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26.04.2026

28. Landesdelegiertentag der GdP Hessen

Zwischen Belastungsrealität und Gestaltungsanspruch – strategische Weichenstellungen für die kommenden Jahre

Der 28. Landesdelegiertentag der Gewerkschaft der Polizei (GdP) Hessen in Marburg war weit mehr als ein turnusgemäßes Treffen von Delegierten. Mit 182 Teilnehmenden bildete er ein zentrales Forum zur Standortbestimmung der gewerkschaftlichen Arbeit im Spannungsfeld wachsender Anforderungen an die Polizei und zugleich begrenzter Ressourcen. Die Veranstaltung verband Rückblick, Analyse und strategische Ausrichtung – und setzte dabei klare gewerkschaftspolitische Akzente.

Rückblick und Einordnung: Vier Jahre unter Druck

Eröffnet von Lars Elsebach und eingeleitet durch eine würdige Totenehrung sowie einen filmischen Rückblick auf die vergangenen vier Jahre, wurde früh deutlich: Die zurückliegende Amtsperiode war geprägt von außergewöhnlichen Herausforderungen. Tarifauseinandersetzungen, Demonstrationen, steigende Einsatzbelastungen und intensive Öffentlichkeitsarbeit spiegeln die Breite gewerkschaftlicher Handlungsfelder wider.

Bereits in seinem Grußwort betonte der Landesvorsitzende Jens Mohrherr die zentrale Rolle des ehrenamtlichen Engagements als tragende Säule gewerkschaftlicher Arbeit. Auch Marburgs Oberbürgermeister Thomas Spies unterstrich die gesellschaftliche Bedeutung von Polizei und Interessenvertretung und verwies auf die Verantwortung im Umgang mit aktuellen gesellschaftspolitischen Herausforderungen.

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In seinem Grußwort betonte der Landesvorsitzende Jens Mohrherr die zentrale Rolle des ehrenamtlichen Engagements als tragende Säule gewerkschaftlicher Arbeit
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Rechenschaftsbericht: Diagnose einer strukturellen Schieflage

Im Mittelpunkt des Delegiertentags stand der Rechenschaftsbericht von Jens Mohrherr, der eine differenzierte und zugleich pointierte Analyse der aktuellen Lage der Polizeibeschäftigten in Hessen lieferte.

Die Belastungssituation ist nach seiner Darstellung nicht mehr als temporäres Phänomen zu begreifen, sondern Ausdruck struktureller Defizite. Steigende Einsatzanforderungen, zunehmende Komplexität polizeilicher Aufgaben und gleichzeitig begrenzte personelle Ressourcen führen zu einer dauerhaften Verdichtung der Arbeit. Diese Entwicklung äußert sich konkret in verlängerten Einsatzzeiten, wachsendem Entscheidungsdruck und einer spürbar eingeschränkten Planbarkeit des Berufsalltags.

Vor diesem Hintergrund formulierte Mohrherr einen klaren gewerkschaftlichen Anspruch:
Die GdP versteht sich nicht als Beobachterin, sondern als aktive Gestalterin von Rahmenbedingungen.

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Zentrale Handlungsfelder gewerkschaftlicher Politik:

Besoldung und Tarifpolitik

Die Frage der Besoldung wurde als grundlegende Gerechtigkeits- und Wertschätzungsfrage eingeordnet. Fehlende Dynamik und als inkonsistent wahrgenommene Entscheidungen hätten das Vertrauen vieler Beschäftigter belastet.

Auch die Tarifpolitik bleibt ein zentrales Instrument, um auf steigende Belastungen zu reagieren und strukturelle Verbesserungen durchzusetzen – insbesondere vor dem Hintergrund zunehmender Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt.

 

Arbeitsbedingungen und Vereinbarkeit

Hohe Arbeitsdichte, unzureichende Planbarkeit und Defizite bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie wurden als zentrale Belastungsfaktoren benannt. Diese Aspekte haben unmittelbare Auswirkungen auf die Attraktivität des Berufs und die langfristige Bindung von Personal.

 

Gewalt gegen Einsatzkräfte

Die zunehmende Gewalt gegen Polizeibeschäftigte wurde als gesellschaftliches Warnsignal bewertet. Hier sieht die GdP nicht nur die Politik, sondern auch die Gesellschaft insgesamt in der Verantwortung.

 

Fachkräftemangel und Attraktivität des Berufs

Die Schwierigkeiten bei der Nachwuchsgewinnung verdeutlichen den wachsenden Wettbewerbsdruck gegenüber anderen Arbeitgebern. Besonders im Tarifbereich wird ein erheblicher Handlungsbedarf gesehen, um die Attraktivität der Polizei nachhaltig zu sichern.

 

Gewerkschaft im Wandel: Mitgliederbindung und Leistungsprofil

Neben den externen Herausforderungen nahm der Bericht auch die eigene Organisation in den Blick. Sinkende Mitgliederzahlen erfordern eine stärkere Sichtbarmachung des konkreten Nutzens gewerkschaftlicher Arbeit.

Positiv hervorgehoben wurden Fortschritte in der Kommunikation sowie der Ausbau des Rechtsschutzes – beides zentrale Elemente, um Vertrauen zu stärken und Mitglieder langfristig zu binden.

 

Wahlen: Kontinuität und strategische Stabilität

Die personellen Entscheidungen des Delegiertentags unterstreichen den Wunsch nach Kontinuität in einer Phase hoher Herausforderungen. Jens Mohrherr wurde mit 96 Prozent der Stimmen erneut zum Landesvorsitzenden gewählt.

Dieses deutliche Votum kann als Ausdruck eines breiten Vertrauens in die bisherige Arbeit sowie als Mandat für eine konsequente Fortsetzung des eingeschlagenen Kurses interpretiert werden. Auch die weiteren Wahlen zum Landesvorstand zeigen eine Mischung aus Erfahrung und organisatorischer Breite.

 

Politischer Dialog: Erwartungen an die Landespolitik

Im öffentlichen Teil des Delegiertentags wurde der Dialog mit politischen Entscheidungsträgern intensiv geführt. Neben zahlreichen Vertreterinnen und Vertretern der Polizei nahm auch Innenminister Roman Poseck teil. Ebenso war der Bundesvorsitzende der GdP, Jochen Kopelke, vor Ort.

Die Beiträge machten deutlich, dass die Herausforderungen bekannt sind – die zentrale Frage bleibt jedoch die politische Umsetzung. Themen wie Haushaltsrestriktionen, organisatorische Reformprozesse und strukturelle Anpassungen wurden offen angesprochen.

Dabei wurde auch die Spannung zwischen finanzpolitischen Rahmenbedingungen und sicherheitspolitischen Anforderungen deutlich. Während die Politik auf begrenzte Spielräume verweist, fordert die GdP konkrete Verbesserungen für die Beschäftigten.

 

Podiumsdiskussion: Kontroverse und Konsenslinien

Die Podiumsdiskussion mit den innenpolitischen Sprecherinnen und Sprechern der Landtagsfraktionen bot einen vertieften Einblick in die unterschiedlichen politischen Positionen.

Im Fokus standen Fragen der inneren Sicherheit, der personellen Ausstattung sowie der Attraktivität des Polizeiberufs. Die Diskussion zeigte sowohl bestehende Differenzen als auch gemeinsame Problemlagen – etwa im Umgang mit Gewalt gegen Einsatzkräfte oder bei der Sicherstellung ausreichender personeller Ressourcen.

 

Beschlüsse und Resolutionen: Politische Positionierung

Mit der Verabschiedung der Resolution „Energiepreise runter – Innere Sicherheit hoch!“ setzte der Delegiertentag ein klares politisches Signal.

Die Resolution verbindet sozial- und sicherheitspolitische Forderungen und verdeutlicht den Anspruch der GdP, aktiv Einfluss auf politische Entscheidungsprozesse zu nehmen.

 

Würdigung von Engagement: Gewerkschaft als Gemeinschaft

Ein zentraler Bestandteil des Delegiertentags war die Ehrung langjährig engagierter Mitglieder. Diese Würdigungen verdeutlichen die Bedeutung ehrenamtlicher Arbeit für die Funktionsfähigkeit der Organisation.

Gewerkschaftliche Interessenvertretung basiert in hohem Maße auf persönlichem Engagement – eine Ressource, die nicht selbstverständlich ist und kontinuierlicher Pflege bedarf.

Fazit: Gestaltungsauftrag in einem komplexen Umfeld

Der 28. Landesdelegiertentag der GdP Hessen hat die zentralen Herausforderungen für die kommenden Jahre klar benannt: strukturelle Überlastung, Fachkräftemangel, steigende gesellschaftliche Anforderungen und begrenzte finanzielle Spielräume.

Gleichzeitig wurde ein eindeutiger Gestaltungsanspruch formuliert:
Die GdP will nicht reagieren, sondern agieren.

Die kommenden Jahre werden entscheidend davon abhängen, inwieweit es gelingt, diesen Anspruch in konkrete Verbesserungen für die Polizeibeschäftigten zu übersetzen – im Dialog mit der Politik, aber auch durch eine starke und geschlossene gewerkschaftliche Organisation.

Weitere Informationen

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Jens Mohrherr

Landesvorsitzender

Telefon 0151/29218934