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Castor-Transport Erfahrungsbericht


Wir machen Urlaub? Die JUNGE GRUPPE (GdP) Bund zu Gast im Wendland

Es war im Oktober - in einer gemütlichen Runde - da entschlossen wir uns (Karen Seiter und Sven Lange aus Baden Württemberg, Jens Berner aus dem Saarland, Thorsten Weiß von der Bundespolizei und Sabrina Kunz aus Rheinland-Pfalz), Urlaub im Wendland zu machen und die Einsatzkräfte beim Castor-Transport tatkräftig zu unterstützen. Das Konzept sah vor, den Einsatzkräften einen Einkaufsservice (alles, was bei örtlichen Märkten gekauft werden kann), Kaffee, Tee, Cappuccino oder halt eben nur moralische Unterstützung anzubieten.

Zunächst gingen wir von einem Personalansatz von über 10 Leuten aus, aber wie das halt so im Leben ist, kommt immer alles anders als man denkt.
Nachdem viele Kollegen und Kolleginnen aus dienstlichen Gründen verhindert waren, musste Karen kurzfristig ihre Teilnahme auch noch zurücknehmen, da sie mit ihrem „Smartchen“ verunfallt war. Von hier aus Gute Besserung, liebste Karen! Nichts desto Trotz waren wir in der ersten Hälfe der „Einsatzwoche“ zu dritt und in der zweiten Hälfte der „Einsatzwoche“ waren wir sogar zu viert.

Am 14.11.05 fuhren Thorsten Weiß ab Stuttgart und ich ab Koblenz mit dem Zug nach Hilden, wo der GdP-Bus schon freudenstrahlend und beladen auf uns wartete. In Hilden angekommen mussten wir erst einmal jemanden finden, der uns empfangen wollte. Das war zunächst gar nicht so einfach. Gegen die Mittagszeit hatten wir den Bus dann endlich startbereit. Auf der Autobahn verließ uns kurz der Mut weiterzufahren, weil der Nebel uns depressiv stimmte, aber das Ganze war für einen guten Zweck also hieß es „Augen zu und durch“! Wir fuhren zunächst nach Lüneburg, weil wir dort Jens aus `em Saarland noch vom Bahnhof abholen mussten. Gegen 19:00 Uhr kamen wir dann endlich am Truppenübungsplatz Munster–Trauen an, da wir dort untergebracht waren. Ich war wirklich heilfroh, dass Thorsten ein Navi-Gerät mit hatte, sonst wären wir vermutlich jetzt noch unterwegs.

An den darauffolgenden drei Tagen hieß es für uns erst einmal, 8.000 Flyer unter die Leute zu bringen, denn wir wollten im ersten Schritt auf uns aufmerksam machen. Also fuhren wir eine Unterkunft nach der anderen ab, um unsere Flyer zu verteilen. In der Schlieffen–Kaserne in Lüneburg wurden wir dann erst einmal angeschaut, als wollten wir den Einsatz nutzen, um für die GdP Mitglieder zu werben, dabei war das doch gar nicht unsere Absicht.
Ähnlich ging es uns auch in der Theodor-Körner-Kaserne in Lüneburg, nachdem unser Bundesjugendvorsitzender Sascha Göritz Jens anrief und ihm mitteilte, dass man sich über uns beschwert habe, wir würden beim Verteilen der Flyer alles dreckig machen. Wir waren ja einsichtig und entschlossen uns dazu, in den nächsten Unterkünften zuvor Kontakt mit den jeweiligen Objektleitern/Objektleiterinnen aufzunehmen.
Es sollte also bei der einzigen Beschwerde bleiben.
Am Mittwoch verteilten wir dann noch Flyer in Bad Bodentorf, Neu-Tramm, Wolterstorf und Dannenberg und am Donnerstag schließlich noch in Gorleben. Ich muss an dieser Stelle gestehen, zu dieser Zeit waren wir alle ganz schön kaputt. Hätten wir dafür Kilometergeld bekommen, bräuchte ich mir um die Weihnachtsgeschenke keine Gedanken mehr zu machen.

An der Verteilaktion in Neu-Tramm war zudem auch noch der Sekretär der GdP aus NRW Theo Mayer beteiligt, der uns noch tatkräftig unterstützt hat. Von der GdP NRW bekamen wir sogar eine Popcorn-Maschine und GdP-Tüten zum Befüllen zur Verfügung gestellt. Was lag also näher, als die Kräfte auch mit Popcorn zu versorgen. Ich glaube, dass wir damit alle Versorgungsteams übertroffen haben (von uns hat sich aber auch jeder mindestens einmal die Finger an der Maschine verbrannt). Das lag vermutlich an den Begleitgetränken, die wir beim „Popcorn-Machen“ zu uns genommen haben.

Die richtigen Probleme sollten sich für uns aber erst ergeben, als wir mit dem eigentlichen Service angefangen haben. Wir fuhren in zwei Teams mit voll geladenen Fahrzeugen so lange es nur ging im Einsatzgebiet umher und immer dann wenn wir auf Einsatzkräfte stießen, wurden diese mit warmen Getränken und JUNGE GRUPPE (GdP) Utensilien (Castor Kondome, Kugelschreiber, Popcorn und Bonbons) versorgt. Natürlich standen wir auch als Ansprechpartner für sonstige Probleme zur Verfügung.

So wurde an uns herangetragen, dass in einer Unterkunft die Heizung nicht funktionierte, was wir Gott sein Dank klären konnten. Eine defekte Gasleitung hatte den Missstand ausgelöst. Durch Kräfte der Bundespolizei wurde uns mitgeteilt, dass sie nur ihre reine Einsatzzeit pro Tag vergütet bekämen und die Zeit in Bereitschaft als Freizeit gezählt werden würde. Mir stellten sich die Nackenhaare, als ich das gehört habe. Die Kräfte sind zum großen Teil über eine Woche (teilweise noch viel länger) von ihrer Familie – von ihrem zuhause – getrennt und sollen dann die Zeit in Bereitschaft nicht gezählt bekommen.

Liebe Einsatzführung, wie sollen die Kollegen sich denn für einen so langen Einsatz zu guter Arbeit und gutem Gelingen motivieren, wenn kein Reiz vorhanden ist, nach Einsatzrückkehr mit einem kleinen Stundenpolster zur Familie zurückzukehren?

Erstaunt war ich auch als ich festgestellt habe, dass in einer Unterkunft Betten in einem Duschraum standen. Wer soll denn in einem solchen feuchten Raum schlafen? Ich denke, dass es jedem einleuchten dürfte, dass eine solche Unterkunft nicht für Einsatzkräfte geeignet ist.

Es dürfte sich jedem die Erkenntnis erschließen, dass ein solcher Einsatz nicht nur von Tadel begleitet sein sollte. Es hat mich unsagbar gefreut, die Unterkunft in Neu-Tramm zu betreten. Weihnachtlich geschmückt, von einem Betreuungsteam begleitet und bekocht von einer super Küche fühlten sich die Einsatzkräfte sichtlich wohl.
Auf dem Buffet-Tisch fand sich ein gebackenes Lebkuchenhäuschen, das regelrecht dazu einlud, die Mahlzeiten zu sich zu nehmen. Frei nach dem Prinzip „DAS AUGE ISST MIT!“. Ähnlich habe ich es auch bei den „Rosenheimern“ – Bundespolizisten empfunden.

Im Großen und Ganzen muss ich für - meinen Teil gesprochen - wirklich feststellen, dass unsere Kräfte zwar auf engstem Raum untergebracht waren, sie aber ausgleichend zum größten Teil super versorgt waren.
Ich möchte an dieser Stelle jedoch nicht zu viel Lob loswerden, denn es gibt nach wie vor noch unbelehrbare Führungskräfte. Es ist ja allseits bekannt, dass Ausnahmen die Regel bestätigen und aus diesem Grund möchte ich auch euch – die ihr nicht so gut verpflegt wart – ermutigen, auch beim nächsten Castor-Einsatz wieder mit 150-prozentigem Einsatz beim Castor dabei zu sein, denn der nächste Castor kommt bestimmt und euer Aktiv-Plus-Betreuungsteam ist dann auch wieder für euch da.

Eure
Sabrina Kunz
Landesjugendvorsitzende RP