22.09.2026
Ehrung von Winfried Hechtfischer
50 Jahre Gewerkschaft – und ein Berufsleben voller Geschichten
Eigentlich hätte Winfried Hechtfischers Laufbahn beim Bundesgrenzschutz (BGS) beinahe mit einer Absage geendet. Im Mai 1993 führte er sein Vorstellungsgespräch in Bayreuth. Danach hatte er ein „richtig gutes Gefühl“. Doch wenig später lag die Absage im Briefkasten.
Winfried ließ es nicht darauf beruhen. Er griff zum Telefon und rief in Schwandorf an. Dort zog der zuständige Sachbearbeiter seine Akte aus dem Bestand. Schnell stellte sich heraus: Die Absage war ein Versehen.
Auch der BGS hatte offenbar ein „richtig gutes Gefühl“.
Winfried sollte die Absage zurückschicken. Stattdessen erhielt er die Einstellungszusage. Ein Büroversehen hätte seine spätere Laufbahn beinahe verhindert.
Diese Geschichte erzählte Winfried bei der Mitgliederversammlung der GdP-Kreisgruppe Selb. Anlass war ein besonderes Jubiläum. Der scheidende Vorsitzende Daniel Meyer ehrte ihn für 50 Jahre Gewerkschaftszugehörigkeit. Er überreichte Winfried die Urkunde und einen Präsentkorb.
Vom Autoschlosser auf die Straße
Wer mit Winfried über seinen Berufsweg spricht, bekommt viele Geschichten zu hören. Der BGS war schließlich längst nicht seine erste berufliche Station.
Winfried lernte zunächst Autoschlosser. Danach arbeitete er als Schlosser bei der Textilgruppe Hof. Seine Arbeit führte ihn auch auf Montage. Eine dieser Fahrten brachte ihn nach Augsburg. Dort war die Wertachspinnerei nach einer Übernahme geschlossen worden. Winfried half beim Abbau der Maschinen.
Später arbeitete er wieder in seinem erlernten Beruf. Doch dann wurden im Betrieb Fahrer gebraucht. Winfried nutzte seine Chance und wechselte ans Steuer. Dafür brauchte er den Lkw-Führerschein. Allerdings war er noch keine 21 Jahre alt. Eine Sondergenehmigung musste her. Und damit auch eine besondere Untersuchung. An einen Teil davon erinnert er sich bis heute genau. „Ich musste einen Apfelbaum im Winter malen. Das weiß ich noch“, erzählte er lachend. Der Führerschein kam. Und Winfrieds Berufsweg führte ihn schließlich noch deutlich weiter.
Mit dem Lkw durch Europa
Nach einem Betriebswechsel arbeitete Winfried in den 1980er-Jahren im Fernverkehr. Für eine Spedition war er international unterwegs.
Gewerkschaftlich war er in dieser Zeit im ÖTV organisiert. Zuvor war er bereits 1976 der DGB-Gewerkschaft Textil-Bekleidung, kurz GTB, beigetreten.
Die Jahre bei der GTB, ÖTV und später bei der GdP ergeben gemeinsam sein Jubiläum. Insgesamt blickt Winfried heute auf 50 Jahre Gewerkschaftszugehörigkeit zurück.
Sechs Wochen Ausbildung – dann an die Grenze
Nach dem beinahe gescheiterten Einstieg begann im August 1993 ein neues Kapitel. Winfried startete beim damaligen Bundesgrenzschutz.
Sechs Wochen dauerte seine Ausbildung zur Grenzpolizeilichen Unterstützungskraft in Bayreuth. Anschließend versah er seinen Dienst zunächst in Rehau. Später wechselte er nach Hof. Dort blieb er bis zu seiner Berentung.
Im selben Jahr trat Winfried auch der Gewerkschaft der Polizei bei.
Seine Erinnerungen zeigen, wie vielfältig diese Jahre waren. Er unterstützte unter anderem den Rückführdienst in Weil am Rhein. Ein halbes Jahr verbrachte er beim Bundessprachenamt. Dort lernte er Tschechisch.
Vor allem die 1990er-Jahre sind ihm bis heute präsent.
Es gab, wie Winfried es beschreibt, „ganz viel Arbeit“. Erst mit der EU-Osterweiterung veränderte sich die Arbeit an der Grenze grundlegend.
Seine Bilanz fällt dennoch kurz und eindeutig aus:
„Es war eine schöne Zeit.“
Und dann war da noch München …
Eigentlich war das Gespräch über seinen Berufsweg bereits beendet. Doch Winfried fiel noch etwas ein.
„Ich war der erste GUK in der Wache in München!“, rief er lachend.
Gemeint war seine Zeit in der Sicherungswache des damaligen Grenzschutzpräsidiums. Was ihm in diesem Moment noch alles durch den Kopf ging, blieb offen.
Vielleicht ist genau das passend.
Denn nach einem langen Berufsleben bleiben nicht nur Dienstorte und Jahreszahlen. Es bleiben Begegnungen, Erlebnisse und Geschichten. Manche davon fallen einem erst ein, wenn das Gespräch eigentlich schon vorbei ist.
Heute ist Winfried verheiratet, Vater von zwei Kindern und vierfacher Großvater.
Die GdP Bundespolizei Bayern gratuliert Winfried Hechtfischer zu 50 Jahren Gewerkschaftszugehörigkeit. Wir danken ihm für seine langjährige Treue und Verbundenheit.
Denn Gewerkschaft lebt von Menschen, die über viele Jahre Teil dieser Gemeinschaft bleiben!
