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Gefahr durch zu wenige Ressourcen

DGB-Index : Gute Arbeit: Beschäftigte unter Dauerstrom

Artikel aus "einblick" 6/2012 vom 2.April (DGB Zeitung)

Regierungsbezirk Münster.

Permanenter Stress und Hetze in der Arbeitswelt avancieren zum Gesundheitsrisiko Nummer eins. Eine Repräsentativumfrage des DGB-Index Gute Arbeit belegt: Große Teile der Beschäftigten leiden stark unter den aktuellen Arbeitsbedingungen. DGB und Gewerkschaften machen Druck: im Betrieb und auf politischer Ebene. Die Krankenkassen warnen: Burnout ist in der Arbeitswelt auf dem Vormarsch. Seit 1994 sind die Fehlzeiten in den Betrieben aufgrund psychischer Leiden um 80 Prozent gestiegen. DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach kritisiert: „Der Arbeitsplatz gilt als Stressfaktor Nummer eins.“ Die Sonderauswertung des DGB-Index Gute Arbeit beleuchtet, wie die Beschäftigten ihre Situation im Betrieb wahrnehmen. 52 Prozent müssen sehr häufig oder oft gehetzt arbeiten. 63 Prozent geben an, dass sie seit Jahren immer mehr Arbeit in der gleichen Zeit verrichten müssen.

Gefahr durch zu wenige Ressourcen

Der DGB warnt: Bei rund 40 Prozent der Frauen und 30 Prozent der Männer, die als vermindert erwerbsfähig anerkannt sind, ist eine psychische Erkrankung der Grund für Erwerbsminderung. Fast 20 Prozent der Rentenzugänge erfolgen inzwischen über Erwerbsminderungsrente. Aber auch in den Betrieben werden die Folgen sichtbar. Edeltraud Glänzer, Mitglied im geschäftsführenden Hauptvorstand der IG BCE, erklärt, wie sich die erfolgsorientierte Leistungspolitik auf die Arbeitsbedingungen auswirkt. „Die Erfolge von gestern sind der Ausgangspunkt für die Steigerungsraten von morgen.“ Solche Systeme könnten schnell zu psychischen Fehlbelastungen führen, wenn die Beschäftigten über zu wenige Ressourcen verfügten, so Glänzer. Ein zu geringer Zeitpuffer, fehlende Unterstützung durch Kollegen und Führungskräfte sowie nicht ausreichende Weiterbildung tragen dazu bei.

                        

                   BV Vorsitzender Lorenz Rojahn mit DGB Vize Inge Sehbrock

Psyche

Stress und Arbeitshetze sind besonders im Gastgewerbe, den Berufen im Sozial- und Gesundheitswesen sowie auf dem Bau verbreitet.

Frauen leiden stärker unter Zeitdruck

Wie die anderen Gewerkschaften unterstützt die IG BCE Betriebsräte und Beschäftigte mit zahlreichen Initiativen zum Thema Gute Arbeit. Zum Beispiel mit der Kampagne „Gesunder Mensch im gesunden Unternehmen“, die geschlechterspezifische Unterschiede bei krankmachenden Faktoren für Frauen und Männer analysiert und Lösungswege aufweist. Denn, auch das zeigt der DGB-Index Gute Arbeit, Frauen sind der Arbeitshetze und dem Zeitdruck stärker ausgesetzt. So fühlen sich 58 Prozent aller Vollzeit arbeitenden Frauen sehr häufig oder oft gehetzt – bei den Männern sind es 51 Prozent. Ein Grund: Frauen sind weiterhin hauptsächlich für Haushalt und Kinder zuständig. Glänzer fordert deshalb die Vereinbarkeit von Familie und Beruf noch stärker zu fördern und den Ausbau der Kindertagesstätten voranzutreiben.

                                       

                                  Pressesprecher GdP Bezirk Steven Fischer

                                         mit DGB Chef Michael Sommer

Schutzlücke schließen

Hans-Jürgen Urban, geschäftsführendes Mitglied im IG Metall-Vorstand, kritisiert, dass der in der Krise bereits sehr hohe Druck auf die Beschäftigten im Aufschwung zugenommen hat. Der DGB-Bericht belegt: 65 Prozent der Beschäftigten im Maschinen- und Fahrzeugbau müssen in der gleichen Zeit immer mehr schaffen. Dagegen geht die IG Metall vor. Zum Beispiel mit Hilfe des „Anti-Stress-Pakets“, mit dem Betriebsräte Risiken auf psychische Belastungen am Arbeitsplatz erfassen und präventive Maßnahmen einleiten können. Urban kündigt zudem an, die Kooperation mit der Wissenschaft zu forcieren. Und: Auf politischer Ebene soll die bestehende Schutzlücke bei psychischen Gefährdungen – bisher gibt es keine gesetzlichen Regeln – geschlossen werden. 

 

                  

 

Konditionstraining nicht nötig

Außerdem unterstreicht Urban, wie wichtig der Kampf gegen prekäre Beschäftigung als eine originäre Quelle für psycho-soziale Belastungen ist. Deshalb mache sich die IG Metall in der aktuellen Tarifrunde für mehr Mitbestimmung durch die Betriebsräte beim Einsatz von Leiharbeiter Innen stark. Scharf kritisieren die Gewerkschaften Arbeitgeber, die die Beschäftigten auf mehr Stress-Resistenz trimmen wollen. Buntenbach macht deutlich: „Wir brauchen kein Konditionstraining für die Beschäftigten, sondern Arbeitsbedingungen, die weniger Stress produzieren.“

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