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GdP-Gespräche

Digitalfunk „auf letzter Meile“

Berlin.

Wie weit ist eigentlich der Aufbau des polizeilichen Digitalfunknetzes? Nach Presseberichten über mögliche weitere Verzögerungen und erneut deutlich höhere Kosten trafen der GdP-Bundesvorsitzende Oliver Malchow und GdP-Digitalfunk-Experte Horst Müller jüngst in Berlin auf die Spitzen der Bundesanstalt für den Digitalfunk der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BDBOS). In einem rund einstündigen Gespräch informierten BDBOS-Präsident Rolf Krost, Vizepräsident Andreas Gegenfurter und der Leiter der „Task Force Betrieb“, Uwe Stöhr, die GdP-Verantwortlichen über den aktuellen Stand des Netzaufbaus. „Wir sind auf der letzten Meile“ erklärte Präsident Krost und wies damit die veröffentlichte Kritik am Digitalfunk-Netzaufbau zurück.

Berücksichtige man, dass das Projekt erst 2008 tatsächlich in Angriff genommen wurde, so sei man mit einem prognostizierten Start des flächendeckenden Wirkbetriebs Ende 2014 voll im Soll. Mittlerweile seien rund 85 Prozent Deutschlands abgedeckt, 360.000 Nutzer könnten bereits digital funken. Man habe die Phase der Feinjustierung erreicht, ergänzte der Vize-Chef der Behörde, Gegenfurter. Änderungen ergäben sich vor allem aus den Praxiserfahrungen der Einsatzkräfte beim Probebetrieb. Darüber hinaus waren im Vergleich zu den Planungen der ersten Projekttage topographische Veränderungen festgestellt worden, die technisch aufgefangen werden müssen: „Wenn da plötzlich ein Hochhaus steht, wo vorher noch ein Parkplatz war, müssen wir anpassen.“ Physik sei eben Physik.

Die BDBOS erhalte, zuletzt von den Kräften aus den überfluteten Gebieten Sachsen-Anhalts, ein positives Feedback zur digitalen Funkverständigung. Krost betonte „Die Nutzer akzeptieren die Technik.“ Eine Technik, die übrigens sowohl zuverlässig als auch zukunftssicher sei, so Gegenfurter. „Die verwendete ‚Tetra-Technik‘ ist Stand der Kunst. Eine neuere für den Sprechfunk ist allerfrühestens ab 2020 zu erwarten, wobei Tetra dann wahrscheinlich als Applikation einer erweiterten Technik bleibt. Damit wird die Polizei noch lange funken.“ Hier und da gebe es vereinzelt Beschwerden, schränkte Task-Force-Betrieb-Leiter Stöhr ein, doch nach gemeldeten Störfällen und bei späterem genauerem Hinsehen waren indes häufiger Anwendungsfehler Ursache der Misere. Es fehle noch der geübte Umgang mit dem Digitalfunk, aber die offene Wissenslücke in den Reihen der Polizei und anderer Behörden werde bald geschlossen sein.

Dass der Digitalfunk die Länder teurer käme, als noch anfangs in den Haushalten eingeplant, liege, so Krost, in der Natur der Sache. So hätten sich über die Jahre Planungsbedingungen geändert oder Anforderungsstandards wurden erhöht. Auch die Auswahl und technische Ertüchtigung von Standorten seien nicht hundertprozentig sicher zu kalkulieren. Skandalöse Kostenentwicklungen habe es unterdessen ebenso wenig gegeben wie hohe Nachzahlungen noch zu erwarten seien.

Neben der Feinjustierung des Funknetzes, erläuterte der BDBOS-Präsident der GdP, werde nunmehr auch intensiv an der Anbindung der Leitstellen im digitalen Funknetz gearbeitet. Auch die sogenannte Objekt-Versorgung stünde weiter auf der Tagesordnung. Diese solle aber laut Planung sowieso nachlaufen. Schließlich würden noch sogenannte Härtungsmaßnahmen zum Schutz von Basisstationen anstehen. Kommerzielle Mobilfunknetze fallen bei Großschadenslagen oder im Fall eines Angriffs auf wichtige Infrastrukturen erwiesenermaßen schnell aus. Das Digitalfunknetz BOS ist darauf ausgerichtet, gerade in solchen Situationen den Einsatzkräften zur Verfügungen zu stehen. Die dahinterstehende Logistik sei auch nicht unbedingt mal eben an einem Nachmittag erledigt

Vor zu hohen Erwartungen an den Digitalfunk und vor allem an die Endgeräte warnte Krost abschließend. „Die Tetra-Technik ist nicht die eines Smart-Phones. Es ist und bleibt zunächst Sprechfunk.“ Doch dessen Funktionen seien speziell auf die Bedürfnisse der Einsatzkräfte zugeschnitten.
Michael Zielasko