18.05.2026
Kopelke: Ich bin es leid, dass meine Kolleginnen und Kollegen im Dienst angegriffen werden.
Der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Jochen Kopelke, beschreibt in seinem Gastkommentar die zunehmenden Herausforderungen für Polizei und Rechtsstaat. Er spricht über steigende Gewalt gegen Einsatzkräfte, wachsende gesellschaftliche Spannungen und die Belastungen, denen Polizistinnen und Polizisten täglich ausgesetzt sind. Gleichzeitig mahnt er mehr Unterstützung für Sicherheitsbehörden, schnellere Verfahren und einen starken demokratischen Zusammenhalt an.
Es ist daher an der Zeit, eine wirksame Sicherheitsoffensive zu starten, die schnell und spürbar liefert, was notwendig ist: mehr Polizisten im Einsatz, mehr Streifenwagen auf der Straße und schnellere Ermittlungen mit echter Wirkung, damit Gewalttäter konsequent festgenommen werden können:
- mehr Polizistinnen und Polizisten im Einsatz
- mehr Streifenwagen und sichtbare Präsenz
- schnellere Ermittlungen und Gerichtsverfahren
- konsequente Festnahme von Gewalttätern
- funktionierende Hilfsangebote und Versorgungssysteme für psychisch erkrankte Menschen
- moderne Eingriffsbefugnisse gegen Clans, Rocker und organisierte Kriminalität
- bessere technische und rechtliche Ausstattung gegen Drohnen, Spionage und Sabotage
- stärkeren Schutz für Einsatzkräfte und deren Familien
- Investitionen in Sicherheit, Bildung und Sozialstaat
- mehr Vertrauen und Rückhalt für den Rechtsstaat
Ich bin es leid zu erleben, dass Menschen in Sicherheitsbehörden angefeindet, privat bedrängt und eingeschüchtert oder im Dienst gezielt angegriffen, verletzt oder sogar getötet werden.Jochen Kopelke, GdP-Bundesvorsitzender
Was Polizistinnen und Polizisten in Jahrzehnten ihres Dienstes erleben, lässt sich oft kaum in Worte fassen. Viele tragen belastende Erfahrungen ein Leben lang mit sich. Trotzdem bleibt der Polizeiberuf für viele eine erfüllende Aufgabe, weil er dem Schutz von Menschen und Demokratie dient. Denn nicht nur der Rechtsstaat, auch unsere Demokratie steht vor großen Herausforderungen. Mittendrin stehen Polizistinnen und Polizisten – zum Schutz unserer Demokratie, unserer Institutionen und unseres friedlichen Zusammenlebens. Aber: Sicherheit entsteht nicht nur durch mehr Befugnisse und härtere Maßnahmen. Sie entsteht auch durch funktionierende Schulen, Prävention, psychische Versorgung, Integration und einen starken Sozialstaat. Polizei kann vieles auffangen – aber nicht die Versäumnisse der gesamten Gesellschaft ersetzen. Wer mehr Sicherheit will, muss diejenigen stärken, die sie täglich gewährleisten.
Den vollständigen Gastkommentar gibt es hier:
„Ich bin es leid, dass meine Kollegen im Dienst angegriffen werden“
„Deutschland diskutiert wieder intensiv über Sicherheit. Ob in Bremen, Bremerhaven oder München – die Polizeirealität ähnelt sich überall: mehr Gewalt, mehr Einsätze wegen häuslicher Gewalt, mehr Demonstrationen und immer jüngere Täter. Ob im Problemviertel, am Bahnhof, im Internet oder im Fußballstadion – wir erleben zunehmend Respektlosigkeit, steigende Gewalt, wachsende Verrohung und eine immer größere Brutalität. Es wirkt, als kehre das Recht des Stärkeren in unsere Gesellschaft zurück. Dabei liegt das Gewaltmonopol allein beim Staat – und wir Polizistinnen und Polizisten setzen dieses Gewaltmonopol durch. Wir sind Gesetzeshüter.
Zugleich geraten wir zunehmend an unsere Grenzen: Polizistinnen und Polizisten müssen innerhalb kürzester Zeit Entscheidungen treffen – oft auf Grundlage unvollständiger Informationen und unter unmittelbarer Gefahr für die eigene körperliche Unversehrtheit. Gewalt gegen Einsatzkräfte ist längst kein Randthema mehr. Sie gehört zum Alltag – mit gravierenden Auswirkungen auf die Gesellschaft und auf uns Polizistinnen und Polizisten.
Die Anforderungen an die Polizei sind zu Recht hoch. Gleichzeitig steigen sie kontinuierlich. Seit Jahren kommen immer neue Aufgaben hinzu, obwohl eigentlich andere Stellen zuständig wären. Immer mehr psychisch schwer erkrankte Menschen lösen Polizeieinsätze aus, anstatt rechtzeitig Hilfe in einem funktionierenden Versorgungssystem zu erhalten. Hinzu kommen neue Technologien wie Drohnen, die längst Alltagsgegenstand geworden sind und zunehmend Sicherheitsprobleme verursachen. Für deren Abwehr fehlen bislang jedoch vielerorts klare rechtliche Grundlagen und einsatzbereite technische Lösungen. Auch unsere kritische Infrastruktur und unsere Häfen geraten zunehmend ins Visier von Spionage und Sabotage. Diese Liste ließe sich noch lange fortsetzen.
All das verunsichert die Menschen und erzeugt Angst. Deshalb wächst der Wunsch nach einer starken, durchsetzungsfähigen und verlässlichen Polizei, die hilft, wenn Hilfe gebraucht wird.
Gleichzeitig nimmt das Vertrauen in den Rechtsstaat spürbar ab. Ermittlungen und Gerichtsverfahren dauern zu lange – auch oftmals aus Personalknappheit. Urteile werden vielerorts nur noch irritiert oder belächelnd zur Kenntnis genommen. Datenschutz erscheint manchen inzwischen eher als Täterschutz. Täter und Verurteilte verhöhnen Richterinnen und Richter. Aktenberge bringen Opfer, Anwälte und Polizisten gleichermaßen an ihre Grenzen.
Es ist daher an der Zeit, eine wirksame Sicherheitsoffensive zu starten, die schnell und spürbar liefert, was notwendig ist: mehr Polizisten im Einsatz, mehr Streifenwagen auf der Straße und schnellere Ermittlungen mit echter Wirkung, damit Gewalttäter konsequent festgenommen werden können. Dazu gehören moderne Eingriffsbefugnisse, die Rockern, Clans und Diebesbanden Respekt vor dem Rechtsstaat vermitteln. Dazu gehören Fußfesseln zum Schutz potenzieller Opfer bei weiterhin gefährlichen Tätern. Und dazu gehört eine selbstbewusste Polizei, deren Beschäftigte vom Dienstherrn geschützt und deren Familien abgesichert werden.
Ich bin es leid zu erleben, dass Menschen in Sicherheitsbehörden angefeindet, privat bedrängt und eingeschüchtert oder im Dienst gezielt angegriffen, verletzt oder sogar getötet werden.
Nach 40 Dienstjahren erhält man seine Entlassungsurkunde – doch innerlich endet dieser Dienst nie. Die Gedanken an Einsätze bleiben. An Situationen, die gerade noch gut ausgegangen sind. An Kolleginnen und Kollegen, die dienstunfähig wurden. Oder an tragische Ereignisse, die einen selbst Jahre später plötzlich wieder einholen.
Was Polizistinnen und Polizisten in vier Jahrzehnten Dienst erleben, lässt sich kaum in Worte fassen. Dennoch ist der Polizeiberuf einer der wichtigsten und erfüllendsten Berufe überhaupt. Im Dienst für Menschen und Demokratie zu stehen, macht stolz – und ist heute wichtiger denn je.
Denn nicht nur der Rechtsstaat, auch unsere Demokratie steht vor enormen Herausforderungen. Rechtsextremisten und Linksextremisten greifen rücksichtslos nach Macht. Parlamente ringen um Mehrheiten, Lösungen und darum, Wiederholungen der Geschichte zu verhindern. Mittendrin stehen wir Polizistinnen und Polizisten – zum Schutz unserer Demokratie und unserer Parlamente.
Wenn wir als Gesellschaft derzeit vor so großen Herausforderungen stehen, müssen wir umso entschlossener zusammenstehen und gezielt in Sicherheit, Wirtschaft, Bildung und den Sozialstaat investieren. Wer wirklich mehr Sicherheit will, muss diejenigen stärken, die sie täglich gewährleisten – nicht nur in Papieren und Arbeitskreisen, sondern im konkreten Einsatz vor Ort.“
https://bremensogesehen.com/20260516-gastkommentar-kopelke-polizei/
