26.06.2022
JobRad - Ein lohnendes Modell?
Tarifkommission
Immer wieder erreichen uns Anfragen rund um das Thema JobRad. Dabei geht es um die Möglichkeit, ein Fahrrad über den Arbeitgeber zu leasen, wobei die Leasingkosten direkt vom Bruttogehalt abgezogen werden. Durch diese sogenannte Entgeltumwandlung entsteht ein vermeintlicher Vorteil für die Arbeitnehmer/innen, da so die Kosten vom Gehalt gezahlt werden, bevor der Abzug von Steuern erfolgt.
Für Tarifbeschäftigte kann der Arbeitgeber solch ein Modell nur über
Tarifverträge anbieten. Darum bedarf es gewerkschaftlichen Engagements, um
den Anstoß dazu zu geben. Allerdings unterstützen wir, ebenso wie ver.di
und GEW, die angebotenen Lösungen ganz bewusst nicht.
Warum unterstützt die GdP das JobRad Modell aktuell nicht?
Der Grund dafür ist, dass sich die aktuellen Leasing-Modelle nur auf den
ersten Blick und kurzfristig, bzw. nur für bestimmte Personengruppen
rechnen, wenn überhaupt. Insgesamt bieten sie eher Nachteile: Insbesondere
in geringen Entgeld- und Besoldungsstufen bedeutet die Entgeltumwandlung
einen erheblichen finanziellen Einschnitt. Vor allem fehlt das Geld, das
vom Bruttogehalt abgezogen wird, in den Sozialkassen, da hier nur ein
Anteil des Gehalts landet, das nach dem Zahlen der Leasingkosten
übrigbleibt. Und das bedeutet: Wer das JobRad nutzt, hat Anspruch auf
weniger Krankengeld, bekommt weniger Arbeitslosengeld und eine geringere
Rente. In vielen Fällen sind diese Einschränkungen höher als der Vorteil
des Leasings. Zudem fehlen der Allgemeinheit Steuergelder, die aus
anderen Quellen abgezogen werden müssen. Da auch der Arbeitgeber nach der
Entgeltumwandlung weniger Sozialabgaben zahlen muss, profitieren sowohl er
als auch die Anbieter der Fahrräder auf Kosten der Steuerzahler.
Für die Arbeitnehmer/innen ergibt sich kein wirklicher Vorteil.Auch bei
Beamten, die nicht in Arbeitslosen-, Kranken- und Rentenversicherung
einzahlen müssen, gilt es je nach Leasingmodell darauf zu achten,
inwiefern der Arbeitgeber wirklich einen eigenen finanziellen Beitrag zur
Förderung umweltfreundlicher Mobilität leistet und welche Kosten für die
Beamten/innen letztlich bestehen bleiben.
Und nun?
Wir als GdP, ver.di und GEW suchen mit Unterstützung des DGB gerade nach
einer Lösung für ein JobRad, von der Arbeitnehmer/innen und Beamte/innen
in Niedersachsen gleichermaßen profitieren. Für diese Lösungen sind
Verhandlungen mit der Arbeitgeber-Seite nötig. Ziel ist es, alle
Kollegen/innen des öffentlichen Dienstes zu entlasten und die
Attraktivität des ÖD zu stärken. Neben dem JobRad werden dabei auch andere
umweltfreundliche Fördermöglichkeiten diskutiert, unter anderem die freie
Nutzung des ÖPNV oder zinslose Vorschüsse für die Anschaffung neuer
Mobilitätsformen mit Elektro- oder Wasserstoff-Antrieben.
Wir halten euch zu diesen Verhandlungen auf dem Laufenden, sobald sich
etwas Neues ergibt!
