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Polizeischule vor Schließung

Berlin.

Ausbildungsstopp bedeutet Aus für Lehranstalt in Ruhleben - Gewerkschaft fürchtet um Sicherheit in Berlin

Peter Köke, GdP-Bezirksgruppenvorsitzender: Eine funktionierende Polizeischule kann man nicht aus dem Ärmel schütteln. Die LPS wird nie wieder so gut sein wie heute

Es sind die Bilder, von denen Kinder träumen: Verwaiste Klassenräume, verstaubte Lehrertische, leere Tafeln. Im Fall der Berliner Polizeischule machen sie Angst. Denn Sparmaßnahmen und der Ausbildungsstopp bis 2008 sorgen für eine jahrelange Schließung der Landespolizeischule (LPS) in Ruhleben. Ein Gebäude wurde bereits geräumt, zwei weitere werden folgen. Lehrer und die Gewerkschaft der Polizei (GdP) fürchten wegen des zu erwartenden Qualitätsverlusts der Ausbildung nach Wiederaufnahme des Schulbetriebs um die Sicherheit der Stadt.

"Zu Beginn des kommenden Jahres wird der für die Ausbildung des mittleren Polizeivollzugsdienstes zuständige Teil der Schule leer stehen. Er war für die Beschulung des Streifen- und Schutzdienstes in geschlossenen Einheiten verantwortlich. Das ist genau der Zweig, der unter anderem bei Demonstrationen und Krawallen wie dem 1. Mai eingesetzt wird. Das ist unverantwortlich", macht ein Lehrer seinem Ärger Luft. "Ein Jahr später wird der Schulteil dichtgemacht, in dem der gehobene Dienst der Schutz- und Kriminalpolizei unterrichtet wird." Bis zu Beginn der Sparmaßnahmen vollzog sich die Ausbildung an der LPS in drei Lehrgruppen, in denen - verteilt auf drei Häuser in Ruhleben - etwa 120 Polizeibeamte rund 1200 Polizeischüler betreuten.

Von den Schließungen 2005 und 2006 werden insgesamt 60 Lehrer betroffen sein, sie werden auf das gesamte Stadtgebiet verteilt. Einige sollen ältere Polizeibeamte fortbilden, andere werden völlig neue Aufgaben übernehmen. "Die guten Lehrer der Schule sind anpassungsfähig und werden sich in ihren neuen Diensteinheiten schnell etablieren. Da die Arbeit an der LPS weder finanziell noch bei Beförderungen Vorteile bietet, werden viele nicht zurückkehren wollen, wenn der Ausbildungsstopp aufgehoben wird", erläutert Peter Köke. Er ist bei der GdP für die Polizeischule zuständig.

Doch auch jene, die nach ihrer "Auszeit" wieder unterrichten wollen, sehen einen Qualitätsverlust des Unterrichts als unvermeidbar an. "Kein Polizeibeamter wurde zum Lehrer ausgebildet. Dieses Personal hat sich sein Know-how im praktischem Ungang mit den Schülern über Jahre hinweg aneignen müssen, und diese Experten werden jetzt in alle Winde verstreut. Es gibt in Berlin kein Lehrbuch, an Hand dessen Ausbilder vorgehen, sondern ein Rahmenplan umreißt den zu vermittelnden Stoff. Viele Lehrer haben sich selbst ein Unterrichtskonzept und die Materialen erarbeitet, all dies wird nun zerstört", so ein Lehrer. Zudem habe die Auflösung der Schule einen psychologischen Aspekt. Viele Lehrer hätten sich durch ihr Engagement Ausgangspositionen für Beförderungen erkämpft, die nun hinfällig seien.

Köke sieht für die Wiederaufnahme der LPS ebenfalls Probleme: "Wenn der Innensenator das Ende des Ausbildungsstopps verkündet, müssen erst einmal für den Polizeijob in Frage kommende Bewerber gefunden werden, die auch allen psychologischen Ansprüchen gerecht werden." Das könne sechs Monate dauern. Eine funktionierende Polizeischule sei nicht aus dem Ärmel zu schütteln. "Die LPS wird nie wieder so gut sein wie heute", warnt Peter Köke eindringlich. "Ich rechne zudem mit Zurückhaltung bei Bewerbern um Lehrerstellen, weil sie fürchten müssen, Opfer der nächsten Sparmaßnahme zu werden."

Aus der Berliner Morgenpost vom 14. April 2004. Verfasser: Michael Behrendt