Zum Inhalt wechseln

G 20-Einsatz - Eindrücke vom Polizeiseelsorger

„Kolleginnen und Kollegen haben mit Courage und Solidarität ihre heikle und gefährliche Aufgabe gemeistert“

Hamburg / Kiel.

In der „heißen Phase“ des Polizeieinsatzes beim G-20-Gipfel in Hamburg stand Schleswig-Holsteins Polizeiseelsorger Volker Struve den Ordnungshütern zur Seite. Über fünf Tage begleitete der 46-Jährige die Einsatzkräfte. Zwei Tage war Struve zunächst auf eigene Faust bei den Einheiten unterwegs, um das Gespräch mit den eingesetzten Polizisten zu suchen, ab Freitag bis gestern mit der 2. Einsatzhundertschaft unterwegs.

Und die Polizistinnen und Polizisten nahmen die Begleitung und Unterstützung durch den angesehenen Seelsorger dankend an. "Toll, dass Du uns auch begleitest, wenn es kritisch wird“, hätten sich die Beamten gefreut. Bei seinen Gesprächen mit den Beamten habe er unterschiedliche Formen von Anspannung wahrgenommen, letztlich sei ihr Auftreten aber stets professionell, berichtet Struve, der in seiner Tätigkeit als Polizeiseelsorger seinen Traumberuf sieht.
„Trotz dieser Anspannung haben sich die Kolleginnen und Kollegen in bemerkenswerter Weise um die Bürger gekümmert“, zeigt sich Volker Struve beeindruckt. Die Polizistinnen und Polizisten seien in der Regel freundlich gewesen und hätten auch viel Verärgerung und abschätzige Reaktionen hingenommen.
Die lange Einsatzzeiten, viel zu wenig Schlaf und hohe Belastungen hätten jedoch merkbar an den Kräften und Nerven gezerrt. „Aber es ist beeindruckend, wie die meisten Kolleginnen und Kollegen das wegstecken“, erklärt der Theologe.
Die meisten Polizeikräfte seien insgesamt gut untergebracht worden. Bei manchen Unterkünften wie beispielsweise in Bad Segeberg hätte er sich jedoch eine fürsorgliche Planung gewünscht. „Es hätte berücksichtigt werden müssen, dass die Polizisten viel zu wenig Schlaf bekommen und deshalb ausreichend Ruhe und Komfort in ihren Unterkünften benötigen“, berichtet Struve von seinen Eindrücken. Die Einsatzkräfte seien bescheiden, aber eine ungestörte Nachtruhe brauchten sie bei solchen Einsätzen schon.

Spürbar gestärkt seien die Polizistinnen und Polizisten, die in der Auseinandersetzung mit gewalttätigen Chaoten schließlich Kopf und Kragen riskiert hätten, durch die gelebte Solidarität. „Das beginnt bei den Kollegen, geht über die direkten Vorgesetzten über die Seelsorger bis hin zur Polizeiführung. Aus dem politischen Raum hätte sich die Einsatzkräfte jedoch mehr Rückenstärkung gewünscht.

„Kraft gab aber auch die Überzeugung, das Richtige zu tun und für eine gute und gerechte Sache einzustehen“, erklärt Struve. Und auch die Gedanken an das Ende des Einsatzes und die Zeit, die die Kolleginnen und Kollegen danach wieder mit ihren Lieben zu Hause verbringen können, hätten das Durchhaltevermögen an diesen zermürbenden Einsatztagen gekräftigt.

Bedauerlicherweise hätten einige Bürger uneinsichtig und unhöflich auf Anweisungen der Polizei reagiert, berichtet der Polizeiseelsorger. Aber die Mehrzahl sei auch kooperativ und wertschätzend gewesen. „Es haben sich sogar Bürger mit Kaffee und Süßigkeiten zu uns aufgemacht, um "Danke" zu sagen. Das war sehr wohltuend“, so Struve. Auch die vielen besorgten Nachfragen aus dem Freundes- und Familienkreis, die Grüße und die Anteilnahme an den schrecklichen Ereignissen hätten die Einsatzkräfte in der Hansestadt erreicht und ihnen gut getan.

Jedoch hätte sich bei einigen Einsatzkräften ein Gefühl von Hilflosigkeit und Frustration breit gemacht, als sie zu Hunderten ein Gebiet sicherten, wo es absolut ruhig gewesen sei, während am anderen Ende der Stadt regelrecht Krieg geherrscht habe und andere Kolleginnen und Kollegen in Bedrängnis geraten seien.

„Andererseits sind die meisten sicherlich in ihrem Inneren auch froh gewesen, auf diese Weise unverletzt zu bleiben“, so Struve. Volker Struve ist als Seelsorger für rund 8.000 Beschäftigte der Landespolizei und ihre Familien zuständig.

Das Fazit des Polizeiseelsorgers nach Ende des mehrtägigen Einsatzes: „Es waren unvergessliche Ereignisse. Es war aber unglaublich beeindruckend, mit welcher Courage und Solidarität die Kolleginnen und Kollegen ihre heikle und gefährliche Aufgabe in Hamburg gemeistert haben“, lobt Volker Struve. Aus seinen Worten klingt auch Stolz auf die schleswig-holsteinischen Ordnungshüter. „Ich durfte ja auch mit der Besten aller Landespolizeien unterwegs sein“, stellt Struve augenzwinkernd fest.


Thomas Gründemann