16.04.2026
„Kriminalitätsbekämpfung der Zukunft“ – Ergebnisse der Mitgliederbefragung und ihre Bedeutung für die Polizei insgesamt
Im Sommer 2025 hat die GdP Rheinland-Pfalz eine Mitgliederbefragung unter GdP-Mitgliedern der Kriminalpolizei in den fünf Flächenpräsidien durchgeführt. Sie bildet deren Wahrnehmung zum Zeitpunkt der Erhebung ab und liefert Hinweise auf strukturelle Auswirkungen der Reform. Auch wenn sich die Befragung auf die Kriminalpolizei bezieht, betreffen viele der beschriebenen Wirkungen die Zusammenarbeit und die Funktionsfähigkeit der Polizei insgesamt.
Die Ergebnisse zeigen:
- 81 % sehen keinen besseren Schutz vor Überlastung
- rund 60 % erkennen keine Entlastung
- psychische Belastung wird überwiegend als gestiegen wahrgenommen
- Beteiligung der Beschäftigten wird mehrheitlich als unzureichend bewertet
- IT- und Ausstattungssituation wird überwiegend kritisch gesehen
Was bedeutet das im Alltag?
Die Rückmeldungen zeigen, wo die Herausforderungen liegen:
Hohe Vorgangszahlen bei gleichbleibendem Personal, zusätzliche Abstimmungsaufwände, sowie veränderte oder unklare Zuständigkeiten.
In der Praxis bedeutet das häufig:
- mehr parallele Aufgaben – etwa gleichzeitige Bearbeitung mehrerer umfangreicher Verfahren bei unveränderter Personalsituation
- steigender Zeitdruck – insbesondere durch hohe Vorgangszahlen, zusätzliche Abstimmungen und kurzfristige Lagen
- zusätzliche Belastungen im täglichen Dienst – etwa durch technische Probleme, unzureichende IT oder fehlende Unterstützungssysteme
Wie sich das konkret anfühlt:
In den Freitextantworten wird die Situation sehr klar und teilweise sehr eindringlich beschrieben. Typische Rückmeldungen lauten etwa:
- „Die Arbeitsbelastung ist dauerhaft zu hoch – wir kommen mit den Vorgängen kaum noch hinterher.“
- „Die Zuständigkeiten sind oft unklar – das führt zu unnötiger Mehrarbeit.“
- „Die Technik bremst uns im Alltag aus, statt uns zu unterstützen.“
- „Es fehlt an Personal – das ist das zentrale Problem hinter vielen anderen Belastungen“.
Diese Aussagen stehen exemplarisch für viele ähnliche Rückmeldungen aus der Befragung und verdeutlichen, wie stark sich strukturelle Probleme im Alltag bemerkbar machen.
In den Rückmeldungen wird zudem deutlich:
- Zeit- und Vorgangsdruck werden in einzelnen Bereichen – darunter auch zentralisierte Strukturen - als hoch beschrieben – teilweise mit Auswirkungen auf die Qualität der Fallbearbeitung
- veraltete oder langsame IT-Systeme erschweren die tägliche Arbeit spürbar
- fehlende personelle Ressourcen führen dazu, dass Belastungen dauerhaft hoch bleiben
Ein Teil dieser Effekte kann im Kontext von Umstellungs- und Anlaufschwierigkeiten nach Organisationsveränderungen stehen. Gleichzeitig zeigen die Rückmeldungen, dass Umfang und Dauer dieser Effekte sowie ihre Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit der Organisation im Rahmen der Evaluation näher betrachtet werden müssen.
Auch aus organisationswissenschaftlicher Sicht ist bekannt, dass Veränderungen von Arbeitsstrukturen zunächst zu erhöhten Abstimmungsaufwand, veränderten Routinen und Unsicherheiten führen können. Entscheidend ist jedoch, ob sich diese Effekte im weiteren Verlauf stabilisieren oder ob sich strukturelle Belastungen verfestigen.[EB1]
Diese Einschätzung deckt sich auch mit den fachlichen Hinweisen aus der Stellungnahme von Prof. Conny Antoni.
Neben diesen konkreten Auswirkungen auf die tägliche Arbeit zeigen die Rückmeldungen auch, dass die Veränderungen darüber hinaus spürbare Folgen für das Arbeitsumfeld und die Organisation insgesamt haben.
Genannt werden dabei insbesondere:
Eine zunehmende Überlastungssituation mit Auswirkungen auf die Attraktivität der kriminalpolizeilichen Arbeit. Auswirkungen auf die Zusammenarbeit im Team und zwischen den Organisationseinheiten, die für eine funktionierende Gesamtleistungsfähigkeit von zentraler Bedeutung ist. Räumliche Engpässe und teilweise unzureichende Arbeitsbedingungen vor Ort.
Deutlich wird zudem: Veränderungen wirken nicht isoliert innerhalb einzelner Kommissariate, sondern betreffen die Zusammenarbeit insgesamt.
Einordnung der Ergebnisse
Die GdP hat die Reform von Beginn an konstruktiv-kritisch begleitet und dabei sowohl Chancen als auch Risiken benannt. Der außerordentliche Landesdelegiertentag hierzu hat insbesondere Auswirkungen auf Arbeitsbelastung, Abläufe und Zusammenarbeit gesehen.
Die Ergebnisse zeigen nun, dass sich diese Aspekte – zum Zeitpunkt der Befragung – in der Praxis wiederfinden. Gleichzeitig verlaufen die Entwicklungen unterschiedlich und müssen differenziert betrachtet werden.
Warum die Ergebnisse wichtig sind
Die Befragung ersetzt keine wissenschaftliche Evaluation, liefert aber belastbare Hinweise aus der Praxis. Sie zeigt, wo vertiefte Analysen erforderlich sind, wo Belastungen entstehen und wo Anpassungsbedarf bestehen kann.
Wie geht es jetzt weiter?
Entgegen den ursprünglichen Planungen wird die Reform bereits jetzt schon evaluiert. In der laufenden Themensondierung (bis Mitte Mai) in den Kriminal- und Polizeiinspektionen wird festgelegt, welche Aspekte untersucht werden. Was jetzt nicht benannt wird, kann später nur schwer berücksichtigt werden.
Eure Rückmeldungen zählen
Die Evaluation lebt von euren Erfahrungen. Es ist wichtig, dass sowohl Belastungen als auch funktionierende Abläufe eingebracht werden.
Einordnung durch die GdP
„Die Reform wurde politisch mit dem Anspruch angestoßen, die „Kriminalitätsbekämpfung der Zukunft“ zu gestalten. Mit diesem Anspruch ist zugleich die Erwartung verbunden, dass wirksame Verbesserungen eintreten und die Leistungsfähigkeit der Polizei gestärkt wird.
Die Ergebnisse der Befragung zeigen jedoch, dass zentrale Erwartungen – insbesondere mit Blick auf Entlastung und funktionierende Abläufe – zum Zeitpunkt der Erhebung in einigen Bereichen noch nicht erreicht werden.
Das hat auch eine sicherheitspolitische Dimension: Eine leistungsfähige Polizei ist Voraussetzung für die Handlungsfähigkeit des Staates, für das Vertrauen der Bevölkerung und für das Sicherheitsgefühl vor Ort.
Gerade im täglichen Arbeiten zeigt sich, wie wichtig eine funktionierende Zusammenarbeit zwischen den Bereichen – insbesondere zwischen Schutz- und Kriminalpolizei – ist. Strukturen müssen diese Zusammenarbeit unterstützen.
Vor diesem Hintergrund stellt sich auch die Frage, wie weit der Weg zur „Kriminalitätsbekämpfung der Zukunft“ tatsächlich noch ist.“
Sven Hummel, stellvertretender Landesvorsitzender der GdP-Rheinland-Pfalz
Weitere Informationen
Die vollständige Auswertung findet ihr im Beiblatt.
