19.08.2026
Tausende Personalabgänge bis 2034: GdP fordert stärkere Nachwuchsgewinnung bei der Polizei
Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) Niedersachsen fordert angesichts der zahlreichen Altersabgänge bei der Landespolizei, die Nachwuchsgewinnung für den Polizeivollzug und den Tarifbereich langfristig zu stärken. Aus dem heute dem Innenausschuss vorgestellten Personalstrukturbericht 2024 geht hervor, dass 6.485 Beschäftigte die Polizei Niedersachsenim Berichtszeitraum bis 2034 altersbedingt verlassen. Gleichzeitig steigt der Personalbedarf durch zusätzliche und komplexere Aufgaben der Polizei weiter an.
„Die kommenden Jahre werden zu einer entscheidenden Phase für die Personalentwicklung im Polizeivollzug sowie bei den Tarifbeschäftigten“, erklärt der stellvertretende GdP-Landesvorsitzende Andreas Kauß. Mit neun Nachbarbundesländer stehe Niedersachsen in einem besonders intensiven Wettbewerb um geeignete Bewerberinnen und Bewerber. Kauß betont angesichts der Konkurrenzsituation die Relevanz guter Arbeitsbedingungen und angemessener Bezahlung: „Im Vergleich mit anderen Ländern schneidet Niedersachsen zum Beispiel bei der Zahlung angemessener Zulagen, insbesondere für belastende Dienste wie den Schichtdienst, schlecht ab. Wer im Wettbewerb um Nachwuchs bestehen will, muss bei Bezahlung und Arbeitsbedingungen konkurrenzfähig sein.“
Auch der Berufseinstieg müsse stärker in den Blick genommen werden. „Wer junge Menschen mit viel Potenzial für die Polizei gewinnen will, muss sich damit beschäftigen, was ihnen den Einstieg konkret erleichtert. Die GdP fordert darum schon lange geförderten Wohnraum an den Akademiestandorten oder die Übernahme der Kosten des Führerscheins, anstatt diesen zur Einstellungsvoraussetzung zu machen. Niedersachsen konkurriert mit anderen Ländern und der Wirtschaft um diese Menschen und muss deshalb Angebote machen, die auch im direkten Vergleich überzeugen“, so Kauß.
Neben der Nachwuchsgewinnung im Polizeivollzug stellt auch die Besetzung von Tarifstellen die Polizei vor große Herausforderungen. Handlungsbedarf sieht die GdP hier bei der Weiterqualifizierung und bei beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten. Kauß: „Künstliche Intelligenz, Digitalisierung und neue technische Verfahren verändern auch die Tätigkeitsprofile innerhalb der Polizei. Dafür braucht es zeitgemäße Aus- und Fortbildungsangebote sowie verlässliche Entwicklungsperspektiven. Das erhöht die Attraktivität der Polizei als Arbeitgeberin und sichert gleichzeitig ihre Handlungsfähigkeit.“
Der Personalstrukturbericht 2024 geht für die Landespolizei in der Zeit von 2024 bis 2029 insgesamt von einem Anteil altersbedingter Abgänge von 18 Prozent aus. Bis 2034 steigt dieser Anteil auf 28 Prozent beziehungsweise 6.485 Beschäftigte. Regional fällt die Entwicklung teilweise deutlich stärker aus: Für 17 der 44 betrachteten Landkreise und kreisfreien Städte werden bis 2034 Abgänge von mindestens 30 Prozent erwartet.
