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02.06.2026

Blaulichtstudie:
Wir wollen's wissen

JAV JUNGE GRUPPE (GdP) Grundsatz Studierende

Die Zahl der Kündigungen und Ausbildungsabbrüche in den Polizeien steigt seit Jahren. Um diesem Trend mit wirksamen Maßnahmen zu begegnen, müssen die Ursachen zuerst identifiziert werden. Diesem brisanten Thema nehmen sich die JUNGE GRUPPE (GdP) und Experten der Technischen Universität (TU) Chemnitz in der „Blaulichtstudie“ an. Euer Mitwirken, liebe (junge) Kolleginnen und Kollegen, ist sehr erwün

Die Ausgangslage

Ein Blick auf den Forschungsstand zeigt, dass insbesondere im Bereich der Ausbildungsqualität und -zufriedenheit Forschungsbedarf besteht. Aufgrund der unterschiedlichen Ausbildungssysteme von Bund und Ländern sowie innerhalb der Länder ist dies eine komplexe Aufgabe. Die in Niedersachsen identifizierten Probleme müssen nicht auch in Bayern vorliegen. Aufgrund der großen Bedeutung der Ausbildung für die spätere berufliche Tätigkeit ist es zwingend erforderlich, diesen Themenbereich in künftiger Forschung stärker in den Blick zu nehmen.

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Lücken

Vor allem fehlen bisher differenziertere Erkenntnisse zur Arbeitszufriedenheit jüngerer Altersgruppen. Diese haben nicht nur teilweise andere Vorstellungen von ihrem späteren Arbeitgeber als ältere Generationen, sondern sind auf dem Arbeitsmarkt auch flexibler. Es reicht daher nicht mehr aus, lediglich gut bezahlte und sichere Arbeitsplätze anzubieten. Der Arbeitgeber „Öffentlicher Dienst“ wird sich bis zu einem gewissen Grad anpassen müssen, um diese Generation zu rekrutieren und dauerhaft zu halten. Mit dieser Studie soll ein Beitrag dazu geleistet werden, Verbesserungspotenziale während der Ausbildung und im Berufsalltag der Polizei zu identifizieren, um künftig wieder mehr Bewerberinnen und Bewerber zu gewinnen und diese langfristig an sich zu binden.

Die Fragen

Die Personalsituation hat sich in den vergangenen Jahren sowohl in der Bundes- als auch in den Landespolizeien zugespitzt. Doch warum kommt es zu vermehrten Ausbildungsabbrüchen und Kündigungen? Wo liegen die Probleme im Berufsalltag und in der Ausbildung? 

Vor-Ort-Folgen

Wenn Schichten nicht mehr ausreichend besetzt werden können und Überstunden zunehmen, stellt dies nicht nur für die Betroffenen einen erheblichen zusätzlichen Stressfaktor dar. Es ist auch ein gesellschaftliches Problem: Gerade in Zeiten einer sich verändernden Sicherheitslage und eines immer größer werdenden Aufgabenspektrums ist es von entscheidender Bedeutung, sicherzustellen, dass die Sicherheitsbehörden personell gut besetzt sind und über die notwendige Ausstattung verfügen, um den komplexeren Anforderungen gerecht zu werden. Vor diesem Hintergrund ist die sich verschlechternde personelle Lage ein gesellschaftliches Problem und eine politische Herausforderung. 

Attraktivität?

Während der Ausbildung wird das Fundament für den späteren Beruf gelegt. Wie Auszubildende mit belastenden Situationen umgehen, wie gut sie sich auf diese vorbereitet fühlen und wie flexibel sie sich einem immer komplexer werdenden Aufgabenspektrum anpassen können, hängt maßgeblich von ihrer Ausbildung ab. Vor dem Hintergrund der dualen Ausbildung bei der Polizei wird die bestehende Forschungslücke noch drängender. Bisher ist weder hinreichend bekannt, wo die Probleme in den einzelnen Bereichen der Ausbildung liegen, noch wie Auszubildende ihre theoretische und praktische Ausbildung wahrnehmen. 

Vor dem Hintergrund zunehmender Angriffe auf Polizeikräfte stellt sich etwa die Frage, ob sich Auszubildende auf solche Situationen hinreichend vorbereitet fühlen. Eine gute Ausbildungsqualität könnte zudem zur Attraktivität der Institution Polizei beitragen, da Personen, die die Ausbildung abbrechen, die Polizei selten als Arbeitgeber weiterempfehlen dürften. Insbesondere in diesem Bereich gibt es also dringenden Forschungsbedarf zu den Faktoren, die Auszubildende während der Ausbildung als gut oder problematisch wahrnehmen. 

Wie es abläuft!

Allen Fragen und Aspekten wird die Technische Universität Chemnitz im Auftrag der JUNGEN GRUPPE (GdP) in der „Blaulichtstudie“ nachgehen. 

Online befragt werden dabei zunächst sämtliche Mitglieder der JUNGEN GRUPPE (GdP). Die Online-Befragung wird in mehreren Wellen durchgeführt und startet am 1. Juni 2026. 

Alle Mitglieder, die ihre E-Mail-Adresse bei der JUNGEN GRUPPE (GdP) angegeben haben, erhalten von dieser einen Link zur Teilnahme.

In der zweiten, kürzeren Phase des Projekts werden die Ergebnisse durch vertiefende Interviews beziehungsweise Fokusgruppen ergänzt. 

Die Studienergebnisse werden im Anschluss ausgewertet und als Basis für die Formulierung politischer Handlungsempfehlungen verwendet.

Die Blaulichtstudie im Überblick

© Kay Herschelmann
Kay Herschelmann
Die Stimmen junger Kolleginnen und Kollegen liefern wertvolle Hinweise, an welchen Stellen wir mutiger denken und handeln müssen. Natürlich möchten wir Defizite sichtbar machen, aber insbesondere innovative Ansätze für Ausbildung/Studium, Führung und Arbeitsbedingungen zu entwickeln, spornt uns an. 
Jennifer Otto, Teil der Projektleitung und ehemalige GdP-Bundesjugendvorsitzende
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Warum die Blaulichtstudie eine echte Chance für Verbesserungen biete, erklärt die Doppelspitze der JUNGE GRUPPE (GdP), Maren Nölle und Michél Odenthal. Beide sind zudem Teil der Projektleitung.

Zwischen Nachwuchsgewinnung und Bindung

Als Bundesjugendvorsitzender erlebe ich tagtäglich, mit welchen Erwartungen junge Menschen in den Polizeidienst starten – und an welchen Stellen diese Erwartungen im beruflichen Alltag auf strukturelle Herausforderungen treffen. Die Gewinnung von Nachwuchskräften ist dabei längst nicht mehr die alleinige Herausforderung. Entscheidend ist vielmehr, wie es gelingt, junge Kolleginnen und Kollegen nachhaltig im Beruf zu halten und ihnen eine Perspektive zu bieten, die Motivation, Identifikation und Leistungsfähigkeit gleichermaßen stärkt.

 
 

Wissenschaft als belastbare Grundlage

Genau hier setzt die Blaulichtstudie an. Sie verfolgt den Anspruch, nicht auf Grundlage von Einzelwahrnehmungen oder punktuellen Rückmeldungen zu agieren, sondern eine belastbare, wissenschaftlich fundierte Datengrundlage zu schaffen. Für uns als Gewerkschaft ist das ein zentraler Schritt: Nur wer die tatsächlichen Bedarfe, Erwartungen und Belastungsfaktoren kennt, kann gegenüber Politik und Dienstherrn zielgerichtet und wirksam für Verbesserungen eintreten.

Der Blick auf die frühen Dienstjahre

Besonders wichtig ist uns dabei der ganzheitliche Blick: von der Ausbildung über das Studium bis hinein in die ersten Dienstjahre. Gerade diese Phase entscheidet häufig darüber, ob junge Menschen langfristig im Polizeiberuf bleiben oder sich neu orientieren. Wenn wir hier die richtigen Rahmenbedingungen schaffen, stärken wir nicht nur die individuelle Zufriedenheit, sondern auch die Funktionsfähigkeit unserer Polizei insgesamt.

Die Attraktivität des Polizeiberufs entscheidet sich nicht allein bei der Einstellung, sondern ebenso in den ersten Jahren des Diensteintritts.

Beitrag zur Polizei von morgen

Die Blaulichtstudie ist daher mehr als ein Forschungsprojekt. Sie ist ein Instrument, um die Attraktivität des Polizeiberufs evidenzbasiert weiterzuentwickeln und konkrete Handlungsempfehlungen abzuleiten. Unser Anspruch als Gewerkschaft ist es, diese Erkenntnisse aktiv in politische Entscheidungsprozesse einzubringen und damit einen Beitrag zu leisten, die Polizei als modernen, verlässlichen und zukunftsfähigen Arbeitgeber aufzustellen. Wissenschaftliche Erkenntnisse sind für uns kein Selbstzweck, sondern die Grundlage für eine Polizei mit Zukunft.

Wichtige Chance

Der Blaulichtreport ist eine wichtige Chance, die Arbeits- und Ausbildungssituation in der Polizei sichtbar zu machen. Viele Herausforderungen werden im Alltag seit Langem wahrgenommen, doch für konkrete Veränderungen braucht es belastbare Zahlen. Genau diese Grundlage kann die Befragung schaffen. Sie hilft dabei, Probleme klar zu benennen, Entwicklungen einzuordnen und politische Forderungen fundiert zu begründen. So können gezielt Verbesserungen angestoßen werden, die den Berufs- und Ausbildungsalltag spürbar stärken. Deshalb kommt es auf eine breite Beteiligung an: Jede Stimme hilft, die Polizei attraktiver, moderner und zukunftsfester aufzustellen.