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© Chalabala/stock.adobe.com
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14.06.2026

Die WÜHLMAUS - Befehl von oben:
Das kollektive Glücklichsein wird ab sofort beschleunigt!

Von der Kunst, Personalnot mit PowerPoint zu bekämpfen

Willkommen im betreuten Denken! Ich habe mich jüngst wieder unter den Fluren durchgegraben und hinter verschlossenen Türen Mäuschen gespielt – genauer gesagt in Güstrow, als die Chefetage zur visionären PowerPoint-Messe lud. Thema der Predigt: „Worauf konzentrieren wir uns in der nächsten Phase des Veränderungsprozesses und WIE sollten wir diese gestalten?“

Wer nun dachte, dass angesichts von chronischem Personalmangel und einer Belegschaft, die kollektiv auf dem Zahnfleisch kriecht, ein Hauch von Realismus einkehrt, hat die Spielregeln des modernen Behörden-Voodoo nicht verstanden. Warum auch über echte Probleme reden, wenn man phrasenüberladenes Veränderungsmanagement an die Wand klatschen kann? Als jemand, der genau zuhört, während andere sich hinter Worthülsen verstecken, übersetze ich den ganzen Zinnober mal in bitteren Klartext.

Und wer ist schuld, dass die schönen, bunten Theorie-Luftschlösser in der Praxis regelmäßig am Boden zerschellen? Richtig: Ihr! Die Polizeibeschäftigten. In einer rührend dreisten Täter-Opfer-Umkehr hat die Führungsebene das große Schwarze-Peter-Spiel eröffnet. Die Diagnose der Teppich-Etage lautet: Die Basis leidet an chronischer Meckerei! Ganz oben auf der behördlichen Mängelliste stehen Vergehen wie „dauerhaftes Infrage stellen“ und „zu viel hinterfragen bei kleinsten Widerständen“. Die große Management-Trainerin Vera F. Birkenbihl hätte an dieser Folie ihre helle Freude gehabt. Von ihr stammt der kluge Satz: „Wir erhalten immer genau das, was wir erwarten.“ Und genau da liegt der psychologische Hund begraben! Wenn die Chefetage schon mit der festen Erwartungshaltung in eine Reform geht, dass die Basis ohnehin nur blockiert, träge ist und „kleinste Widerstände“ leistet, dann schaut sie auch durch genau diese Brille. Jede berechtigte, fachliche Kritik wird dann sofort als Arbeitsverweigerung uminterpretiert. Glückwunsch zur selbsterfüllenden Prophezeiung! Ihr erwartet Inkompetenz und Trägheit? Dann wundert euch nicht, wenn die Begeisterung der Kolleginnen und Kollegen überschaubar bleibt.

Dabei ist das Hinterfragen von Reformen kein „Widerstand“, sondern pure Notwehr und die Fachkompetenz derer, die den Laden trotz Eurer Planungen am Laufen halten! Aber fundierte Kritik als „kleinsten Widerstand“ abzutun, ist natürlich viel bequemer – es schont das führungseigene Ego und vertuscht die eigene Konzeptlosigkeit.

Besonders rührend ist auch der Vorwurf des „fehlenden Vertrauens“ und des „mangelnden Mittragens von Entscheidungen“. Merke auch hier frei nach Birkenbihl: Wer kein Vertrauen sät, weil er von vornherein das Schlimmste von seinen Mitarbeitern erwartet, wird auch kein Vertrauen ernten. Vertrauen ist keine Einbahnstraße, die man per Dienstanweisung oder Erlass von oben herab verordnen kann. Wenn die Basis Eure geheimnisvollen Pläne nicht enthusiastisch mit fliegenden Fahnen mitträgt, liegt das daran, dass am grünen Tisch gewürfelt wurde und die Praxis mal wieder die Zeche zahlen darf. Wer die reine Überlebensstrategie und den berechtigten Selbstschutz vor dem nächsten unausgegorenen Reform-Schnellschuss als „Trägheit“ beschimpft, hat den Kontakt zur Realität auf den Dienststellen komplett verloren.

Aber keine Sorge, die schöne neue Welt der Führung steht schon in den Startlöchern. Man muss nur das Bürokratendeutsch übersetzen – und das ist bekanntlich meine Spezialität. Wenn vom „Verhältnis mD/gD und Stellenbewertungen“ schwadroniert wird, dürft ihr euch schon mal warm anziehen. Das heißt im Klartext: Wir stufen Dienstposten im Rahmen von „Strukturreformen“ herunter, um kräftig Kasse zu machen! Höhere Belastung bei schmalerem Portemonnaie verkauft sich schließlich super auf dem nächsten politischen Parkett.

Und dann das Lieblingsunwort aller Sparkommissare: „Aufgabenkritik“. Ein wunderbarer Euphemismus! In der Realität bedeutete das noch nie, dass Arbeit wegfällt. Es bedeutet schlicht, dass dieselbe Arbeit im Eiltempo verdichtet und auf noch weniger Schultern verteilt wird. Damit das alles auch klappt, fordert die Führung jetzt „schnelle Umsetzungsprozesse mit Geschwindigkeit“. Bei diesem Tempo-Rausch schlagen bei mir alle Alarmglocken. „Geschwindigkeit“ ist im modernen Management-Sprech nämlich das Codewort für: „Wie umgehen wir die lästige gesetzliche Mitbestimmung der Personalräte im Eiltempo?“ Gründlichkeit und Rechtssicherheit? Ach, Details! Lieber im Schnellschussverfahren direkt ins Chaos steuern, Hauptsache die Timeline im Projektbericht glänzt.

Dieses starre Denken von oben nach unten zeigt, wie man ganz oben tickt: Die Basis ist kein Partner, sondern ein lästiger Störfaktor, den man irgendwie „mitnehmen“ oder „überzeugen“ muss. Und während man die Peitsche schwingt, jammert man gleichzeitig beleidigt, dass die „positiven Ergebnisse nicht verkauft werden“. Man bekommt eben exakt das, was man erwartet – in diesem Fall ein hausgemachtes Kommunikationsdesaster.

Ich verzichte auf den Applaus und sage im Namen all derer, für die ich meine Runden drehe: Hört auf mit dem Veränderungsdruck um jeden Preis und der Jagd nach Schein-Erfolgen! Wir brauchen keine bunten Folien, sondern den Schutz der Gesundheit, die Einhaltung unserer Mitbestimmungsrechte und eine echte, spürbare Verbesserung der Arbeitsbedingungen. Alles andere ist Zeitverschwendung.

Ich grabe nicht nach Problemen – ich finde sie einfach. Und ich bleibe dran.

Eure Wühlmaus