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© Michael Arning
Michael Arning

06.09.2026

Granate in der City, tödliche Schüsse im Karoviertel: Gewaltaufträge gefährden
ganz Hamburg

Pressemitteilungen

Eine Granate explodierte mitten in der Mönckebergstraße und trifft nach aktuellen
Medienberichten möglicherweise das falsche Geschäft.
An der Lagerstraße, wo bereits Ende Juni eine Granate detonierte, werden wenige Wochen später zwei Menschen erschossen und ein weiterer schwer verletzt. Die Staatsanwaltschaft prüft mögliche Zusammenhänge.

Unabhängig vom Ergebnis der laufenden Ermittlungen zeigen diese Taten nach Auffassung der Gewerkschaft der Polizei (GdP) Hamburg eine gefährliche Entwicklung: Gewalt aus kriminellen Milieus wird zunehmend in den öffentlichen Raum getragen. Damit geraten auch Beschäftigte, Passanten, Anwohner und eingesetzte Polizeikräfte in unmittelbare Gefahr.

Lars Osburg, Landesvorsitzender der GdP Hamburg:„Wenn eine Granate in der Mönckebergstraße ihr mutmaßliches Ziel verfehlt und vor den Schaufenstern eines unbeteiligten Geschäfts explodiert, ist das kein Konflikt, der innerhalb eines kriminellen Milieus bleibt. Solche Täter gefährden jeden Menschen, der sich zufällig am falschen Ort befindet. Das echte Leben hat keine Pausetaste.“ Sollte sich bestätigen, dass für den Anschlag bezahlte Handlanger eingesetzt wurden, wäre dies ein weiteres Beispiel für „Crime as a Service“: Auftraggeber bestellen Gewalt, während austauschbare Ausführende das Tat-, Haft- und Lebensrisiko übernehmen. Da sie Ihre Opfer häufig nicht kennen und über die eigentlichen Hintergründe kaum informiert sind, werden klassische Ermittlungsansätze zusätzlich erschwert.

GdP Hamburg warnt vor „Crime as a Service“ und fordert eine Hamburger Aufklärungskampagne gegen die Anwerbung junger Täter.

Auch der Schusswaffenangriff eines damals 15-Jährigen am Steindamm im Januar 2025 hat gezeigt, wie jung die Ausführenden schwerster Gewalttaten sein können. Kriminelle Netzwerke werben mit schnellem Geld, Anerkennung und Status – und lassen andere die Konsequenzen tragen.

„Das schnelle Geld ist der Köder. Das Risiko tragen die Handlanger und die Menschen in unserer Stadt. Die Hintermänner bleiben im Hintergrund und suchen sich bei Bedarf den nächsten Ausführenden“, erklärt Osburg. Die GdP warnt davor, den kulturellen Nährboden dieser Entwicklung auszublenden. Gewaltverherrlichender Gangsta- und Straßenrap sowie entsprechende Inszenierungen in sozialen Medien können den Eindruck vermitteln, Kriminalität sei ein erfolgreicher Lebensentwurf: teure Autos, Luxus, Macht und gesellschaftliche Anerkennung.

„Gangsta-Rap macht niemanden automatisch zum Straftäter. Aber wenn reale Kriminalität als Authentizitätsbeweis gilt und Gewalt, Drogenhandel und die Verachtung des Rechtsstaats zum Lifestyle erklärt werden, kann daraus ein gefährlicher Resonanzraum entstehen. Der vermeintliche Gangster wird zum Vorbild – und der kriminelle Auftrag erscheint plötzlich wie eine Chance auf schnelles Geld.“ Die GdP Hamburg fordert deshalb eine stadtweite Präventionsprogramme unter dem Leitgedanken „Schnelles Geld – echter Preis“. Anhand realer Hamburger Fälle soll sie jungen Menschen und Eltern  zeigen, wie kriminelle Netzwerke anwerben, welche Warnzeichen es gibt und was von den Versprechen am Ende tatsächlich bleibt: Verletzungen, Haft, Abhängigkeit und zerstörte Zukunftsperspektiven.

Die Kampagne muss dort stattfinden, wo junge Menschen erreicht und angeworben werden – in Schulen, Jugendangeboten und insbesondere auf sozialen Plattformen. Polizei, Schulbehörde, Jugendhilfe und Sozialbehörde müssen dafür gemeinsam Verantwortung übernehmen.

Lars Osburg_uniform | © Marius Röer
Marius Röer
„Wir müssen die Auftraggeber konsequent verfolgen und zugleich verhindern, dass ihnen immer neue Handlanger zur Verfügung stehen. Hamburg muss junge Menschen erreichen, bevor kriminelle Netzwerke es tun.“
Lars Osburg, Landesvorsitzender GdP Hamburg