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Dürener Nachrichten vom 01.10.2016, Lokalteil Düren, Seite 15

Polizeibeamte am Rande der Belastbarkeit

Hohe Fehlzeiten, Überstunden und gestiegene Arbeitsanforderungen: Gewerkschafter sehen für Düren Handlungsbedarf

Düren.

Gerd Königs und Peter Hertlein sind beide gerne Polizisten. Sie würden sich beide auch heute wieder für diesen Job entscheiden - obwohl die Anforderungen ständig steigen und das Thema Sicherheit nicht nur im Moment die Menschen bewegt. Ist die Polizei im Kreis Düren diesen Anforderungen gewachsen? Ist sie vor allem personell in der Lage, ihnen gerecht zu werden?

Das die Personalressourcen der Polizei in Düren knapp ausfallen, ist keine neue Erkenntnis, das gesteht auch Polizeidirektor Jürgen Möller regelmäßig spätestens bei der Vorstellung der Kriminalitätsstatistik für ein Jahr ein. Königs und Hertlein formulieren das deutlicher. Beide engagieren sich in der Gewerkschaft der Polizei, Königs ist Vorsitzender der Kreisgruppe Düren, Hertlein gehört dem Vorstand an. Sie sagen, dass zusätzliche Aufgaben auch zusätzliches Personal erfordere und die rund 400 Kollegen an der Grenze der Belastbarkeit arbeiten würden. Offizielle Zahlen der Landesregierung für Düren könnten dies belegen: Lag die Zielsollstärke der Polizeibeamten 2007 noch bie 423 Beamten, wurde sie bis 2016 auf 405 Beamte heruntergefahren. Und das bei einem steigenden Altersdurchschnitt. Lag der 2005 noch bei 42,5 Jahren, betrug er 2013 schon 46, 3 Jahre. All das bei zusätzlichen Aufgaben. GdP-Kreisgruppenvorsitzender Gerd Königs: "Die Kollegen fahren heute viel mehr Einsätze. Wir müssen uns um Themen wie Internetkriminalität kümmern, haben im Handy-Zeitalter viel mehr Anrufe, die abgearbeitet werden müssen, müssen die Rockerszene in der Region beobachten, die Auseinandersetzungen um den Tagebau Hambach begleiten - all dass neben unseren sonstigen Aufgaben."

Damit man die beiden Gewerkschafter nicht falsch versteht: Sie bescheinigen der Polizei Düren eine gute Arbeit. Es funktioniere aber nur deshalb so gut, weil die Kollegen sehr engagiert zur Arbeit gehen würden und dabei viele Überstunden anhäufen. Oder trotz Krankheit zum Dienst kommen. Auch wenn es keine aktuellen Zahlen gibt, lag der Krankenstand mit 9,6 Prozent in 2012 (auch diese Zahl stammt aus einer Anfrage an die Landesregierung) vergleichsweise hoch. Königs: "Natürlich haben wir Fälle von Burn-out bei Kollegen." Mit dem gestiegenen Altersdurchschnitt und den erhöhten Anforderungen dürfte das nicht besser werden.

Peter Hertlein ist 1975 zur Behörde gekommen, hat viele Jahre in Jülich gearbeitet, ist jetzt in Düren tätig. Er erkennt viele Verbesserungen, die es in der Zwischenzeit gegeben hat. "Bei Technik und Infrastruktur sind wir deutlich besser geworden. Auch die Qualität der Vorgangsbearbeitung hat sich deutlich erhöht", sagt Hertlein. Er sieht aber auch klare Mankos: "Wir haben heute genauso viele Streifenwagenbesatzungen wie 1975", stellt er fest, das könne den gestiegenen Anforderungen nicht gerecht werden, glaubt der Gewerkschafter: "Wir hatten früher in Jülich zwei bis drei Einsätze in der Nacht. Heute ist es ein Vielfaches."

Gerd Königs: "Die Polizei ist 24 Stunden rund um die Uhr für die Bürger da. Auch dann, wenn andere Behörden nicht mehr erreicht werden können. Deswegen müssen wir Vieles übernehmen, wofür wir eigentlich gar nicht zuständig sind" - beispielsweise für Ordnungsämter. Arbeitszeit eingespart werden könne also eigentlich nur in der präventiven Arbeit, die wiederum halten Königs und Hertlein für ausgesprochen wichtig, egal ob es darum geht, wie man sich vor Einbrüchen schützt, ob es um die Verkehrserziehung für Kinder, oder spezielle Angebote für Senioren oder Jugendliche geht. Königs: "Es wäre am falschen Ende gespart, diese Angebote zu reduzieren".

Was die jetzt schon prekäre Situation in den kommenden Monaten weiter verschärfen wird, ist eine geplante Änderung der Arbeitszeit. Hertlein: "Wir bekommen eine neue Arbeitszeitverordung, weil unser Schichtdienst gegen europäisches Recht verstößt. Das trifft alle Kreispolizeibehörden. Mit dem neuen Schichtsystem benötigen wir mehr Personal, was an anderer Stelle wieder eingespart werden muss." Fragt man den Gewerkschafter Hertlein, würde er sich nur für die Dürener Kreispolizeibehörde 50 neue Stellen wünschen.

"Ich weiß, das ist eine hehre Forderung, aber es wäre notwendig", sagt er. Die von der NRW-Regierung geplante Aufstockung der Polizeikräfte begrüßen die Gewerkschafter, sie dürften sich aber kaum auf die Polizeibehörden auswirken. Da würden zunächst die Hundertschaften oder mobilen Einsatzkommandos gestärkt. Dass der Job aber weiter auch für junge Menschen attraktiv sei, davon ist Hertlein und Königs überzeugt. "Das spiegeln auch die Bewerberzahlen wider", sagt Königs, der sich aber in einem ganz anderen Punkt mehr Rückhalt aus der Politik und Gesellschaft wünschen würde: "Ich weiß, dass sich Bewerber heute auch mit der Frage der zunehmenden Gewalt gegen Einsatzkräfte beschäftigen. Ich verstehe nicht, warum sich der Gesetzgeber hier so schwer tut, uns besser zu schützen", sagt Königs, der ohne gesetzliche Regelungen nicht an eine Besserung glaubt: "Wir ändern die Gesellschaft nicht, wir tragen allenfalls zur Schadenbegrenzung bei."

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