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© Antje/stock.adobe.com
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09.02.2026

DGB-Index Gute Arbeit
Husgen: Das ist ein Überlastungsreport

Arbeitsschutz DGB

Die psychische und emotionale Arbeitsbelastung im Polizeivollzugs- und Kriminaldienst ist signifikant hoch ausgeprägt. Laut dem aktuellen DGB-Index Gute Arbeit Kompakt (1/2026) liegt dies unter anderem an der hohen Arbeitsverdichtung, die den Polizeibeamtinnen und -beamten zu schaffen macht. Zudem erschweren konfliktbeladene Situationen immer mehr die Rahmenbedingungen polizeilicher Arbeit. Rund die Hälfte der Befragten hatte angegeben, im täglichen Dienst sehr häufig oder oft Konflikten ausgesetzt zu sein. „Das ist ein Überlastungsreport“, erklärte Hagen Husgen, mit dem Arbeitsschutz betrautes Mitglied des Geschäftsführenden Bundesvorstandes der Gewerkschaft der Polizei (GdP).

Die Folgen der seit vielen Jahren ungehörten GdP-Kritik an der fehlenden Fürsorge für die Einsatzkräfte träten immer deutlicher zutage. „Wir nähern uns dem Punkt, an dem die noch gesunden Beschäftigten das Fehlen der Erkrankten nicht mehr auffangen können“, bekräftigte Husgen. Der DGB-Index Gute Arbeit ist eine gemeinschaftliche Initiative des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) und seiner Mitgliedsgewerkschaften. Das Projekt wurde im Jahr 2006 gestartet.

Der Gewerkschafter machte jedoch auch ungehemmt negativ laufende gesellschaftliche Entwicklungen für die seelische Misere bei der Polizei verantwortlich. 18 Prozent der Polizistinnen und Polizisten berichteten von überdurchschnittlich häufiger respektloser Behandlung durch andere Personen. Mehr als die Hälfte der Befragten gab an, dass sie sehr häufig oder oft bei der Arbeit ihre eigenen Gefühle unterdrücken müssen.

Als hoch belastend bezeichneten die Beamtinnen und Beamten den von ihnen empfundenen immensen Zeitdruck. 51 Prozent äußerten, dass sie sich während des Dienstes sehr häufig oder oft gehetzt fühlen. „Diese Tempofahrt in die Sackgasse müssen wir nicht nur rasch abbremsen, wir müssen an der nächsten Stelle wenden. Praktisch bedeutet dies eine Priorisierung der Belange der Polizeibeschäftigten durch die Regierungen und Parlamente in Bund und Ländern vornehmlich mit Blick auf die Polizeihaushalte“, unterstrich der Gewerkschafter.

© GdP / Hagen Immel
GdP / Hagen Immel
„Wir nähern uns dem Punkt, an dem die noch gesunden Beschäftigten das Fehlen der Erkrankten nicht mehr auffangen können.“
Hagen Husgen, für Arbeitsschutz verantwortliches Mitglied des Geschäftsführenden GdP-Bundesvorstandes.

Sichtbarer Verbesserungsbedarf wird auch in polizeiinternen Prozessen festgestellt. Besonders belastend sei, dass Polizistinnen und Polizisten häufig widersprüchlichen Anforderungen genügen sollen. Für 55 Prozent der Befragten kommt dies sehr häufig oder oft vor. Die Befragten nehmen etwa Bezug auf Anweisungen Vorgesetzter, die dem geforderten Arbeitsergebnis widersprechen, oder darauf, dass das verfügbare Personal oder die zeitlichen Ressourcen nicht ausreichen, um die vorgegebenen Aufgaben in der erwarteten Qualität zu erfüllen. Dass sich an dieser Stelle Frustration bei den Kolleginnen und Kollegen aufbaut, hält Husgen für so zwangsläufig wie unnötig.