25.06.2026
Unterbezahlt, überlastet – und jetzt auch noch angegriffen: Hamburgs Polizei wehrt sich
Hamburg diskutiert über längere Arbeitszeiten für die Polizei – während die Stadt im Bundesvergleich in nahezu allen Dienstgraden unterdurchschnittlich bezahlt. Die GdP Hamburg kritisiert das scharf. „Die Kolleginnen und Kollegen arbeiten seit Jahren an der Grenze des
Leistbaren. Eine weitere Arbeitszeiterhöhung würde die Situation nicht verbessern, sondern verschärfen“, sagt Landesvorsitzender Lars Osburg. „Wer mehr Arbeitszeit fordert, ohne vorher die Bezahlung und Bewertung zu korrigieren, handelt verantwortungslos.“
Osburg betont, dass Hamburg im Wettbewerb um Fachkräfte strukturell im Nachteil ist. Vom
Einstieg in A7 bis hin zu Führungsämtern in A12 und darüber hinaus liege Hamburg fast durchgängig im unteren Bereich des Bundesvergleichs. „Andere Länder zahlen mehr – und zwar in jeder Laufbahngruppe“, so Osburg.
Besonders belastend sei für viele Polizistinnen und Polizisten, wie derzeit öffentlich über sie gesprochen werde. „Beamten-Bashing ist inzwischen fast ein Volkssport geworden“, sagt Osburg. „Es wird ein Bild gezeichnet, als ginge es hier um bequeme Schreibtischbeamte. In Wahrheit reden wir über Einsatzbeamtinnen und Einsatzbeamte, die nachts auf dem Kiez stehen, die bei Großlagen vorne sind, die Gewalt erleben und trotzdem ihren Job machen.“ Viele Kolleginnen und Kollegen seien emotional getroffen. „Sie fühlen sich verbittert zurückgelassen, weil ihre Leistung kleingeredet wird.“ Hinzu kommen die alltäglichen unterwertigen Besetzungen. „In Hamburg ist es Normalität, dass Kolleginnen und Kollegen Verantwortung tragen, die anderswo mit A11 oder A12 bewertet wird – und dafür A9 oder A10 bekommen. Das ist keine Ausnahme, das ist System“, sagt Osburg. „Hamburg spart Verantwortung weg und wundert sich dann über fehlende Bewerberinnen und Bewerber.“
Andere Länder zahlen mehr – und zwar in jeder Laufbahngruppe
Gleichzeitig zählt Hamburg zu den einsatzintensivsten Polizeistandorten Deutschlands. Hafen, Kiez, internationale Kriminalität, Großlagen und Fußballspiele treffen auf eine enge Personaldecke. „Hamburg verlangt mehr Belastbarkeit, mehr Flexibilität und mehr Verantwortung als viele andere Länder – aber bezahlt weniger“, sagt Osburg. „Das passt vorne und hinten nicht zusammen.“ Trotz dieser Schieflage, so Osburg, blieben die Kolleginnen und Kollegen ihrem Auftrag treu.
„Unsere Leute machen ihren Job, weil sie zu ihrem Eid stehen. Sie schützen diese Stadt – auch dann, wenn sie sich von der Politik nicht geschützt fühlen."
Sein Fazit fällt entsprechend deutlich aus: „Bevor irgendjemand in Hamburg über längere Arbeitszeiten spricht, muss der Senat endlich anerkennen, dass die Polizei in allen Dienstgraden unterdurchschnittlich bezahlt wird. Wer diese Realität ignoriert, gefährdet die Einsatzfähigkeit der Polizei – und das wissen alle Beteiligten.“
"Hamburg verlangt Spitzenleistung, zahlt aber in fast allen Dienstgraden unterdurchschnittlich. Das ist die Realität, die der Senat seit Jahren ignoriert.“Lars Osburg, Landesvorsitzender GdP Hamburg
