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Man hat sich bemüht

Von Josef Scheuring, Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Bezirk Bundespolizei Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen, mehr als 13 Jahre nachdem ich den Vorsitz des GdP-Bezirks Bundespolizei übernahm, schreibe ich heute meinen letzten Kommentar. Am 31. Dezember 2013 geht meine aktive Zeit in der Bundespolizei und damit auch in der GdP zu Ende. Aus meiner Erfahrung […]

Josef Scheuring, Vorsitzender des GdP-Bezirks Bundespolizei

Josef Scheuring, Vorsitzender des GdP-Bezirks Bundespolizei

Von Josef Scheuring, Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Bezirk Bundespolizei

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen, mehr als 13 Jahre nachdem ich den Vorsitz des GdP-Bezirks Bundespolizei übernahm, schreibe ich heute meinen letzten Kommentar. Am 31. Dezember 2013 geht meine aktive Zeit in der Bundespolizei und damit auch in der GdP zu Ende.

Aus meiner Erfahrung möchte ich eine Botschaft weitergeben: Nehmt eure Zukunft selbst in die Hand. Bringt euch in eure Arbeitswelt ein. Gestaltet eure Zukunft, die Zukunft unserer Polizeien und die Zukunft unseres Landes mit. Tretet aktiv und gestaltend für eure Mitmenschen ein. – Als Beleg dazu möchte ich nur einige Stationen aus meiner aktiven Zeit aufzeigen:

Im Alter von 25 Jahren wählten mich die Kolleginnen und Kollegen am Flughafen Frankfurt/Main zu ihrem Personalratsvorsitzenden. In den folgenden neun Jahren entwickelten wir die damalige Grenzschutzstelle des Amtes Saarbrücken zu einem eigenen Grenzschutzamt weiter. Im Jahr 1981 kam jeder vierte Asylbewerber, der in Deutschland einen Asylantrag stellte, über den Frankfurter Flughafen. Sowohl der damalige Bundesgrenzschutz (BGS) als auch das Land insgesamt waren mit dieser Entwicklung vollkommen überfordert. Mit ganz massiver Öffentlichkeitsarbeit durch die Gewerkschaft der Polizei sorgten wir dafür, dass die schlimmsten humanitären und organisatorischen Probleme abgemildert wurden. Dabei war es für uns ganz selbstverständlich, sich nicht nur um die Belange unserer Kolleginnen und Kollegen, sondern auch um die Belange der Flüchtlinge einzusetzen. – Humanität ist nicht teilbar.

Als ich am 9. November 1989 auf der Rückfahrt von einer GdP-Veranstaltung im früheren Standort Bad Hersfeld hörte, dass die Führung der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik die Grenzübergänge für ihre Bürger nach Westdeutschland geöffnet hat, war mir sofort klar, dass sich dadurch unser Land und auch der BGS massiv verändern würden. Ich wollte daran mitwirken. Sofort, als es dienstlich möglich war, fuhr ich als Mitglied des BGS-Hauptpersonalrates in den Osten. Ich traf dort ganz schwierige Rahmenbedingungen, aber auch viele ganz wertvolle Menschen an. Einer von ihnen war Sven Hüber; – eine Begegnung, die mich bis heute sehr bereichert.

Immer auf der Seite der Menschen, brachte ich mich begeistert in den Einigungsprozess ein. Am 11. Oktober 1992, drei Tage nach Willy Brandts Tod, war Otto Schily ganztägig Gast im SPD-Ortsverein Niedernberg. Ich war dort Vorsitzender und den ganzen Tag mit Schily zusammen. Wir tauschten uns über viele Fragen, besonders aber auch über die damals anstehende, ganz intensiv diskutierte Änderung des Asylrechtes aus. Der Kontakt hielt an und Schily wurde Ende 1998 Bundesminister des Innern. Am 28. März 2002 vereinbarten Otto Schily und ich die bisher grundlegendste, strukturelle Weiterentwicklung des früheren Bundesgrenzschutzes. Mehr als 25 000 zusätzliche Beförderungen waren nur eine Folge dieser Entscheidung. Bis August 2002 wurde das BGS-Laufbahnrecht verändert und alle Grundlagen für die BGS-Haushalte der nächsten Jahre geschaffen. Das Programm wurde über eine Laufzeit von zehn Jahren vereinbart und läuft erst jetzt, im Jahr 2014, aus. Am Ende der Verhandlungen – im August 2002 – schrieb ich mit Schily auch noch die Namensänderung der Organisation von Bundesgrenzschutz in Bundespolizei fest. Sie wurde im Jahr 2005 umgesetzt.

Durch massive, innere Verwerfungen erlebte die Bundespolizei in den Jahren 2008 bis 2012 schwierige Zeiten. Viel Vertrauen, gerade auch in den obersten Führungsebenen, ging verloren. Nach der unwürdigen Entlassung der gesamten Führung im Jahr 2012 stabilisierte sich die Bundespolizei wieder. Mit klugem und authentischem Verhalten schafft die neue Führung neues Vertrauen. Die Bundespolizei ist wieder auf dem Weg. Längst überfällige Entscheidungen können angepackt und vorhandene Gerechtigkeitslücken geschlossen werden. Die GdP wird dazu auch weiter die entscheidenden Impulse geben.

Frank Buckenhofer und seine Kolleginnen und Kollegen des Zolls werden ihr Ziel, eine Bundesfinanzpolizei für Deutschland, durchzusetzen und dabei auch die Kolleginnen und Kollegen des Bundesamtes für Güterverkehr mitnehmen. Für viele Tausend Kolleginnen und Kollegen kann eine bessere Zukunft geschaffen werden. Niemand ist allein. Und die Menschen in unserem Land profitieren davon. Einbringen lohnt sich immer. Nichts beschreibt meine Gefühle, meine innere Haltung heute besser als die Worte Willy Brandts am Ende seiner aktiven Zeit: „Man hat sich bemüht!“ – Herzliche Grüße und alles Gute für eure gemeinsame Zukunft,

euer Josef Scheuring