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SOZIALARBEIT / PRÄVENTION - GdP-Interview mit Fadi Saad

 
 

Interview mit Fadi Saad: "vom Gang-Mitglied zum Streetworker "

Fadi Saad


DEUTSCHE POLIZEI sprach mit einem, der Brücken geschlagen hat in Berlin zwischen Großstadt-Jugendlichen und der Polizei, der selbst einst Gang-Mitglied war und heute jugendliche Migranten mit Projekten zu neuen Erfolgen führt. Verheiratet mit einer Deutschen, lebt er mitten und vermittelnd zwischen verschiedenen Kulturen und Religionen. Das Interview führte Landesredakteur Uwe Robra.

DP: Fadi, Du bist in Berlin geboren und von der elterlichen Abstammung Palästinenser. Deine Kindes- und Jugendzeit in Berlin war trotz guter Schulleistungen geprägt durch Gewalttätigkeit und Gangleben. Was waren die Gründe für diese Entwicklung?

Fadi: Einerseits habe ich die Leute kennengelernt, die im Jugendzentrum abhängen. Ich fand es Klasse, auf Gleichgesinnte zu stoßen, also auf arabische Jugendliche, also die aus arabischen Ländern kommen und nicht hier geboren sind und viel zu erzählen hatten. Und andererseits habe ich dort eine Wertschätzung kennengelernt, die ich andererseits nicht kannte - Anerkennung und Wertschätzung und ohne diese ganzen Fragen: „Wo kommst Du her?“ „Was bist Du?“ und so auf Gleichgesinnte.

DP: Ein gegenseitiger Respekt?

Fadi: Ja, so, wie man eben ist.

DP: Wie kam es zu einem Wandel und Umdenken in Deinem Werdegang?

Fadi: Na ja, das ist der Nachteil: Wenn Du eine Gang kennenlernst, kannst Du nicht nur als Mitglied dabei sein, man muss auch letztendlich beitreten. Dazu gehörte eine Mutprobe, die ganz einfach war: zwei Minuten lang mit drei Gangmitgliedern einen Kampf zu überstehen. Und dann gehörte ich dazu. Am Anfang war ich auch nicht einverstanden mit dem, was gemacht worden ist, also Abzuziehen und und einfach so zu prügeln. Aber ich würde heute sagen, mein Selbstbewusstsein war nicht stark genug, um mal Nein zu sagen.

DP: Du bist heute – mit 31 Jahren – in der Jugendberatung für Schulen und eine Art Streetworker und Mitarbeiter im Quartiersmanagement von Berlin-Moabit-Ost. In zahlreichen Veranstaltungen und TV-Sendungen konnten Deine Schilderungen gehört werden. Sogar eine Anhörung bei der Bundeskanzlerin und dem ehemaligen französischen Präsident Jacques Chirac gab anlässlich der Pariser Unruhen. Haben Dich die eigenen Erfahrungen und der eigene Antrieb oder äußere Einflüsse zu dieser Aufgabe gebracht?

Fadi: Nein, ich bin durch Zufall in den sozialen Bereich geraten. Ich bin gelernter Bürokaufmann. Und durch ein Praktikum im sozialen Brennpunkt bin ich dann in die Kinder- und Jugendarbeit. Und die Erfahrungen, die ich selber gemacht habe, ließen mich meine Arbeit auch gut machen, weil ich weiß, worauf es ankommt. Ich erkenne die Probleme. Ich erkenne Zeichen, die man nur erkennt, wenn man damit zu tun hat oder es selber mitgemacht hat.

DP: Wie schätzt Du aus Deinen heutigen Erfahrungen den Einfluss von Gangs und deren Verhaltenskodex auf den Einzelnen und sein Verhalten ein?

Fadi: Also einerseits Gott sei Dank, gibt's nicht mehr die Gangs, so wie es sie mal gab, in der Form. Also es sind noch Cliquen oder ich würde heute sagen Banden. Und den Kodex gibt es immer noch. So ähnlich wie die Rockerbanden, die sind auch 'gut' vertreten hier in Berlin. Und man merkt, dass viele Einfluss auf die Jugendlichen haben, dass viele Jugendliche sagen: 'Bora, wenn ich einer von denen bin, dann greift mich keiner an.' Also, man sucht auch Schutz bei diesen Gangs. Hört sich jetzt doof an, aber das ist auch mit ein Antrieb, dass die Jugendlichen da mitmachen wollen. Es ist oft das Ansehen.

DP: Welche Vorbilder gelten bei den jugendlichen Migranten mit türkischen oder arabischen Wurzeln?

Fadi: In erster Linie sind es Sportler, sprich Fußballer oder Boxer. Und weitere Vorbilder: Politiker, und zwar bei den türkischen der Präsident von denen. Wenn der in den Medien in irgend einer Aktion etwas gesagt hat, was sie hier begeistert, dann schwärmen alle von dem.

DP: Welche Rolle spielt die Religiosität?

Fadi: Religion ist eines der höchsten Gebote bei den Jugendlichen. Aber es ist jetzt – gerade nach Pfeiffers (Prof. Dr. Christian Pfeiffer, Direktor des KFN e.V.; Red.) Studie – nicht so, dass, je religiöser die Jugendlichen sind, sie auch gewalttätiger sind, sondern sie finden eher die Ruhe und den Frieden in ihrer Religion. Um auch ein Beispiel zu machen: Wenn Jugendliche im Knast sitzen, ist das erste was sie schreiben und machen, dass sie einen Koran in die Zelle sich bringen lassen und jetzt nur noch beten und gut sein wollen.

DP: Kannst Du also einen Unterschied feststellen zwischen Auswirkungen in der Praxis, dass der Islam als Frieden stiftende Religion wirkt und andererseits einem gewaltbereiten Verhalten bei extremistisch-islamistischen Tendenzen, die es parallel dazu gibt?

Fadi: Genau. Man muss aber unterscheiden! Das gibt es in jeder Religion. Wenn man Jugendliche nimmt, die zur Konfirmation gehen, die in einem wirklich christlichen Elternhaus aufwachsen, oder die in einem islamischen Elternhaus aufwachsen, dann sind die ganz anders, als wenn man – ich nenne sie mal so was wie Sekten - also Extremen angehört. Selbst nach dem Islam ist es sogar verboten, die Religion zu übertreiben: Man darf nicht die Übertreibung machen und dieses Extreme. Und deswegen versteh ich das auch nicht, wenn ich das im Fernsehen sehe. Der Islam ist genau was er sagt: Es beruht alles auf Freiwilligkeit. Die ganzen Zwangsgeschichten sind streng verboten.

Was mich ärgert, ist, dass im Fernsehen oder in der Berichterstattung nie getrennt wird zwischen sunnitischen, schiitischen oder alevitischen Muslimen. Also genau, wie es in der Kirche unterschieden ist: evangelische und katholische Kirche.

Es gibt himmelweite Unterschiede, aber da wird selten getrennt.

DP: Welche Auswirkung hat nach Deiner Beobachtung erkennbar das Verhaltensmuster einer Machokultur auf den Einzelnen und welche Bedeutung hat diese bei Jugendlichen?

Fadi: Das erwartet die Gesellschaft von uns. Der Druck, der auf einem lastet, ist nicht zu unterschätzen. Das merke ich auch teilweise, wenn ich mit meinen Kindern rede: Ihr müsst lieb sein, Ihr müsst gut in der Schule sein, ihr müsst, ihr müsst ihr müsst! Und dann kommt natürlich die Rolle noch, mit der ich auch aufgewachsen bin: Ihr müsst arbeiten gehen, Geld nach Hause bringen, die Eltern unterstützen, und und und.

Das ist ein Druck, der auf einem lastet.

Und wer am lautesten auf der Straße schreit oder die größten Muskeln hat, der hat das Sagen. Das ist ein Machtkampf, wo es eigentlich darum geht: 'Wer hat das sagen?'

DP: Durch welche Aktivitäten wirkst du in Deiner heutigen Position im Quartiersmanagement auf Gewaltfreiheit und eine Befriedung hin?

Fadi: Erstmal, indem ich es selber vorlebe. Daraus lernen die Kinder wirklich am meisten. Dann, indem ich denen eine Stimme gebe und zeige, dass man auch Anerkennung und Wertschätzung genießen kann, ohne dass man Blödsinn macht. Und dann versuche ich, die Kulturen zueinander zu bringen. Das ist einer meiner Schwerpunkte, dass ich Generationen übergreifend und Kultur übergreifend Projekte ins Leben rufe.

DP: Welche Bedeutung hat nach Deiner Vorstellung und Erfahrung Toleranz gegenüber jeweils anderen Religionen und Kulturkreisen? Lassen sich Toleranz und Respekt gegenüber anderen erfolgreich vermitteln, wenn bereits Gewalt und Machoverhalten den Alltag prägen?

Fadi: Ganz wichtig ist, dass man in der Diskussion unterscheidet zwischen, Kultur, Religion und Tradition.

Es heißt ja im Islam 'Ungläubige', es gibt ja diesen Begriff. Das verwechseln ganz viele, was das bedeutet: Dass jemand, der Christ ist, nicht ungläubig ist. Und dass Toleranz das ist, was vom Koran erwartet wird: andere Religionen zu tolerieren und zu akzeptieren.

DP: Macht nach Deiner Meinung der Staat das Richtige im Umgang der Religionen und bei der Reaktion auf Jugendgewalt? Oder muss er noch etwas anderes tun?

Fadi: Die größte Rolle hat nicht der Staat, sondern die Medien. Sie haben einfach den größten Einfluss. Man hört alles und sieht alles über die Medien. Da erfahren wir das meiste voneinander und übereinander. Was kann der Einzelne machen? Der Staat kann z. B. machen, dass weniger getrennt wird zwischen Deutsch und Nichtdeutsch, das ist in der Richtung Projekte oder Maßnahmen. Das sind die Hauptgründe. Und dann diese Angst, die geschürt wird, aktuell von den Muslimen, ist einfach fatal. Man kommt in eine 'Ich muss mich verteidigen'-Position.

DP: Was machst Du in Deiner Aufgabe genau, wie bekommt man ein offenes Ohr, um Projekte erfolgreich zu machen?

Fadi: Vor Ort. Ich komme nicht mit fertigen Lösungsansätzen. Ich entwickle sie hier vor Ort mit den Jugendlichen, gebe ihnen gewisse Verantwortung, Aufträge, selbst etwas zu machen, zu produzieren oder zu planen. Und das ist auch nachhaltig, dass die Jugendlichen sagen können: 'Das war unser Projekt!' und nicht: 'Da haben wir nur mitgemacht.'

DP: Die wachsen also mit ihrer Aufgabe und bekommen auch Selbstwert und Anerkennung?

Fadi: Genau, und das findet sich, wenn ich Jugendliche nehme, die von der Straße sind. Die haben auch nie gelernt, höflich miteinander zu reden. Wenn der Abschnittsleiter - oder bei Ihnen heißt das glaube ich Inspektionsleiter – wenn der mitkommt an einen Tisch und wir haben ein bestimmtes Thema mit Jugendlichen: Es ist erst mal für sie was ganz Besonderes, dass der große Chef von der Polizei da sitzt und denen zuhört. Und die reden auch ganz anders. Die fangen nicht an mit 'Äh siehst Du, ey Alter...', sondern Sie passen sich eigentlich der Situation an, soweit sie können, aber genießen auch den Respekt. Und das ist auch das, was sie dann im Anschluss sagen; einige sagen: 'Oh, der hat nur deswegen mit uns geredet, weil Du dabei bist. Sonst hassen die uns.' Wo ich dann sage: 'Nein, das ist nicht so! Ihr ward auch höflich.' Also, da ist eine Menge an der Basis erst mal zu machen bei den Jugendlichen. Auch bei den Mitarbeitern der Einrichtungen oder den Behörden.

DP: Schon das Kennenlernen, das miteinander Umgehen spielt eine Riesenrolle?

Fadi: Ja, auf jeden Fall! Und das sind erst mal Ängste, die abgebaut werden, Vorurteile, die abgebaut werden. Und ich kenne das auch bei der Polizei, wenn ich manchmal auf Wachen bin, dass dann ein Einsatz kommt und die Beamten jetzt ohne Umschweife gesagt haben: 'Ich hoffe, dass es kein Türke ist!' Als wir unser Fußballturnier gemacht haben, und wir Polizisten gesucht haben auf dem Abschnitt, haben die erst gesagt: 'Nee, mit denen spielen wir nicht! Nachmittags jagen wir sie und jetzt sollen wir mit denen Fußball spielen?' Also schon die Vorurteile, die wir da erleben, die auch berechtigt sind in einer Weise.

Aber auch Jugendliche, die sehr viele Vorurteile gegenüber Polizisten haben. Also das große Kennenlernen, heißt: 'Hey, der ist eigentlich cool und lustig, aber der ist auch Polizist.' Das wissen die, wie man das auch trennt. Man nimmt den nicht als Spaßvogel, sondern wirklich als ernste Person und als Respektsperson.

DP: Kannst Du sagen, dass diese Projekte erfolgreich sind und ist das messbar?

Fadi: Ja! - Also, ich habe keine Zahlen, wo ich sage, hier kann ich es belegen. Aber ich kann auf jeden Fall sagen, dass die Stimmung unter den Jugendlichen in den Einrichtungen und bei der Polizei sich gewandelt hat. Vor 15 oder zehn Jahren war der Konflikt Sozialarbeiter/Polizei riesengroß: 'Um das Vertrauen der Jugendlichen zu behalten, setzen wir uns nicht mit der Polizei hin!' So war ungefähr die Haltung vieler Sozialarbeiter. Heute ist das anders. Heute gehen auch Polizisten in eine Einrichtung, trinken mal einen Kaffee und fragen auch mal einen Jugendlichen: 'Hey, wie geht’s Dir?' Man hat oft auch Namen. Man ist nicht mehr der Beamte in blau.

Vor allem, dass immer mehr Jugendliche ihre Abschlüsse machen, den Ernst der Schule auch verstehen. Und man hat auch erkannt, dass Prävention nicht mit 15-Jährigen anfängt, sondern viel früher. Erst das hat das Ganze möglich gemacht. Wo verbringen die Jugendlichen ihren Tag? Acht Stunden in der Schule, dann ein bisschen am Bolzplatz und dann sind sie erst zu Hause. Also der Hauptteil ist nicht bei den Eltern, sondern der Hauptteil ist in ihrem Umfeld. Dazu gehören Bewohner. Also auch die Bevölkerung ist Vorbild. Man braucht ja nur sehen: Autofahrer! Wenn ein Kind hinten sitzt. Wie oft meckern die Eltern: 'Was bist Du dämlich, fahr mal vernünftig!' Dieses ganze Fluchen und Aufregen, das erleben wir in allen Bereichen. Also eine Aufgabe von uns allen, das vorzuleben, ja, das weiterzugeben.

DP: Was können Deutsche und diejenigen mit Migrationshintergrund gemeinsam noch unternehmen, um aufeinander zuzugehen und die Integration und gegenseitige Toleranz zu fördern?

Fadi: Dass man auch nicht trennt. Ich habe jetzt auch nicht einmal getrennt, die Migranten müssten mehr oder die Deutschen müssten mehr... Es sind soziale Probleme, und das muss eigentlich mal verstanden werden.

DP: Das Miteinander ist viel wichtiger?

Fadi: Auf jeden Fall! Und das funktioniert ja hier! Es funktioniert hier herrlich. Als ich geheiratet habe, waren genauso viele Vorurteile von Nachbarn über meine Frau: 'Was, du willst 'ne Deutsche heiraten? Du weißt doch, wie deutsche Frauen sind!' Die ganzen Vorurteile wurden runtergerattert: 'Die wird dich verlassen, wenn sie einen anderen kennenlernt.' 'Die wird die Kinder wegnehmen von Dir.' Und und und. Und bei ihrer Familie waren dieselben Vorurteile, das war das Lustige: 'Er wird die Kinder nehmen und abhauen, wie in 'Nicht ohne meine Tochter', und der wird dich dann verlassen. Und der wird mehrere Frauen haben.' Also interessant, dass dieselben Vorurteile bei beiden Kulturen da waren. Und erst nachdem man solche Sachen aufgebrochen hat ... - unsere Ehe erlebt immer wieder solche Aufbrüche, die auch immer mehr passieren.

DP: Sich also öffnen, miteinander reden und aufeinander zugehen...

Fadi: Genau, man sucht viel weniger. Ich gehe immer den Ansatz, wenn es ein Problem gibt, dann stelle ich mir die Frage – auch vor meinen Kindern: 'Was ist denn da das Problem?' Und nicht: 'Wer ist da das Problem?' Wir sind sehr schlau und sehr schnell in der Frage 'Wer'? - 'Die!' 'Wer ist Schuld?' - 'Die!' - 'Wer muss sich ändern?'- 'Die!' Immer die! Es können Ausländer sein, es können Jugendliche sein. Es ist viel leichter, die Schuld bei anderen zu suchen, als die Fehler an sich selbst zu erkennen. Um davon wegzukommen, versuche ich auch keine Themen zu machen, wie z. B. 'Wie könnte ich Islam in den Kiez integrieren?' Das ist doch Blödsinn! Die leben hier, sind hier aufgewachsen, die haben diese Religion. Buddhisten gibt es auch, die sind nur weniger als wir. Wir müssen das Bild aufrecht erhalten: 'Wir sind alle verschieden!'

Als ich das erste Mal gesagt habe: 'Ich will nicht mehr, dass mich nach acht Uhr abends einer anruft', hat meine Familie zu mir gesagt: 'Mann, bist Du deutsch geworden!' Als ich aber ihrer Familie gesagt habe: 'Warum kommt deine Familie nicht zu uns zu Besuch? Sind die ausländerfeindlich?', hat sie zu mir gesagt: 'Warum? Hast Du sie denn schon mal eingeladen?' War auch nicht böse gemeint, sie wollten nur nicht unerwartet und unangemeldet kommen, so wie ich das von unseren Leuten kenne, die plötzlich vor der Tür stehen und sagen: 'Hey, na!?' Das gehört für mich zur interkulturellen Kompetenz.

DP: Also noch viele Missverständnisse im Raum?

Fadi: Ja, auf jeden Fall! Und wie kriegt man die weg? Wenn man miteinander redet und nicht übereinander. Und deswegen bin ich auch der Meinung, interkulturelle Kompetenz kann jeder und immer und überall erlangen - vorausgesetzt, er möchte es!

Dein Kulturkreis, dein Freundeskreis, dein soziales Umfeld, welche Sender guckst Du Dir an, welche Filme, welche Leute hast Du in deiner Nachbarschaft, wo gehst du gerne Essen? Das sind interkulturelle Kompetenzen!

Jeder behauptet von sich, er ist nicht diskriminierend, er hat keine Vorurteile. Und wenn ich in Vorträgen frage: 'Hey, was fällt Euch spontan ein, wenn ich sage 'Pole'?' Dann fangen alle an zu lachen und sagen: 'Autodieb, Zigaretten!'

DP: Die Muster die schon alle da sind?

Fadi: Ja, und die auch vermittelt werden. Das ist ja, was ich meinte mit den Medien. Migranten sitzen nur dann da, wenn es um Migrantenthemen geht. Wenn es darum geht, ich sag mal Urlaub in den Alpen, dann fragt man Deutsche. Bestimmt fährt auch eine arabische oder türkische Familie mal hin. Warum interviewt man die nicht und fragt: 'Warum machen sie hier Urlaub?' Nur wenn es um das Thema Kopftuch geht, wenn es um das Thema Zwangsehe geht, dann werden sie mal eingeladen. Wir sind viel mehr Leute, wir machen viel mehr, wir gehen auch mal einkaufen, wir machen auch mal Urlaub. Um das einfach mal zu vermittelt, um von diesen Stereotypen wegzukommen.

DP: Ich danke dir für das Interview, Fadi; und viel Erfolg bei Deiner Arbeit!

(Dies ist die Langversion des Interviews. Ein Bericht mit einer Kurzfassung des Interviews sowie einem Bericht über eine Veranstaltung in Braunschweig am 23. Juni 2011 wird in DEUTSCHE POLIZEI LandesJournal Niedersachsen, Ausgabe 8/2011 erscheinen. Red.)

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Fadi Saad ist Autor des Buches „Der große Bruder von Neukölln: Ich war einer von ihnen - vom Gang-Mitglied zum Streetworker“, erschienen im Verlag Herder spektrum, ISBN 978-3-451-03000-0
 
 

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