08.04.2026
Klarer Fingerzeig: Beschäftigte tragen Verantwortung des „Digitalisierungsfiaskos“
Für das Innenministerium scheint klar: "Wir haben alles richtig gemacht.". Der erhobene Zeigefinger weißt auf die Bediensteten.
Die Kündigung der Dienstvereinbarung zum neuen Zeiterfassungssystem durch den Polizei-Hauptpersonalrat (P-HPR) ist ein deutliches und unmissverständliches Signal an das Sächsische Staatsministerium des Innern.
"Statt dieses ernst zu nehmen und selbstkritisch die eigene Rolle bei der Einführung eines offenkundig fehleranfälligen Systems zu hinterfragen, erleben wir nun einen Versuch der Schuldverschiebung zulasten der Beschäftigten.", so stellv. Landesvorsitzende Christin Kollin.
Der im aktuellen Medienbericht zu entnehmenden Aussage des Innenministeriums, wonach die Schwierigkeiten „eher auf die Anwender in den Polizeien“ zurückzuführen seien, ist nicht nur sachlich falsch, sondern auch ein Schlag ins Gesicht all jener Kolleginnen und Kollegen, die seit Wochen unter hohem persönlichen Einsatz versuchen, die Mängel dieses Systems auszugleichen.
Fakt ist:
- Es waren nicht etwa zentrale Stellen im Ministerium, die Schulungskonzepte oder praktikable Handreichungen entwickelt haben.
- Vielmehr haben engagierte Kolleginnen und Kollegen, insbesondere aus der Polizeidirektion Leipzig, eigenständig Wissen aufgebaut, Schulungen erstellt und damit überhaupt erst eine landesweite Nutzbarkeit ermöglicht.
- Gleichzeitig stemmen die Bediensteten parallel mehrere Systeme: teilweise das alte Zeiterfassungsprogramm, zusätzliche Excel-Lösungen und das neue System.
- Täglich werden systemische Fehler gemeldet, die selbst durch erweiterte Rechte-/Rolleninhaber nicht behoben werden können.
Wenn ein System rechnerisch dazu führt, dass aus 20 Überstunden abzüglich 8 Stunden Freizeitausgleich plötzlich nur noch 4 Stunden übrig bleiben, dann liegt das Problem ganz sicher nicht bei den Anwenderinnen und Anwendern.
"Die Kolleginnen und Kollegen in der sächsischen Polizei leisten derzeit weit mehr als Dienst nach Vorschrift. Sie kompensieren Defizite, sichern Arbeitsabläufe und tragen die Folgen einer eher misslichen Einführung. Dafür werden sie nun öffentlich verantwortlich gemacht. Das ist inakzeptabel.", so Kollin weiter.
Um so schlimmer ist es, wenn dann auch noch auf Grund dieser Probleme keine Beförderungen stattfinden können. Denn laut Aussage von Personalreferaten sind diese so stark mit dem Programm beschäftigt, dass andere Themen schlicht auf der Strecke bleiben. Damit werden die Bediensteten gleich doppelt bestraft.
Die GdP Sachsen fordert:
- Eine ehrliche und transparente Fehleranalyse auf ministerieller Ebene
- Die Übernahme von Verantwortung durch die Projektverantwortlichen
- Ein möglichst zeitnah funktionierendes, praxistaugliches und verlässliches Zeiterfassungsprogramm
- Beförderungen bis Ende Mai 2026 durchzuführen.
Die Kündigung durch den P-HPR darf nicht ignoriert oder relativiert werden. Sie ist ein deutliches Warnsignal. Es hat zwar keine direkten Auswirkungen, sollte dem Empfänger aber zu verstehen geben „Die Einführung läuft gerade etwas gehörig schief und zu Lasten des ohnehin stark belasteten Personals.“. Wer jetzt weiterhin die Schuld bei der Basis sucht, gefährdet nicht nur die Akzeptanz dieses Systems, sondern auch das Vertrauen der Beschäftigten in die Führungsebene.
Die Polizei Sachsen verdient Respekt, Unterstützung sowie funktionierende Arbeitsmittel und keine Schuldzuweisungen. Vor allem verdienen die Kolleginnen und Kollegen Anerkennung und Wertschätzung für ihre Arbeit, welche sich nicht zuletzt auch in Beförderungen niederschlagen.
