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14.09.2026

Zusammenhalt – Was uns verbindet

Ein Kommentar der Landesvorsitzenden Kristin Frosch über Gefahrengemeinschaft, ehrliche Kommunikation und gelebten Respekt in Zeiten des Umbruchs

Polizei funktioniert. Jeden Tag. Auch dann, wenn die Bedingungen schwierig sind, Personal fehlt, Entscheidungen nicht nachvollziehbar erscheinen oder die Belastung hoch ist. Das liegt vor allem an den Menschen, die Verantwortung übernehmen und füreinander einstehen.

Polizei ist eben nicht irgendein Beruf. Für Beamtinnen und Beamte ist sie auch ein besonderes Dienst- und Treueverhältnis. Für uns alle ist sie eine Aufgabe, die viel verlangt und häufig weit über den eigentlichen Dienst hinausreicht. Wir sprechen nicht ohne Grund von einer Gefahrengemeinschaft. Wenn es darauf ankommt, müssen wir uns aufeinander verlassen können.

Aber hinter Uniformen, Funktionen und Dienstposten stehen Menschen.

Menschen, die manchmal eine Pause brauchen. Menschen, die persönliche Hürden überwinden müssen. Menschen, die Entscheidungen verarbeiten müssen, die sie unmittelbar betreffen, an denen sie aber nicht beteiligt waren. Und Menschen, die nicht immer derselben Meinung sind.

Gerade deshalb brauchen wir einen Umgang miteinander, der von Ernstnehmen, Zuhören, Unterstützung und Anerkennung geprägt ist. Einen Umgang, in dem offene und ehrliche Kommunikation nicht als Schwäche verstanden wird und Kritik nicht automatisch als Angriff.

Wir erfüllen gemeinsam Aufgaben und verfolgen gemeinsame Ziele. Gleichzeitig hat jeder von uns eigene Erwartungen, Erfahrungen und Vorstellungen. Daraus entstehen zwangsläufig Konflikte, in uns selbst, zwischen Kolleginnen und Kollegen und zwischen Hierarchieebenen. Entscheidend ist nicht, ob es diese Konflikte gibt. Entscheidend ist, wie wir mit ihnen umgehen.

Ein fairer Umgang bedeutet für mich, unterschiedliche Perspektiven auszuhalten, zuzuhören und gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Lösungen, die weiterhelfen, statt Menschen vor den Kopf zu stoßen.

Meine Zeit in der Verhandlungsgruppe und im Konfliktmanagement hat mich mit einem menschenzentrierten Ansatz geprägt. Menschen wollen verstanden und ernst genommen werden. Diesen Anspruch sollten wir nicht nur an Führung stellen. Er gilt für uns alle, auch innerhalb unserer Gewerkschaft.

Unsere Kolleginnen und Kollegen erleben hohe Belastung, fehlendes Personal und Entscheidungen, die sie unmittelbar betreffen. Sie machen sich Gedanken über ihre berufliche Zukunft, ihre Besoldung und Versorgung und darüber, wie sich unsere Polizei entwickelt. Daraus entstehen Sorgen, Unzufriedenheit und manchmal auch Wut. Das müssen wir ernst nehmen. Zuhören heißt dabei nicht, jede Auffassung zu teilen, sondern verstehen zu wollen, was Menschen bewegt.

Unsere GdP lebt davon, dass Menschen unterschiedliche Erfahrungen, Biografien, Sichtweisen und Überzeugungen mitbringen. Das ist unsere Stärke. Dazu gehört Widerspruch - sachlich, offen und durchaus deutlich. Kritik muss möglich sein. Die Grenze ist dort erreicht, wo aus der Auseinandersetzung mit einer Position ein persönlicher Angriff oder eine Herabwürdigung wird.

Als GdP sind wir parteipolitisch unabhängig, aber nicht wertneutral. Wir ergreifen Partei für unsere Mitglieder und stehen für die Werte unseres demokratischen Rechtsstaates und unserer gewerkschaftlichen Gemeinschaft ein. Das Grundgesetz bildet den verbindlichen Rahmen unseres Handelns.

Darin sehe ich unseren gewerkschaftlichen Auftrag. Rückhalt zu geben und Kompass zu sein. Unsere Mitglieder dürfen erwarten, dass wir zuhören, ihre Interessen vertreten und uns vor sie stellen, wenn sie Unterstützung brauchen. Gleichzeitig müssen wir Haltung zeigen, wenn unsere gemeinsamen Werte berührt sind.

Eine starke GdP muss die Themen anpacken, die unsere Kolleginnen und Kollegen unmittelbar betreffen, von Personal, Besoldung und Versorgung über Arbeitsbedingungen bis zu Ausstattung und Digitalisierung. Sie muss Schutzschild sein, wenn Menschen Schutz brauchen, und Impulsgeberin, wenn Veränderungen notwendig sind. Das gilt auch für diejenigen, die ehrenamtlich Verantwortung für unsere gemeinsamen Interessen übernehmen.

In dieser Woche werden die Wählerinnen und Wähler mit ihren Stimmen bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern entscheiden, welche politischen Kräfteverhältnisse sich sortieren, ob Mehrheiten gefunden werden und Vorhaben für die kommenden Jahre vereinbart werden können. Nutzt eure Stimmen, nutzt euer Wahlrecht.

Für uns als GdP ändert sich unser Auftrag nicht. Wir werden die Interessen unserer Mitglieder selbstbewusst vertreten, unterstützen, was unsere Polizei und die Menschen in ihr stärkt, widersprechen, wenn wir Entscheidungen für falsch halten, und unsere fachliche Erfahrung einbringen.

Gerade in Zeiten politischer Veränderungen dürfen wir unseren Zusammenhalt nicht verlieren.

Wahlen machen Unterschiede sichtbar. Auch innerhalb unserer Kollegenschaft und unserer Gewerkschaft haben Menschen unterschiedlich gewählt und werden politische Entwicklungen unterschiedlich bewerten. Das gehört zu einer pluralistischen Demokratie. Unsere Aufgabe ist es nicht, diese Unterschiede aufzulösen, sondern trotz dieser Unterschiede zusammenzuhalten.

Denn wenn wir im Einsatz nebeneinanderstehen, wenn eine Kollegin Unterstützung braucht, ein Kollege an seine Belastungsgrenze kommt oder wir gemeinsam für bessere Arbeitsbedingungen kämpfen, ist entscheidend, dass wir füreinander einstehen und die gemeinsamen Werte unseres demokratischen Rechtsstaates die Grundlage unseres Handelns bleiben.

Das gilt auch für unsere GdP. Wir dürfen klare Positionen vertreten, ohne Menschen vorschnell einzuordnen. Wir dürfen streiten, ohne den Respekt voreinander zu verlieren. Und wir müssen zuhören können, auch wenn uns die Antwort nicht gefällt.

Die Herausforderungen für unsere Polizei sind groß genug. Wir werden für unsere Interessen streiten müssen, mit der Politik, mit Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern und manchmal auch miteinander.

Dabei sollten wir niemals vergessen, was uns verbindet.

Zusammenhalt bedeutet nicht, dass wir alle dasselbe denken. Zusammenhalt zeigt sich darin, dass wir füreinander einstehen, auch wenn wir unterschiedlich denken.

Das ist die Kultur, die ich mir für unsere Polizei wünsche. Und das ist die GdP, für die ich stehe.

Eure Kristin Frosch

© Frank Söllner - Ostseezeitung
Frank Söllner - Ostseezeitung