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04.04.2024
GdP ruft in der Diskussion um den Polizeieinsatz in Nienburg vom 30. März zu Besonnenheit auf
Pressemitteilungen
Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) Niedersachsen ruft im Zusammenhang des Polizeieinsatzes in Nienburg am 30. März, bei dem der 46-jährige Lamin T. nach einem polizeilichen Schusswaffeneinsatz ums Leben gekommen war, zu Besonnenheit auf. Anstatt Vorverurteilungen auszusprechen oder nicht belegbare Äußerungen zu treffen, gilt es zunächst die Ermittlungen abzuwarten. Tendenziöse Berichterstattung oder Veröffentlichungen, die einen Zusammenhang zwischen dem Verlauf des Einsatzes und der Herkunft des Mannes herstellen, sind inakzeptabel.
Sebastian Timke, stellvertretender Landesvorsitzender der GdP, erklärt:
„Dass ein Mensch durch eine Polizeiwaffe stirbt, ist das Schlimmste, was
bei unserer Arbeit passieren kann. Aktuell werden zum Verlauf des
Einsatzes und insbesondere dem Schusswaffengebrauch entsprechende
Ermittlungsverfahren durchgeführt, wie es routinemäßig in solchen Fällen
geschieht. Es ist uns aber ein wichtiges Anliegen, darauf hinzuweisen,
dass diese Verfahren per se kein Hinweis auf ein mögliches Fehlverhalten
der eingesetzten Kolleginnen und Kollegen sind, sondern das Ziel
verfolgen, eine lückenlose Aufklärung des Vorgangs zu ermöglichen.“
Die GdP erklärt, dass es nachvollziehbar ist, dass die Öffentlichkeit ein
Interesse an dem tragischen Vorfall hat und eine Aufarbeitung notwendig
ist, die auch stattfindet. Legitime Fragestellungen werden in diesem
Rahmen geklärt. Nicht akzeptabel sind allerdings Vorverurteilungen oder
falsche Anschuldigungen, wie sie unter anderem der Flüchtlingsrat
suggeriert, wenn er in einer Mitteilung die Frage stellt, warum „immer
wieder Schwarze und geflüchtete Menschen und Personen of Color von
tödlicher Polizeigewalt betroffen“ sind. Der Flüchtlingsrat unterstellt
der Polizei damit eine strukturelle und systematische Ungleichbehandlung
dieser Menschen, was jeder Grundlage entbehrt. Auch die Unterstellung,
dass die Polizei Einsätze bei Menschen in psychischen Ausnahmesituationen
regelmäßig aktiv zum Schusswaffeneinsatz eskaliert, ist nicht haltbar und
stellt nicht nur einen inakzeptablen Generalverdacht her, sondern
konterkariert die polizeiliche Praxis, die darauf ausgelegt ist, den
Schutz und die Sicherheit aller Menschen zu garantieren.
Eine Beurteilung des Einsatzes und des polizeitaktischen Handelns ist nur
unter Einbezug aller vorhandener Informationen möglich, welche im Sinne
der rechtsstaatlichen Auseinandersetzung aktuell erfolgt.
Berichterstattung oder Meinungsmache, die auf unbelegten Aussagen Dritter,
optisch und zeitlich eingeschränkten Videoausschnitten des Einsatzes oder
pauschalen Anschuldigungen beruhen, sind in diesem Sinne nicht
zielführend, da fundierte Aussagen nur in Anbetracht der Gesamtheit aller
verifizierbaren Informationen getroffen werden können.
Sebastian Timke: „Für Polizistinnen und Polizisten sind Einsätze wie der
in Nienburg trotz aller Trainings und guter Vorbereitung eine
Hochstresssituation. Sie stellen im Nachgang auch für sie eine
schwerwiegende Belastung dar, bei deren Verarbeitung wir allen betroffenen
Kolleginnen und Kollegen unsere Unterstützung zusagen. Gleichzeitig sehen
wir in den sozialen Netzwerken und auch in direkten Nachrichten an uns
aktuell eine Menge Vorwürfe gegenüber unseren Kolleginnen und Kollegen
insgesamt, die mindestens unreflektiert, teils beleidigend und angesichts
der noch ausstehenden Ermittlungen hochgradig diffamierend sind. Das ist
nicht hinnehmbar. Der tragische Tod von Lamin T., dessen Angehörigen wir
unsere ausdrückliche Anteilnahme aussprechen, wird missbraucht, um
Misstrauen in die Polizei zu schüren und der Polizei strukturell
rassistisches Verhalten zu unterstellen, während die niedersächsische
Polizei bundesweit als Vorreiter gilt, was die innerpolizeiliche Stärkung
demokratischer Grundsätze betrifft.“
