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05.03.2026

Vor der Kriminalstatistik: GdP fordert realistische Bewertung der Sicherheitslage

PKS Presse

Gewalt im öffentlichen Raum, Schulumfeld und digitale Betrugsdelikte prägen Sicherheitsgefühl stärker als reine Fallzahlen

Mainz – In den kommenden Tagen wird in Rheinland-Pfalz die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) vorgestellt. Für die Gewerkschaft der Polizei (GdP) ist die Veröffentlichung ein wichtiger Anlass, die Entwicklung der Kriminalität und die Sicherheitslage im Land einzuordnen.

Die GdP nimmt bereits im Vorfeld Stellung, weil Kriminalitätszahlen in der öffentlichen Diskussion häufig vorschnell interpretiert werden. Die PKS wird oftmals auch als eine Art Arbeitsnachweis der Polizei verstanden. Entwicklungen bei Fallzahlen, Aufklärungsquoten und einzelnen Deliktsfeldern werden regelmäßig unmittelbar mit der Leistungsfähigkeit der Polizei verbunden.

„Kriminalität lässt sich nicht allein an Fallzahlen messen. Entscheidend ist, welche Auswirkungen bestimmte Delikte auf das Sicherheitsgefühl der Menschen und auf das Vertrauen in unsere staatlichen Institutionen haben“, erklärt Sven Hummel, stellvertretender Landesvorsitzender der GdP Rheinland-Pfalz.

Die PKS bildet ausschließlich das sogenannte Hellfeld ab – also Straftaten, die der Polizei bekannt werden. Gleichzeitig verändert sich die Struktur der Kriminalität deutlich. Ein wachsender Anteil von Straftaten wird heute digital begangen oder von Tätern aus dem Ausland gesteuert.

Dies führt zu einer zunehmenden Diskrepanz zwischen der klassischen PKS und der tatsächlichen polizeilichen Arbeitsrealität. Bereits bei der letzten Vorstellung der Kriminalstatistik wurden zusätzlich zehntausende Straftaten dargestellt, bei denen Geschädigte in Rheinland-Pfalz sitzen, die Täter jedoch aus dem Ausland agieren oder Internetstrukturen nutzen. Diese Delikte erscheinen häufig nicht in gleicher Weise in der klassischen PKS-Systematik, verursachen aber erheblichen Ermittlungsaufwand und prägen die polizeiliche Arbeit zunehmend.

Diese Entwicklung erklärt auch, warum statistische Trends der Kriminalität und das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung nicht immer deckungsgleich sind. Während einzelne Deliktsbereiche in der PKS rückläufig sein können, prägen insbesondere Gewalt im öffentlichen Raum, Straftaten im schulischen Umfeld oder digital organisierte Kriminalität die öffentliche Wahrnehmung von Sicherheit in besonderer Weise.

Gewalt im öffentlichen Raum und an Schulen

Aus Sicht der GdP verdienen insbesondere Gewaltdelikte im öffentlichen Raum sowie Straftaten im Umfeld von Schulen und Bildungseinrichtungen besondere Aufmerksamkeit. Auch wenn diese Delikte statistisch nicht immer den größten Anteil der Gesamtkriminalität ausmachen, prägen sie das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung in besonderer Weise.

Demokratiegefährdende und systemrelevante Delikte

Neben sichtbarer Gewaltkriminalität weist die GdP auch auf Deliktsfelder hin, die in der öffentlichen Diskussion häufig weniger Aufmerksamkeit erhalten, aber eine erhebliche gesellschaftliche Wirkung entfalten können.

Dazu zählen insbesondere Wirtschaftskriminalität, Korruption oder komplexe Betrugsdelikte. Auch Abrechnungsbetrug im Gesundheitswesen kann ein solidarisch finanziertes System erheblich belasten. Eine wirksame Bekämpfung solcher Kriminalitätsformen trägt deshalb auch dazu bei, die Stabilität zentraler gesellschaftlicher Systeme zu sichern.

GdP fordert Periodischen Sicherheitsbericht

Die GdP Rheinland-Pfalz fordert deshalb seit Jahren die Einführung eines Periodischen Sicherheitsberichts. Ein solcher Bericht würde die polizeiliche Kriminalstatistik mit wissenschaftlichen Erkenntnissen, Dunkelfeldstudien und gesellschaftlichen Entwicklungen verbinden.

Auch wissenschaftliche Untersuchungen – etwa die INSIDER-Studie zur Sicherheitslage und zur demokratischen Resilienz – zeigen, dass Kriminalitätsentwicklung, gesellschaftliche Konfliktlagen und Sicherheitsgefühl der Bevölkerung nur im Zusammenspiel betrachtet werden können.

„Wer Sicherheit realistisch bewerten will, muss Kriminalitätsentwicklung, gesellschaftliche Auswirkungen und strukturelle Veränderungen gemeinsam betrachten. Genau dafür braucht Rheinland-Pfalz endlich einen Periodischen Sicherheitsbericht als Grundlage für eine evidenzbasierte Kriminalpolitik“, so Hummel abschließend.