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GdP-Landesseniorenkonferenz 2016:

„Zukunft braucht Erfahrung“

Die Seniorenbetreuung vor Ort und die Möglichkeiten dafür nach der Umorganisation der Gewerkschaft der Polizei in Folge der Strukturreform der Polizei standen im Mittelpunkt konstruktiver Beratungen der Seniorendelegierten aus den Bezirks- und Kreisgruppen und einem harmonischen Verlauf der Landesseniorenkonferenz 2016. Ein neuer Landesseniorenvorstand -der der alte ist- wurde gewählt und der Vorsitzende des Landesseniorenrates Baden-Württemberg, Roland Sing, hielt einen interessanten Vortrag über die Probleme und Chancen der demografischen Veränderungen in unserem Land.

Mit dem Zitat „Schöpfe aus der Vergangenheit, gestalte die Gegenwart, öffne dich der Zukunft“ der Schauspielerin Astrid Meyer-Gossler nahm der Landesseniorenvorsitzende H. Werner Fischer Bezug auf das Konferenzmotto „Zukunft braucht Erfahrung“ und führte aus, dass die erlebte Erfahrung aus der Vergangenheit zweifellos zur konkreten Gestaltung der Lebensverhältnisse in der Gegenwart beitrage und bei der Gestaltung hinein in die Zukunft helfe. „Und wer bitteschön“, so Fischer, „hat mehr Lebenserfahrung als die Menschen, die sich in ihrem dritten Lebensabschnitt befinden, also die Generation 60 Plus?“ Bald 50 Jahre gibt es in der GdP-Baden-Württemberg bereits die organisierte Seniorenarbeit – und sie wird immer wichtiger: Schließlich weiß man aus allen demografischen Untersuchungen, dass die Generation der Seniorinnen und Senioren in unserem Land einen immer größeren Bevölkerungsteil ausmacht.
Werner Fischer gab einen Rückblick über die Seniorenarbeit seit der letzten Konferenz im Jahre 2011, ging nochmals auf die verschiedenen personellen Veränderungen im Landesseniorenvorstand (LSV) in dieser Zeit ein und zeigte sich sehr zufrieden mit dem Team des jetzigen Vorstands. Als Schwerpunkt seines mündlichen Geschäftsberichts (der schriftliche befand sich umfangreich in der Delegiertenmappe) ging er auf den Solidaritätsgedanken in der heutigen Zeit ein. „Wir haben uns zu einer Ich-Gesellschaft entwickelt. Aber wenn jeder nur für sich selbst sorgt ist nicht für alle gesorgt“, so Fischer. Zu einer Leitkultur in Deutschland gehöre für ihn Solidarität als einer der wichtigsten Werte dazu; und auch gerade das Engagement der Ehrenamtlichen. Aber Solidarität lasse sich nicht verordnen. Es müsse „von oben“ gefragt werden, was tragt ihr mit? Aber, zitiert er das Sprichwort: Der Fisch beginnt am Kopf zu stinken. Was solle man denn derzeit von der Solidarität unter den Staaten Europas halten? Wo sei ein solidarisches Verhalten der Verantwortlichen in der Politik bei der schwierigen Flüchtlingssituation? Wo sei aber auch das solidarische Verhalten der ehemaligen Beschäftigten unserer Polizei mit eben dieser unserer Polizei? Wo ist das solidarische Verhalten der Rentner und Pensionäre zu den Aktiven in der Gewerkschaft der Polizei? Fischer appellierte an die Delegierten in dieser Konferenz im Sinne dieser Solidarität ein Zeichen zu setzen. Er warb für die Zustimmung zu einer Resolution des LSV zur Unterstützung unserer Polizei; „der Polizei, die wir in unserem Lande aufgebaut haben“, so Fischer, und die es Wert sei, sich für sie und ihre Beschäftigten in einer schwierigen Zeit solidarisch einzusetzen. Die Resolution „Polizei stärken“ wurde einstimmig beschlossen und auch die gleichzeitig durchgeführten Konferenzen der Frauengruppe und der JUNGEN GRUPPE schlossen sich diesem Beschluss an.

Bei den Zuhörern, unter denen sich Bundesseniorenvorsitzende Winfried Wahlig vom Bezirk Bundeskriminalamt befand, fand auch große Zustimmung ein Vortrag des Vorsitzenden des Landesseniorenrates Baden-Württemberg (in dem die GdP seit einem Jahr Mitglied ist), Roland Sing, in dem er nicht nur auf die Probleme der demografischen Entwicklung einging sondern auch ihre Chancen aufzeigte. Auch er stellte das Ehrenamt von Senioren als unverzichtbar in unserer Gesellschaft heraus. Viele Senioren sind dankbar, dass sie noch eine Aufgabe hätten. Seine Themen waren dann barrierefreies Wohnen (nur drei Prozent des gesamten Wohnungsbaus in Deutschland seien so ausgebaut), Technik–Unterstützung im Alltag, Internetfähigkeit bei älteren Menschen, Mobilität im Alter, insbesondere beim öffentlichen Nahverkehr, das neue Pflegegesetz, das sehr kompliziert und undurchsichtig sei, Sucht im Alter (Alkohol- und Tabletten), Gesundheitsprävention im Alter und Rehabilitation, Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung. Reichlicher Beifall belohnte den Redner für seine interessanten und lebensnahen Ausführungen.

In der Antragsberatung und der entsprechenden Aussprache ging es vor allem um die
Seniorenarbeit vor Ort. Durch die neuen Strukturen der GdP-Organisation sei es immer schwieriger, auch auf Bezirksebene die Mitglieder zu erreichen und beispielsweise ihre E-Mail-Adressen zu bekommen. Es wurde angeregt, schon ein Jahr vor dem Ruhestand Infos dafür an die Mitglieder zu geben und dabei auch schon die private E-Mail-Adresse anzugeben. In einer Meinungsabfrage befürwortete genau die Hälfte der Delegierten die zentrale E-Mail-Versendung von der Geschäftsstelle aus, die andere Hälfte war dafür, dass die Seniorenbetreuer vor Ort selbstständig die E-Mail-Adressen abfragen und sich einen Verteiler einrichten. Werner Fischer betonte mehrmals, dass das Liefern von Infos an die Seniorinnen und Senioren nur ein kleiner, aber wichtiger Teil der Seniorenbetreuung vor Ort sei. Die größte Bedeutung für die Wirksamkeit der Seniorenarbeit in der GdP sei aber die persönliche Betreuung der Kolleginnen und Kollegen vor Ort, wozu allerdings auch bereitwillige Frauen und Männer gebraucht würden , was ganz offensichtlich ein Problem sei.

Auch war einhellige Meinung, dass die sehr erfolgreichen Seminare „Vorbereitung auf den Ruhestand“ nach dem Verlust des Seminarortes Wertheim unbedingt weiter durchzuführen seien und schnellstmöglich ein neuer Veranstaltungsort gefunden werden müsse.

Die durchzuführenden Wahlen betrafen die Delegierten für die nächste Bundesseniorenkonferenz 2018 und den fünfköpfigen Landesseniorenvorstand. Erfreulicherweise hatten sich alle LSV-Mitglieder wieder zur Wahl gestellt und alle wurden einstimmig bestätigt: als Vorsitzender H. Werner Fischer von der Bezirksgruppe (BG) Freiburg, Manfred Bohn von der BG Freiburg als Stellvertretender Vorsitzender, Wolfgang Schmidt von der BG Aalen als Schriftführer, als Beisitzer Hans-Jürgen Maier aus der BG Offenburg und Karl-Heinz Strobel von der BG Ludwigsburg.

Der alte und neue Vorsitzende Werner Fischer gab am Ende der Beratungen den Hinweis, man könne sich an der traditionell hohen Achtung der "Alten" im asiatischen Raum durchaus ein Beispiel nehmen. Dazu beendete er die Konferenz mit dem japanischen Sprichwort: "Die größte Kulturleistung eines Volkes sind die zufriedenen Alten".
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