26.08.2026
90 Minuten Fußball. Zu viele Stunden Polizeieinsatz
Einsatzstunden runter - Verantwortung rauf
Wiesbaden. Vor dem Bundesligastart der Saison 2026/27 fordert die GdP Hessen Vereine und Verbände (HFV und DFB) auf, stärker Verantwortung zu übernehmen. Das Ziel müsse klar sein: weniger notwendige Polizeieinsatzstunden rund um den Profifußball.
Die Herberger Weisheit gilt: „Der Ball ist rund und das Spiel dauert 90 Minuten“. Für Polizeikräfte dauert der Einsatz oft viele Stunden länger - an Wochenenden, in Zügen der DB, in Bahnhöfen und Bahnhofsvierteln und auf den Wegen bis zu den Stadien und zurück! Bei Risiko- und Hochspielen wird ein enormer Personalaufwand erforderlich“, sagt GdP-Chef Jens Mohrherr. Zuletzt kamen in Mannheim beim DFB-Pokalspiel in der 1. Pokalrunde 1400 Polizeibeamte zum Einsatz!
Faktencheck - die Dimension ist erheblich: In der Saison 2024/25 leisteten Bundes- und Länderpolizeien rund 1,97 Millionen Arbeitsstunden für Bundesliga, 2. Bundesliga, 3. Liga und DFB-Pokal. Rechnerisch entspricht das rund 1.515 Vollzeitstellen. Allein die 1.Bundesliga band nach vorliegenden Informationen ca. 595.000 Polizeistunden.
Mohrherr: „Polizei ist keine unendliche (Personal-) Ressource. Was beim Fußball an Kräften gebunden wird, fehlt dringend an anderen Stellen.“ Für die GdP steht fest: Die überwältigende Mehrheit der Fans ist friedlich. Fußball, Emotionen und eine lebendige Fankultur gehören zusammen. Gewalt und Angriffe auf Einsatzkräfte und gefährliche Pyrotechnik gehören nicht dazu. Die jüngsten Ausschreitungen beim Pokalspiel in Mannheim mit 85 Verletzten, darunter 35 Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte, sowie rund 1.400 eingesetzten Kräften zeigen, welche Dimension einzelne Spiele annehmen können. „Wer Menschen vorsätzlich angreift, betreibt keine Fankultur. Gewalt darf niemals zum normalen Preis eines Fußballspiels werden. Dies gilt insbesondere auch für die Fanszenen selbst. Den Vereinen kommt unverändert die Verantwortung für das präventive Instrument der Stadionverbote zu. Sie haben es in der Hand, erkannte Gewalttäter von den Veranstaltungen auszuschließen."
Die GdP fordert mehr Prävention, professionellere Ordnungsdienste, wirksame (bundesweite) Stadionverbote gegen identifizierte Gewalttäter und verbindliche Sicherheitskonzepte für Risiko- und Hochrisikospiele.
„Die Antwort kann nicht jedes Wochenende lauten: Dann schicken wir eben noch mehr Polizei.“, so Mohrherr. „Prävention muss vor Polizeieinsatz kommen.“ Auch über die finanzielle Verantwortung des kommerziellen Profifußballs bei besonders personalintensiven Hochrisikospielen müsse intensiver gesprochen werden. Entscheidend sei aber nicht allein, wer am Ende die Rechnung bezahlt. Die beste Einsatzstunde ist die, die durch gute Prävention gar nicht erst notwendig wird.“
Die GdP abschließend: „Wir wollen volle Stadien und friedliche Fußballfeste. Aber Sicherheit darf nicht dauerhaft auf dem Rücken unserer Kolleginnen und Kollegen organisiert werden. Einsatzstunden runter - Verantwortung rauf.“ Die hessische Polizei trägt Anfang August 4,4 Millionen Überstunden vor sich her!
Weitere Informationen
Jens Mohrherr
Landesvorsitzender
Telefon 0151/29218934
