jumpToMain
© Michael Arning
Michael Arning

13.10.2026

Jugendgewalt bekämpfen heißt, früher Verantwortung zu übernehmen

GdP Brandenburg: Strafmündigkeit ab zehn Jahren ist keine Lösung – wir müssen mehr in unsere Kinder und unsere Zukunft investieren.

Potsdam, 14. Oktober 2026. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) Brandenburg lehnt die Forderung nach einer Absenkung der Strafmündigkeit von 14 auf zehn Jahre entschieden ab. Jugendgewalt, zunehmende Brutalität einzelner Taten und die Verbreitung von Gewalt über soziale Netzwerke sind ernst zu nehmende Herausforderungen. Sie brauchen konsequente Antworten, die deutlich früher ansetzen als im Strafrecht.

„Wenn Kinder andere Kinder bedrohen, Jugendliche Menschen zusammenschlagen oder Gewalttaten gefilmt und im Netz verbreitet werden, dürfen wir das nicht hinnehmen. Opfer brauchen Schutz, Täter müssen Konsequenzen spüren. Aber mehr Sicherheit entsteht nicht dadurch, dass wir Kinder früher kriminalisieren“, erklärt Anita Kirsten, Landesvorsitzende der GdP Brandenburg.

Auch in Brandenburg steht die Gesellschaft vor großen Herausforderungen. Gewalt im familiären Umfeld, fehlende Konfliktfähigkeit, Gruppendynamiken, soziale Belastungen und Radikalisierung im Netz wirken bis in Schulen und Kindereinrichtungen hinein. Die Kriminalstatistik zeigt dabei ein differenziertes Bild: Nicht jede Form der Jugendkriminalität steigt, dennoch geben schwere Gewalttaten und auffällige Entwicklungen Anlass zur Sorge.

„Wir investieren zu wenig in unsere Zukunft. Und unsere Zukunft sind unsere Kinder.“ Schulen, Jugendämter, Kommunen, soziale Einrichtungen und die Polizei sollen gesellschaftliche Fehlentwicklungen auffangen. Gleichzeitig fehlen vielerorts Personal, Zeit und verlässliche Angebote. Prävention darf nicht erst beginnen, wenn die Polizei gerufen wird.

Kriminologische Erkenntnisse liefern keine belastbare Grundlage dafür, dass eine Absenkung der Strafmündigkeit Jugendgewalt nachhaltig reduziert. Unsere europäischen Nachbarn zeigen andere Wege: Dänemark setzt auf eine enge Zusammenarbeit zwischen Schulen, Sozialbehörden und Polizei, die Niederlande auf schnelle pädagogische Interventionen, Verantwortungsübernahme und Wiedergutmachung.

 

Die GdP Brandenburg fordert deshalb:

  • Früherkennung statt später Reaktion: Verbindliche gemeinsame Fallbesprechungen von Polizei, Jugendämtern, Schulen und weiteren zuständigen Stellen, um gefährdete Kinder und junge Intensivtäter frühzeitig zu erreichen.
  • Prävention vor Ort stärken: Mehr Schulsozialarbeit, Schulpsychologie, aufsuchende Jugendsozialarbeit und sichere Begegnungsorte mit verlässlicher pädagogischer Betreuung.
  • Konsequent und schnell handeln: Zeitnahe Reaktionen auf Straftaten, wirksame Hilfs- und Interventionsmaßnahmen sowie besseren Opferschutz.
  • Polizei handlungsfähig machen: Ausreichend Personal für Prävention und Jugendkriminalität sowie rechtliche und technische Möglichkeiten, um Radikalisierung und Gewalt im digitalen Raum wirksam zu begegnen.
  • Ressortübergreifend Verantwortung übernehmen: Innen-, Bildungs-, Jugend-, Sozial- und Justizressort müssen Kinder- und Gewaltschutz gemeinsam gestalten, bestehende Schutzkonzepte verzahnen und Kommunen dauerhaft stärken.
© GdP/Kay Herschelmann
GdP/Kay Herschelmann
„Die Polizei kann einschreiten, Gefahren abwehren und Straftaten aufklären. Sie kann aber nicht allein ausgleichen, was in Familien, Schulen und gesellschaftlichen Strukturen über Jahre versäumt wurde. Kinder brauchen Orientierung, Perspektiven und Grenzen. Wer wiederholt Gewalt ausübt, muss Konsequenzen erfahren. Wer Hilfe braucht, muss sie rechtzeitig bekommen. Beides gehört zusammen.“
Anita Kirsten, GdP Landesvorsitzende

Die GdP Brandenburg fordert deshalb eine Politik, die nicht nur über härtere Strafen diskutiert, sondern wirksam in Prävention, Bildung und gesellschaftlichen Zusammenhalt investiert.