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Gedanken

Diskussionen um Silvestereinsatz reißen nicht ab

Kesselsdorf.

Das Jahr 2020 ist nun schon mehr als eine Woche alt, aber die Diskussionen zum Silvestereinsatz in Leipzig reißen nicht ab. Egal ob man sich in der Polizei oder im privaten Umfeld unterhält, wird verständlicher Weise teilweise sehr emotional Bezug genommen. Aber der Tenor bleibt überall gleich. So etwas darf nicht wieder passieren, denn Gewalt gegen Einsatzkräfte darf es nicht geben.

Auch generell bin ich mehr als nur etwas verschnupft, wenn ich an die letzten Tage und die in dieser Zeit in Öffentlichkeit gebrachten Meldungen denke. Hier scheint es unzählige Menschen mit absoluter Fachkompetenz zu geben, die genau einschätzen können, wie man „richtig“ polizeiliche Arbeit leistet und wo gerade der Fehler im polizeilichen Einsatzgeschehen war. Selbst noch so weit entfernte „Experten“ lassen es sich nicht nehmen, die Lage vor Ort beurteilen zu können, ohne dass die Geschehnisse auch nur ansatzweise vollständig aufgearbeitet sind.

Wünschenswerter wäre es aber, wenn diese sich mal offiziell als Bewerber für die sächsischen Polizei vorstellen. Wir haben genug Ausbildungs- oder Studienplätze zur Verfügung. Dort könnten sie wirkliche Kompetenz erlangen und ihr Interesse am Polizeidienst einbringen, nämlich dort wo er hingehört.

Generell habe ich mir überlegt, dieses Phänomen der Allkompetenz für mich in Anspruch zu nehmen. Vielleicht werde ich diese Vorgehensweise mir auch zu eigen machen, wenn ich das nächste Mal mein Fahrzeug in eine Fachwerkstatt bringe, um es reparieren zu lassen. Der Werkstattmeister wird sich sicher freuen, wenn ich ihm exakt erkläre, wie er mein Auto zu reparieren hat. *Sarkasmus aus*

Ich finde, dass rund um das Einsatzgeschehen zu Silvester in Leipzig in vielen Bereichen eine verquere Diskussion und Wortklauberei stattfindet und sich auf „Nebenschauplätze“ begeben wird, um vom eigentlichen Problem abzulenken. Es ist für mich als Mensch völlig irrelevant wer die richtige Definition des Wortes „Not-OP“ hat oder ob eine Bewusstlosigkeit ein lebensbedrohlicher Zustand ist, welcher die Aufnahme in ein Krankenhaus rechtfertigt.

Mich verärgert, dass völlig außer Acht gelassen wird, dass hier Menschen in Ausübung ihres Berufes (Dienstes) angegriffen und verletzt wurden und dies mit voller Absicht geschah. Ja, auch eine Polizistin oder ein Polizist sind Menschen. Menschen in Uniform, die Ihren Beruf nachgehen, um die Rechte der Bürgerinnen und Bürger zu schützen und das was sie machen lieben. Haben diese nicht auch das gleiche Recht auf körperlichen Schutz und Unversehrtheit?! Ist das nicht eine Erwartung an alle Berufe?! Wir alle haben Familien, die sich um uns Sorgen. Die zurecht hoffen, dass wir gesund aus unserem Arbeitsalltag zurückkommen.

Erschreckend finde ich auch die Haltung und Äußerungen einiger politischen Verantwortungsträger, egal ob sie in der Kommunal-, Landes- oder Bundespolitik ihr zu Hause haben. Diese sollten sich meiner Meinung nach einmal Gedanken machen, was in unserer Gesellschaft falsch läuft, wenn sie zum Teil selbst aber auch andere Personengruppen, die Gegenwart von Polizei als Provokation auffassen und an der Polizei Kritik äußern. Die Polizei als das Organ des Staates, welches diesen vertritt und die Aufgabe hat die Interessen durchzusetzen, wird von deren eigenen Vertretern nicht gewürdigt und deren Anwesenheit zu bestimmten Zeiten an entsprechenden Orten für ungerechtfertigt gehalten.

Für mich, da ich selbst Polizist bin, steht die Polizei für die Worte „Freund und Helfer“, auch wenn sie zugegebenermaßen etwas verstaubt wirken. Wir wollen Hilfe leisten, Unterstützung geben und die ein oder anderen Probleme lösen. Ich gehe ganz stark davon aus, dass das auch das Selbstverständnis meiner Kolleginnen und Kollegen ist. Die pure Anwesenheit von Polizei sollte also genau das Gegenteil bewirken, nämlich Zufriedenheit und Sicherheit.

Ich hoffen, dass die laufenden Strafverfahren etwas Licht und vor allem Sachlichkeit in die laufenden Diskussionen bringen und somit einen Beitrag leisten, damit die politischen Verantwortungsträger der Innen- und Sicherheitspolitik die Weichen in die richtige Richtung stellen.

Ich bin persönlich der Überzeugung, dass die konsensfähige Vereinbarung für ein gesundes menschliches Miteinander mit Leben erfüllt werden kann, welche besagt, man kann unterschiedlicher Meinung sein, man kann emotionale Auseinandersetzungen führen aber es darf nie passieren, dass man den anderen Standpunkt nicht akzeptiert. Dies führt zur Gewalt und Gewalt hat in unserer zivilisierten Gesellschaft in keiner Auseinandersetzung etwas zu suchen.

Polizei Auch MENSCH

Hoffnungsvoll! Eurer Jan vom SMT der GdP Sachsen

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