13.07.2026
Europol-Bericht:
GdP warnt vor neuer Generation digital radikalisierter Gewalttäter
Der gestern veröffentlichte Europol-Bericht „EU Terrorism Situation and Trend Report (TE-SAT) 2026“ zeigt nach Auffassung der Gewerkschaft der Polizei (GdP) und der European Federation of Police Unions (EU.Pol) einen tiefgreifenden Wandel der terroristischen Bedrohung in Europa. Der Bericht beschreibt erstmals ausführlich neue, ideologisch verschwommene Gewaltmilieus im Internet, junge Täter und die zunehmende Bedeutung digitaler Radikalisierung.
Jochen Kopelke, Bundesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP) und Präsident der European Federation of Police Unions (EU.Pol), erklärt: „Der Bericht zeigt eine Zeitenwende. Die größte Herausforderung für Europas Polizeien ist nicht mehr nur der klassische Terrorismus. Wir sehen eine neue Generation junger, digital radikalisierter Täter, die ideologische Grenzen überschreitet, KI und soziale Medien nutzt und Gewalt als Selbstzweck versteht. Europa braucht deshalb eine gemeinsame Sicherheitsstrategie für den digitalen Raum.“
„Der neue Terrorist sucht Gewalt, Aufmerksamkeit und Chaos.“
Der Europol-Bericht stellt fest, dass sich die Grenzen zwischen islamistischem Terrorismus, Linksextremismus, Rechtsextremismus, Kriminalität, Misogynie und anderen gewaltverherrlichenden Online-Milieus zunehmend auflösen. Besonders sogenannte nihilistische Gewaltnetzwerke und das digitale Ökosystem „The Com“ fördern Gewalt, Chaos und gesellschaftliche Destabilisierung, häufig ohne klare politische Ideologie.
Kopelke warnt: „Der neue Terrorist hat oft keine Ideologie mehr – sondern sucht Gewalt, Aufmerksamkeit und Chaos. Europas Sicherheitsbehörden suchen längst nicht mehr nur nach Islamisten oder Rechtsextremisten. Wir erleben Täter, die vor allem gesellschaftliche Zerstörung und maximale Aufmerksamkeit anstreben.“
Besondere Sorge bereite die Verlagerung der Radikalisierung in digitale Räume. Europol beschreibt soziale Medien, Gaming-Plattformen, KI-Anwendungen und verschlüsselte Messenger als zentrale Instrumente für Anwerbung, Vernetzung und Mobilisierung extremistischer Akteure. Junge Menschen würden dort besonders häufig erreicht. „Der Radikalisierungsraum unserer Zeit ist nicht mehr die Hinterhofmoschee oder die Extremistenkneipe. Er liegt auf dem Smartphone unserer Kinder“, so Kopelke.
Der Bericht hebt zudem hervor, dass die Mehrzahl der vereitelten oder ausgeführten Anschläge von Einzeltätern oder kleinen, selbst initiierten Gruppen begangen wurde. Viele der Festgenommenen waren jung; das Durchschnittsalter der Terrorverdächtigen lag bei 27 Jahren, 130 Festgenommene waren 18 Jahre oder jünger. Kopelke: „Die größte Gefahr für Europa ist nicht unbedingt der große koordinierte Anschlag. Es sind junge, schnell radikalisierte Einzeltäter, die morgen mit einem Messer, einem Auto oder einer selbst gebauten Waffe zuschlagen können. Deshalb müssen Europas Polizeien digital stärker werden, enger zusammenarbeiten und junge Menschen früher vor Radikalisierung schützen.“
Nach Angaben von Europol wurden 2025 in der Europäischen Union 45 terroristische Anschläge registriert und 486 Personen wegen Terrorismusdelikten festgenommen. Die Terrorismusbedrohung für Europa bleibt laut Bericht unverändert hoch.
"Europas Sicherheitsbehörden suchen längst nicht mehr nur nach Islamisten oder Rechtsextremisten. Wir erleben Täter, die vor allem gesellschaftliche Zerstörung und maximale Aufmerksamkeit anstreben.“GdP-Bundesvorsitzender Jochen Kopelke
