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GdP-Chef im Gespräch mit der Hannoveraner "Neue Presse" (NP):

“Wir müssen mit weiteren Toten rechnen"

Das Interview führte Rasmus Buchsteiner

Berlin.

Die Sicherheitslage in Afghanistan hat sich dramatisch verschärft, sagt Konrad Freiberg, Chef der Gewerkschaft der Polizei (GdP), im NP-Interview. Die deutschen Sicherheitskräfte und die zivilen Helfer seien im Visier der Taliban.

 
NP: War Angela Merkels Besuch in Afghanistan nicht längst überfällig?
Freiberg: Die Kanzlerin hat ein wichtiges Zeichen gesetzt. Es ist notwendig, dass eine deutsche Regierungschefin nach Afghanistan reist, die Bundeswehr besucht und der dortigen Regierung damit das Signal gibt, dass man die Unterstützung ausbauen will.
 
 NP: Wie schätzen Sie die Sicherheitslage in Afghanistan ein?
Freiberg: Die Sicherheitslage hat sich dramatisch verschlechtert. Die Taliban sind großflächig auf dem Vormarsch. Das gilt auch für Kabul und den Norden. Die Situation ist deutlich gefährlicher als vor einem Jahr. Die deutschen Sicherheitskräfte und die zivilen Helfer sind im Visier der Taliban. Wir müssen mit weiteren Toten dort rechnen.

NP: Wie gut sind die Polizeistrukturen in Afghanistan?
Freiberg: In und um Kabul gibt es durchaus Fortschritte. Doch darüber
 
hinaus herrschen im Land die Warlords. Viele Polizisten wechseln die Seiten, um ihren Lebensunterhalt sichern zu können. Wenn man wirklich etwas erreichen will, müssen die Anstrengungen zum Aufbau des Landes deutlich vergrößert werden. Jetzt rächen sich die Versäumnisse der Vergangenheit.

NP: Müsste Deutschland nicht seinen Beitrag zur Polizeiausbildung deutlich ausweiten?
Freiberg: Viel mehr als jetzt kann die deutsche Polizei nicht leisten. Das muss man deutlich sagen. Hier sind vor allem unsere europäischen Partner in der Pflicht. 250 deutsche Polizisten sind bei Auslandsmissionen weltweit im Einsatz. Die Kapazitäten sind begrenzt. Wir haben dramatische Personalkürzungen im Inland. Deshalb kann die deutsche Polizei in Afghanistan kein deutlich größeres Kontingent zur Verfügung stellen. Fest steht für uns auch: Polizei kann kein Ersatz für Militär sein.

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