aufenthalte im sonnigen Süden).

Es ist festzustellen, dass sich in den verschiedenen Ecken unseres Landes in der Seniorenarbeit Unterschiedliches tut: Wer aufmerksam die Landesseiten von „Deutsche Polizei“ liest, stellt da oder dort zwar verschiedenste Aktivitäten und Veranstaltungen fest, leider aber nicht in allen Landesteilen. Die Umstrukturierung der GdP Baden-Württemberg in Bezirksgruppen, die der Neubildung von großflächigen Polizeipräsidien folgten, ist einer kleinräumigen Seniorenarbeit vor Ort nicht gerade zuträglich. Für die Älteren, auch nach Erreichen des Ruhestandsalters, bedeuten heute in besonderem Maße das Eingebundensein in eine Gemeinschaft und der Kontakt zu anderen Menschen oftmals Sinngebung und Strukturierung des Alltags. Sie wollen in diesem Lebensabschnitt aber vor allem feststellen können, dass die Gesellschaft ihre Lebensleistung honoriert und dies auch in einer gerechten finanziellen Versorgung nach dem Beruf zum Ausdruck kommt. Dabei sind nicht Wenige bereit, auch neue Aufgaben zu übernehmen. Diese Tätigkeiten vermitteln dann das Gefühl, gebraucht zu werden, Verantwortung tragen zu können und eröffnet die Gelegenheit, neue Erfahrungen zu machen, zu lernen und sich weiterzubilden. Wünschenswert wäre, dass mehr Kolleginnen und Kollegen im Ruhestand solch eine Aufgabe in ihrer GdP vor Ort suchen würden.

Die Einrichtung einer eigenständigen Seniorengruppe in der Gewerkschaft der Polizei war ein wichtiger Schritt im Rahmen der demografischen Veränderungen in unserem Land – aber eben auch nur ein Schritt. Weitere müssen folgen. So beispielsweise ein engerer Schulterschluss in der Seniorenarbeit unter den Gewerkschaften des Öffentlichen Dienstes. Viele Überlegungen, Wünsche, Forderungen und Probleme sind für die Pensionäre und Rentner des Öffentlichen Dienstes die gleichen. Wichtig ist dabei, dass es den Kolleginnen und Kollegen vor Ort bewusst ist, dass diese Arbeit für sie alle geleistet wird. Dass sie sowohl auf Bezirksebene wie aber auch auf politischer Ebene eine Gewerkschaft haben, die nicht nur die Interessen der aktiven Kolleginnen und Kollegen im Dienst vertritt, sondern auch die der Seniorinnen und Senioren im Ruhestand. Damit wir aber in der größten Polizeigewerkschaft unseres Landes Kraft und Durchsetzungsvermögen haben, damit die Politik an uns nicht vorbei regieren kann, brauchen wir weiterhin die Solidarität aller Kolleginnen und Kollegen und auch die wertvolle Mitarbeit an den verschiedensten Stellen. Gerade im Ruhestand ist man durch die Möglichkeit der doch meist völlig freien Zeitgestaltung geradezu prädestiniert, mitzuarbeiten, gegenseitig vor Ort füreinander da zu sein und sich in allen möglichen Lebenssituationen einzumischen. Lasst es uns auch tun. Dafür ist die Gewerkschaft der Polizei und ihre Seniorengruppe da. Schließlich soll eine Überzeugung Bestand haben: Gut dass es sie gibt, unsere Gewerkschaft der Polizei.

„Die größte Kulturleistung eines Volkes sind die zufriedenen Alten.“

Japanisches Sprichwort

This link is for the Robots and should not be seen.