In den letzten vier Jahren hat sich die Zahl der verunglückten Pedelec-Fahrer in NRW verdoppelt. Für die Gewerkschaft der Polizei (GdP) ist das eine besorgniserregende Entwicklung, auf die die Politik und die Polizei reagieren müssen. „Der sprunghafte Anstieg der Unfallzahlen ist die Schattenseite des Pedelec-Booms“, sagte der stellvertretende GdP- Landesvorsitzende Heiko Müller mit Blick auf die heute von Innenminister Herbert Reul (CDU) vorgestellte Verkehrsunfallstatistik für 2020. Nach Beobachtungen der GdP gehen die Unfälle nicht nur auf unzureichend gesicherte Radwege zurück, sondern oft auch auf falsches Fahrverhalten der Pedelc-Fahrer. Die GdP fordert deshalb, dass nicht nur die Infrastruktur für den Rad- und Pedelec-Verkehr nachhaltig verbessert wird, sondern auch mehr Verkehrskontrollen für Radfahrer.
Wie groß der Handlungsbedarf ist, zeigen die Unfallzahlen. Danach sind im
vergangenen Jahr in NRW 3897 Pedelec-Fahrerinnen und -Fahrer verunglückt.
Ein Jahr zuvor waren es noch 1189 weniger. Die Zahl der verunglückten
PKW-Insassen ist dagegen im gleichen Zeitraum um 22 Prozent gesunken, auf
30 533.
Neben Pedelec-Unfällen ist auch bei den Fahrradunfällen keine Entspannung
in Sicht. Mit 14 916 verunglückten Radfahrern lag der Rückgang im
vergangenen Jahr gerade einmal bei 4,3 Prozent. „Eine der
Hauptunfallursachen bei schweren und tödlichen Unfällen sind immer noch
Abbiegeunfälle mit LKW. Jeder 5. Verkehrstote in NRW gehört zur Gruppe der
Radwegnutzer. Das sind besorgniserregende Zahlen“, betont Müller.
Die GdP fordert deshalb neben mehr Kontrollen auch verstärkte
Investitionen in die Sicherheit des Fahrradverkehrs. „Wer will, dass die
Menschen auf das Fahrrad umsteigen, muss Geld für sichere Radverkehrswege
in die Hand nehmen. Da ist es mit einem aufgepinselten Radstreifen nicht
getan“ erläutert Müller. Der stellvertretende GdP-Vorsitzende appelliert
aber auch an die Verantwortung der Radfahrer: „Ein Helm vermeidet zwar
keinen Unfall, schützt aber vor schweren Folgen.“ Zudem sollten spezielle
Schulungsangebote für Personen angeboten werden, die aufs Fahrrad oder
Pedelec umsteigen wollen.