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Parteien diskutieren im Wahlkampf bisher an den Menschen vorbei

Wahlkampf 2013 : Weckruf an die Politik

Umfrage der IG Metall

Regierungsbezirk Münster.

Insgesamt hat die Gewerkschaft rund 514 000 ArbeitnehmerInnen danach befragt, welche Themen bei der Bundestagswahl 2013 für sie wichtig sind. Allem voran fordern die ArbeitnehmerInnen eine neue Ordnung der Arbeit. So bezeichnen 88 Prozent von ihnen einen unbefristeten Arbeitsvertrag als „sehr wichtig“. 83 Prozent wollen ein verlässliches Einkommen. Über 90 Prozent fordern, dass der Niedriglohnsektor eingedämmt wird. Das sei Aufgabe der Politik, betont Berthold Huber, Erster Vorsitzender der IG Metall.

Menschen begeistern


Huber kritisiert, dass die Parteien bisher im Wahlkampf nicht auf die Anliegen der Menschen eingegangen sind. Neben einer neuen Ordnung der Arbeit wollen sie vor allem faire Altersübergänge, gerechte Bildungschancen und bessere Möglichkeiten, Beruf und Familie zu vereinbaren. Der IG Metall-Vorsitzende vermisst bislang eine Debatte über diese Fragen. „Ich sage der Politik: Sie werden die Menschen nur dann für Wahlen begeistern, wenn sie deren Themen bearbeiten“, so Huber

Kompass nutzen
Die Befragung kann den Parteien als Kompass dienen, worauf es für die Menschen ankommt. So halten es 97 Prozent für „sehr wichtig“ oder „wichtig“, die soziale Sicherung aus Renten-, Gesundheits-, Pflege-, und Arbeitslosenversicherung zu stärken. Jeweils 94 Prozent plädieren für bessere Bildungschancen und ein ökologisch und sozial nachhaltiges Wachstum.

Volksentscheide stärken
Detlef Wetzel, Zweiter Vorsitzender der IG Metall, stellt klar: „Deutschlands Beschäftigte sind es leid, dass an ihnen vorbeiregiert wird.“ Den einsamen Entscheidungen in den Elfenbeintürmen von Politik und Wirtschaft setze die IG Metall Demokratie entgegen. So sei Beteiligung ein Schlüsselthema, die Politik müsse die Interessen der Menschen mehr berücksichtigen. „Deshalb fordern wir neben einer Stärkung der Volksentscheide auf politischer Ebene auch in den Betrieben mehr individuelle Beteiligungsrechte der Beschäftigten – für alle Fragen zu ihrer Arbeitssituation“, so Wetzel.

Viel zu tun für Unternehmen
Die Befragung zeigt: Für die Unternehmen gibt es viel zu tun. Vor allem bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, in der Weiterbildung und bei altersgerechten Arbeitsplätzen sehen die Beschäftigten großen Handlungsbedarf. So geben 57 Prozent an, dass ihr Betrieb keine ausreichenden Möglichkeiten zur Weiterbildung bietet. Jede/r Zweite vermisst jegliche Unterstützung durch den Vorgesetzten. Vielen fehlt zudem schlicht das Geld, um sich eine Auszeit zur Fortbildung zu leisten. Dabei geben 70 Prozent an, dass Weiterbildung für ihren Job wichtig ist.

Mehr Beteiligung
Die große Mehrheit der Betriebe ist nicht auf eine älter werdende Belegschaft vorbereitet. Nur vier Prozent schätzen die Situation in ihrem Betrieb als „sehr gut“ ein. 29 Prozent halten sie für „gut“. Demgegenüber stehen 48 Prozent, die in ihrem Unternehmen nur sehr wenig oder keine Vorkehrungen sehen. Dabei haben die befragten ArbeitnehmerInnen klare Vorstellungen, wie sie gesund und leis­tungsfähig bis zur Rente durchhalten können. So fordert ein Großteil, den Arbeitsplatz ergonomischer zu gestalten. Außerdem wollen sie Arbeitsmenge und -tempo selbst einteilen. Um Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen, legen rund 80 Prozent Wert auf klar festgelegte Arbeitszeiten.

Umfassende Erhebung
Die IG Metall-Befragung ist die bislang umfassendste Erhebung zu zentralen politischen und betrieblichen Gestaltungsfragen unter Beschäftigten aus Industrie und Handwerk. Insgesamt wurden ArbeitnehmerInnen aus rund 8400 Unternehmen befragt. Knapp ein Drittel der Befragten gehört keiner Gewerkschaft an. Jeder vierte Befragte ist 35 Jahre alt oder jünger. Die IG Metall will die Ergebnisse auch für die eigene gewerkschaftliche Arbeit nutzen. 44 Prozent der Befragten geben an, dass sie sich selber stärker für die Interessen ihrer KollegInnen einsetzen wollen.

Erschienen in: einblick 12/2013 vom 24.06.2013

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