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GdP-Fachtagung Jugendkriminalität:

Sozialabbau und Sparpolitik treffen Jugendliche mehrfach

Berlin/Meldorf.

Als die eigentlichen Opfer der staatlichen Rotstiftpolitik hat der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Konrad Freiberg, Kinder und Jugendliche bezeichnet.

Auf einer kriminalpolitischen Fachtagung seiner Organisation in Meldorf, Schleswig-Holstein, sagte er vor rund 120 Vertretern aus Schutz- und Kriminalpolizei, Sozial- und Jugendarbeit, Bewährungshilfe, Jugendgerichtsbarkeit und Staatsanwaltschaften: „Ein Viertel der Gesamtkriminalität geht auf das Konto von Jugendlichen. Die Anzahl der tatverdächtigen Kinder, Jugendlichen und Heranwachsenden hat sich in den vergangenen zehn Jahren nahezu verdoppelt. In der Familien-, der Kinder- und Jugendpolitik wird dieser Entwicklung tatenlos zugesehen.“

Wirtschaftlicher Wandel, Arbeitslosigkeit, Sozialabbau und Sparpläne träfen Kinder und Jugendliche im Gegensatz zu den Erwachsenen gleich mehrfach. Freiberg: „Wenn durch Arbeitslosigkeit das Familieneinkommen auf Sozialhilfeniveau fällt, ist das für die erwachsenen Betroffenen schmerzhaft. Kinder und Jugendliche sind gleichzeitig aber mit der Schließung von Jugendeinrichtungen, heruntergekommenen Schulen, zu wenigen und überalterten Lehrern sowie der fehlenden Aussicht auf berufliche Perspektiven konfrontiert. Nicht deutschstämmige Kinder und Jugendliche seien zudem Opfer einer misslungenen Migration- und Integrationspolitik.“

Scharf wandte sich der GdP-Vorsitzende dagegen, dass schon Kinder ungehemmt als Konsumenten-Zielgruppen missbraucht würden. Freiberg: „Je mehr Kinder und Jugendliche zum Beispiel durch den Handy-Gebrauch in die Schuldenfalle geraten, umso fröhlicher wird das an der Börse gefeiert. Der Bedürfnisweckung und –befriedigung von Kindern und Jugendlichen haben sich ganze Branchen verschrieben. Die Ergebnisse solcher unternehmerischen Glanzleistungen sind dann bei uns auf den Polizeiwachen zu besichtigen.“

Sorge bereiten der Gewerkschaft der Polizei, die wachsende Zahl immer jüngerer Täter, die häufiger straffällig werden. Freiberg: „Die Herabsetzung des Strafmündigkeitsalters ist keine Lösung - sich um die strafunmündigen Täter überhaupt nicht kümmern zu können, allerdings erst recht nicht.“ Freiberg forderte zudem eine bundeseinheitliche Definition des Begriffs „jugendlicher Intensivtäter.“