08.07.2026
GdP: Europäisches Parlament sendet falsches Signal im Kampf gegen Kindesmissbrauch
Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) reagiert mit großer Enttäuschung auf den heutigen Beschluss des Europäischen Parlaments zur sogenannten CSAM-Interimsverordnung. Zwar sprach sich das Parlament grundsätzlich für eine Verlängerung der Interimsverordnung aus. Gleichzeitig verabschiedete es jedoch Änderungen, die aus Sicht der Polizei ausgerechnet diejenigen Instrumente aus der Verordnung herausnehmen, die für die Aufklärung des sexuellen Missbrauchs von Kindern von besonderer Bedeutung sind. Da das Parlament den Text des Rates verändert hat, ist das Gesetzgebungsverfahren zudem noch nicht abgeschlossen. Die seit April bestehende Rechtslücke bleibt damit zunächst bestehen.
„Die Kolleginnen und Kollegen, die jeden Tag gegen den sexuellen Missbrauch von Kindern ermitteln, haben sich von dieser Abstimmung deutlich mehr erhofft“, sagte der GdP-Bundesvorsitzende Jochen Kopelke. „Das Parlament erkennt zwar an, dass eine Lösung dringend notwendig ist. Gleichzeitig schwächt es aber genau die Instrumente, die Ermittlerinnen und Ermittler brauchen, um Kinder zu finden, Täter zu identifizieren und weiteren Missbrauch zu verhindern.“
Die heute beschlossenen Änderungen beschränken die freiwillige Erkennung auf bereits bekanntes Missbrauchsmaterial und schließen verschlüsselte Kommunikationsdienste aus. Gerade die Erkennung bislang unbekannter Missbrauchsfälle und von Grooming-Versuchen liefert jedoch immer wieder entscheidende Hinweise, durch die Kinder identifiziert, Täter überführt und kriminelle Netzwerke aufgedeckt werden können.
„Kinder brauchen wirksamen Schutz – keine politischen Machtspiele auf Kosten der Ermittlungsarbeit.“
„Bekanntes Missbrauchsmaterial bleibt selbstverständlich wichtig für die Ermittlungsarbeit. Viele der größten Ermittlungserfolge gelingen aber dort, wo bislang unbekannter Missbrauch entdeckt oder Grooming frühzeitig erkannt wird. Genau diese Möglichkeiten werden nun erheblich eingeschränkt“, so Kopelke.
Besonders kritisch bewertet die GdP, dass die heute beschlossene Fassung kurzfristig keine Verbesserung bringt. Da sich Parlament und Rat nun erneut einigen müssen, fehlt den Strafverfolgungsbehörden weiterhin die notwendige Rechtsgrundlage für wichtige freiwillige Meldungen der Kommunikationsdienste. „Seit Monaten erleben wir, dass der Schutz von Kindern zwischen politischen Interessen und institutionellen Verfahren aufgerieben wird. Das darf nicht länger so bleiben. Die Kolleginnen und Kollegen brauchen endlich einen funktionierenden Rechtsrahmen – und die betroffenen Kinder erst recht“, erklärte Kopelke.
Die GdP fordert das Europäische Parlament, den Rat und die Europäische Kommission auf, die Verhandlungen unverzüglich abzuschließen und einen tragfähigen Rechtsrahmen zu schaffen. Kinderschutz darf nicht an politischen Kompromissen oder institutionellen Blockaden scheitern. Europas Strafverfolgungsbehörden benötigen endlich die rechtlichen Instrumente, um Kinder wirksam schützen zu können. „Seit April verlieren Ermittlerinnen und Ermittler jeden Tag wertvolle Hinweise. Hinter jedem verlorenen Hinweis kann ein Kind stehen, das länger auf Hilfe warten muss. Dieser Zustand darf nicht zur neuen Normalität werden“, mahnt Kopelke.
„Seit Monaten erleben wir, dass der Schutz von Kindern zwischen politischen Interessen und institutionellen Verfahren aufgerieben wird. Das darf nicht länger so bleiben.“GdP-Bundesvorsitzender Jochen Kopelke
Die Pressemeldung in englischer Sprache:
EU.Pol: European Parliament Misses Opportunity to Strengthen Child Protection
Kopelke: “Children need effective protection – not political deadlock at the expense of criminal investigations.”
The European Federation of Police Unions (EU.Pol) expresses its deep disappointment following today's decision by the European Parliament on the CSAM Interim Regulation. While Parliament voted in favour of extending the Interim Regulation in principle, it simultaneously adopted amendments that remove precisely those investigative capabilities that are most valuable in combating the sexual abuse and exploitation of children online. As Parliament amended the Council's position, the legislative procedure is not yet complete. Consequently, the legal gap that has existed since April remains unresolved.
"Police officers across Europe who investigate the sexual abuse of children every day expected much more from today's vote," said Jochen Kopelke, President of the European Federation of Police Unions (EU.Pol). "The European Parliament has rightly recognised the urgent need to restore a legal framework. At the same time, however, it has weakened exactly those tools investigators rely on to identify victims, detect offenders and prevent further abuse."
The amendments adopted today limit voluntary detection to known child sexual abuse material and exclude end-to-end encrypted communications from the scope of the Interim Regulation. Yet, from a law enforcement perspective, many of the most significant investigative breakthroughs result from uncovering previously unknown abuse and detecting online grooming before abuse escalates. These investigative capabilities have now been removed from the scope of the proposal.
"Reports of known child sexual abuse material remain an important investigative tool. However, many of the most important investigative breakthroughs come from uncovering previously unknown abuse and detecting grooming before abuse escalates. These are precisely the capabilities that have now been removed from the Regulation," Kopelke added.
EU.Pol is particularly concerned that today's vote does not restore the legal certainty urgently needed by law enforcement authorities. As the proposal must now return to the Council, investigators across Europe continue to operate without a harmonised legal framework for voluntary detection and reporting measures.
"For months we have witnessed child protection being caught between political interests and institutional procedures. This cannot continue. Europe's police officers urgently need a functioning legal framework - and so do the children who depend on it," Kopelke stressed.
"Since April, investigators have been losing valuable leads every single day. Behind every lost report may be a child who has to wait longer to be identified and protected. This must not become the new normal."
EU.Pol calls on the European Parliament, the Council and the European Commission to conclude the legislative process without further delay and to agree on an effective, workable and legally sound framework. The protection of children must not become a casualty of political disagreements or institutional deadlock. Europe's law enforcement authorities need the legal tools necessary to effectively protect children and bring offenders to justice.
