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21.09.2026

Stadionallianzen in Hessen: Verantwortung muss Wirkung zeigen

GdP fordert mehr Prävention, konsequentes Handeln gegen Gewalttäter und eine spürbare Entlastung der Polizei.

Fußball soll für volle Stadien, Emotionen und friedliche Fankultur stehen - nicht für Gewalt, Angriffe auf Einsatzkräfte oder gefährliche Pyrotechnik. Die GdP unterstützt deshalb den Ausbau der Stadionallianzen. Entscheidend ist aber, dass aus dem gemeinsamen Austausch auch verbindliche und nachhaltige Maßnahmen und damit messbare Ergebnisse entstehen.

In Hessen bestehen inzwischen sechs Stadionallianzen im Umfeld von SV Darmstadt 98, Eintracht Frankfurt, FSV Frankfurt, KSV Hessen Kassel, Kickers Offenbach und SV Wehen Wiesbaden. Ziel ist es, Vereine, Fanprojekte, Kommunen und Sicherheitsbehörden enger zusammenzubringen und Probleme gemeinsam und frühzeitig anzugehen.

Kritische Einordnung der aktuellen Bilanz

Die vom Hessischen Innenministerium vorgelegten Zahlen zur Saison 2025/26 unterstreichen, warum die Stadionallianzen an konkreten Ergebnissen gemessen werden müssen. Von 138 Heimspielen der betrachteten Vereine verliefen 94 ohne besondere Vorkommnisse. Bei 40 Spielen wurden Störungen und bei vier Spielen gewalttätige Aktionen registriert. Damit verliefen rund 68 Prozent der Spiele ohne besondere Vorkommnisse; bei knapp einem Drittel der Spiele wurden dagegen Störungen oder gewalttätige Aktionen erfasst. Die GdP hält dabei eine differenzierte Betrachtung für erforderlich. Die bloße Zahl der Spiele mit besonderen Vorkommnissen sagt noch nichts über deren Schwere, Dauer, Zahl der Beteiligten oder den erforderlichen Polizeiaufwand aus. Auch die Begriffe „Störungen“ und „gewalttätige Aktionen“ müssen für belastbare Vergleiche eindeutig definiert sein. Eine sinkende Zahl von Einsatzlagen wäre erst dann ein belastbarer Erfolg, wenn zugleich berücksichtigt wird, wie personalintensiv die einzelnen Spiele waren und welche Maßnahmen präventiv gewirkt haben.

Besonders relevant sind deshalb ergänzenden Zahlen: Insgesamt wurden 135 Straftaten und 594 Ordnungswidrigkeiten erfasst, 25 Menschen verletzt, darunter sechs Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte. Hinzu kamen 90.000 Einsatzstunden der hessischen Polizei und mehr als 18.000 Stunden der Bundespolizei. Diese Belastung darf in einer Gesamtbewertung nicht hinter einer reinen Betrachtung der Zuschauerzahlen oder der Zahl friedlich verlaufener Spiele zurücktreten. Aus Sicht der GdP muss deshalb künftig stärker sichtbar werden, welche konkreten Maßnahmen der Stadionallianzen zu welchen Veränderungen führen. Dazu gehören nachvollziehbare Ziele, eine regelmäßige Auswertung der Maßnahmen sowie Kennzahlen etwa zu Polizeieinsatzstunden, Verletzten, Straftaten, gefährlicher Pyrotechnik, Ordnungsdienstbelastung und wiederkehrenden Konfliktlagen. Entscheidend ist nicht eine möglichst positive Außendarstellung, sondern eine belastbare Wirkungskontrolle.

Auch die Einordnung der Hochrisikospiele muss aus Sicht der GdP sachlich bleiben. Die Frage einer möglichen Kostenbeteiligung darf weder den Blick auf die Prävention verstellen noch dazu führen, dass die erhebliche öffentliche Sicherheitsbelastung aus dem Blick gerät. Wenn eine Kostenbeteiligung abgelehnt wird, muss umso klarer benannt werden, welche alternativen Maßnahmen Vereine, Verbände und Sicherheitsbehörden ergreifen, um den notwendigen Polizeieinsatz dauerhaft zu reduzieren.

Polizei kann nicht dauerhaft kompensieren, was Prävention verhindern könnte

Die Dimension der polizeilichen Belastung ist erheblich: In der Saison 2024/25 wurden bundesweit rund 1,97 Millionen Arbeitsstunden von Bundes- und Länderpolizeien für Bundesliga, 2. Bundesliga, 3. Liga und DFB-Pokal geleistet. Das entspricht rechnerisch rund 1.515 Vollzeitstellen. Allein auf die 1. Bundesliga entfielen rund 595.000 Polizeistunden.

GdP-Chef Jens Mohrherr stellt deshalb klar: „Polizei ist keine unendliche (Personal-) Ressource.“ Und weiter: „Prävention muss vor Polizeieinsatz kommen.“ Die Antwort auf problematische Spiele könne nicht jedes Wochenende darin bestehen, noch mehr Polizeikräfte einzusetzen. Die GdP fordert deshalb professionelle Ordnungsdienste, funktionierende Sicherheitsinfrastruktur, verbindliche Sicherheitskonzepte für Risiko- und Hochrisikospiele sowie wirksame Prävention.

Stadionverbote: Einheitliche Standards statt Wegschauen

Ein wichtiger Schritt ist die Neufassung der Stadionverbotsrichtlinien durch DFB und DFL vom 31. Mai 2026. Mit der Zentralen Aufsichts- und Überprüfungsstelle Stadionverbote (ZAÜS) beim DFB soll bundesweit eine einheitliche, transparente und nachvollziehbare Anwendung der Regeln gewährleistet werden. Dabei bleibt es ausdrücklich dabei: Über ein Stadionverbot entscheidet weiterhin die zuständige lokale Stelle beziehungsweise der Verein. Die ZAÜS ist keine Berufungsinstanz, sondern übernimmt Fachaufsicht, Kontrolle und Monitoring. Bei offensichtlichen und erheblichen Abweichungen von den Richtlinien kann sie gegenüber den zuständigen lokalen Stadionverbotskommissionen Weisungen erteilen. Für die GdP ist entscheidend, dass dieses Instrument konsequent und rechtsstaatlich angewendet wird. Stadionverbote dürfen weder pauschal noch nach dem Gießkannenprinzip ausgesprochen werden. Gleichzeitig darf ein klar und nachvollziehbar belegter Tatverdacht nicht folgenlos bleiben. Die neue Regelung sieht grundsätzlich Entscheidungen innerhalb von sechs Wochen nach Mitteilung durch die Strafverfolgungsbehörden vor.

Nicht die große Mehrheit der friedlichen Fans darf unter dem Verhalten Einzelner leiden - aber Gewalt darf auch nicht als Teil der Fankultur verharmlost werden.

Kritik an der Polizei ist zulässig - Gewalt gegen Einsatzkräfte nicht

Die GdP unterscheidet ausdrücklich zwischen friedlicher Fankultur, Kritik an polizeilichem Handeln und tatsächlicher Gewalt. Wer der Polizei Fehlverhalten vorwirft, muss konkrete Vorfälle benennen können. Solche Vorwürfe sind rechtsstaatlich zu prüfen. Sie können jedoch niemals eine Rechtfertigung dafür sein, Polizeibeamte, Ordner oder andere Menschen anzugreifen. Gerade nach den schweren Ausschreitungen rund um das Eintracht-Heimspiel gegen den VfB Stuttgart im November 2023 hatte die GdP auf die Notwendigkeit gemeinsamer Strategien und einer Aufarbeitung ohne gegenseitige Schuldzuweisungen hingewiesen.

Kritik muss möglich sein - Gewalt ist keine Form des Dialogs.

Dabei gilt ebenso: Die überwältigende Mehrheit der Fußballfans ist friedlich. Die GdP richtet sich nicht gegen Ultras als solche, sondern gegen konkrete Gewalt, Straftaten, gefährliche Pyrotechnik und Angriffe auf Einsatz- und Rettungskräfte.

Stadionallianzen müssen jetzt ins Handeln kommen

Stadionallianzen bieten die Chance, unterschiedliche Perspektiven zusammenzubringen. Sie dürfen aber nicht bei Gesprächsrunden stehen bleiben. Die GdP hatte bereits 2025 gemeinsame Strategien von Vereinen, Verbänden und Polizei gefordert und zugleich davor gewarnt, sich gegenseitig die Verantwortung zuzuschieben. Prävention und Investitionen in die Sicherheitsinfrastruktur müssten vor nachträglichen Strafzahlungen stehen.

Kostenfrage darf nicht von der Prävention ablenken

Auch die Diskussion um die Kosten besonders personalintensiver Hochrisikospiele muss sachlich geführt werden. Die GdP hat sich bereits grundsätzlich mit der Frage der Kostenbeteiligung bei Hochrisikospielen auseinandergesetzt. Für die GdP Hessen bleibt jedoch entscheidend: Die beste Polizeieinsatzstunde ist die, die durch wirksame Prävention gar nicht erst erforderlich wird. Deshalb muss die Diskussion über mögliche Kostenbeteiligungen mit einer viel wichtigeren Frage verbunden werden: Was tun Vereine und Verbände konkret dafür, dass weniger Polizeikräfte eingesetzt werden müssen?

Gemeinsame Verantwortung statt Zuständigkeitsdebatten

Die GdP will keine Verlagerung der Verantwortung, sondern ein funktionierendes Sicherheitsnetzwerk. Vereine, Verbände, Fanprojekte, Kommunen, Polizei und Justiz haben jeweils unterschiedliche Aufgaben - Sicherheit kann aber nur funktionieren, wenn diese Aufgaben ineinandergreifen. Stadionallianzen, verbindliche Sicherheitskonzepte, wirksame Stadionverbote und eine konsequente Strafverfolgung sind dabei keine Gegensätze. Sie müssen zusammengedacht werden.

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GdP Chef Mohrherr abschließend: „Wir wollen volle Stadien und friedliche Fußballfeste. Aber Sicherheit darf nicht dauerhaft auf dem Rücken unserer Kolleginnen und Kollegen organisiert werden.“

Die Stadionallianzen sind damit weder Ersatz für konsequentes Einschreiten noch ein Ersatz für professionelle Sicherheitsstrukturen. Ihr Wert muss sich daran zeigen, ob aus dem Dialog verbindliche Prävention, klare Zuständigkeiten und nachweisbar weniger belastende Einsatzlagen entstehen.

Weitere Informationen

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Jens Mohrherr

Landesvorsitzender

Telefon 0151/29218934