22.02.2026
Digitalisierungsfiasko mit Ansage– GdP Sachsen sieht Zulagenzahlungen durch Arbeitszeitprogramm gefährdet
Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) Sachsen unterstützt ausdrücklich die notwendige und überfällige Digitalisierung der Verwaltung in der Polizei Sachsen. Moderne IT-Verfahren müssen dazu beitragen, Arbeitsprozesse zu vereinfachen, Transparenz zu erhöhen und die Kolleginnen und Kollegen im täglichen Dienst spürbar zu entlasten. Genau das ist jedoch derzeit nicht der Fall.
Nach mehreren problembehafteten oder gescheiterten Digitalisierungsprojekten wie ein Einsatzprogramm für besondere Lagen, die elektronische Patientenakte sowie ein Warenwirtschafts- und Verwaltungssystem markiert die Einführung des neuen Personalmanagementsystems inklusive Arbeitszeiterfassung aus Sicht der GdP Sachsen einen neuen Tiefpunkt.
Christin Kollin, stellvertretende Landesvorsitzende der GdP Sachsen, macht deutlich:
„Digitalisierung soll entlasten und so helfen leichter und effizienter zu arbeiten. Stattdessen erleben wir, dass ein System nach dem anderen eingeführt wird, welches auf dem Papier gut aussieht, in der Praxis jedoch kaum funktioniert. Die Mannschaft wird nicht ausreichend einbezogen, Schulungen sind unzureichend und am Ende bleibt vor allem Frustration.“
Auch bei der elektronischen Verwaltungsakte und der elektronischen Strafakte zeigen sich bis heute massive Performance-Defizite, da schlichtweg die Datenleitungen nicht ausreichen. „Ein Klick führt da schon mal zu minutenlangen Pausen, manchmal sogar zu Systemabstürzen. Das ist im polizeilichen Alltag nicht akzeptabel.“, so Kollin weiter.
Zum 1. Februar wurde nun trotz zahlreicher fachlicher Hinweise und Bedenken vieler Kolleginnen und Kollegen die neue Arbeitszeiterfassung mit ePM.SAX eingeführt. Besonders kritisch bewertet die GdP Sachsen, dass selbst im Innenressort auf Druck der dortigen Personalvertretung eine Einführung erst zum 1. Januar 2027 vorgesehen ist, während die Polizei die Umstellung bereits jetzt umsetzen musste.
Im Polizei-Hauptpersonalrat wurde das Projekt konstruktiv begleitet und über die gesamte Zeit unterstützt. Auch eine Dienstvereinbarung wurde abgeschlossen. Als jedoch im Januar 2026 durch die Mitglieder auf ungelöste Probleme aufmerksam gemacht wurde, wurden diese ignoriert. Statt eines Dialog wurde eine Abwehrhaltung eingenommen.
„Wenn Hinweise aus der Praxis konsequent ignoriert werden, ist das Scheitern vorprogrammiert“, so Kollin. „Statt klarer, einheitlicher Lösungen müssen die nachgeordneten Dienststellen nun selbst versuchen, bestehende Mängel zu kompensieren. Das führt zwangsläufig zu unterschiedlichen Verfahrensweisen und neuen Fehlerquellen. Die zuständigen Bereiche sind ohnehin meist hoch belastet und bekommen nun noch weitere Zusatzaufgaben. So funktioniert weder Digitalisierung noch Prozessoptimierung.“
Besonders alarmierend ist aus Sicht der GdP Sachsen die mögliche Gefährdung der pünktlichen Zahlung von Zulagen. Nacht-, Wochenend- und Feiertagszuschläge sind an eine revisionssichere und fehlerfreie Arbeitszeiterfassung gebunden. Wenn das System diese Voraussetzung nicht zuverlässig erfüllt, geraten berechtigte Ansprüche der Kolleginnen und Kollegen in Gefahr.
Die GdP Sachsen fordert daher:
- die unverzügliche technische Stabilisierung des Systems,
- eine transparente Kommunikation der bestehenden Probleme,
- eine praxisnahe Nachschulung der Anwenderinnen und Anwender sowie
- die uneingeschränkte und pünktliche Sicherstellung aller Zulagenzahlungen – unabhängig von systembedingten Fehlern.
Digitalisierung darf kein Selbstzweck sein und schon gar nicht auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen werden. Wer Akzeptanz für moderne IT-Lösungen schaffen will, muss die Bedenken der Kolleginnen und Kollegen ernst nehmen und die Einsatzrealität berücksichtigen.
Die GdP Sachsen erwartet hier ein klares Signal des Innenministeriums – im Interesse einer leistungsfähigen Polizei und im Interesse der Kolleginnen und Kollegen, die täglich ihren Dienst für den Freistaat leisten.
Hinweis: Die oben gezeigte Abbildung wurde mit Hilfe von KI generiert.
