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Gewerkschaftliche Bildungsarbeit

1. Gewerkschaftliche Bildungsarbeit
Weiterbildung gewinnt eine immer wichtigere Rolle in unserer heutigen Gesellschaft. Es reicht nicht mehr aus, sein Leben auf der Grundbildung der ersten 20 Lebensjahre zu gestalten. „Lebenslanges und lebensbreites Lernen sind zu den entscheidenden Schlagworten geworden. Unser Bildungsverständnis ist politisch, handlungsorientiert und interessengeleitet. Politische Bildung soll dazu beitragen, dass Menschen ihr soziales Schicksal in die eigenen Hände nehmen. Dazu gehören das Erkennen der eigenen Interessenlagen, das Entwickeln politischer Orientierungen und der Aufbau all jener Kompetenzen, die für praktisches Handeln erforderlich sind. Das betrifft insbesondere die Fähigkeit und Bereitschaft, seine Anliegen gemeinsam mit anderen zu vertreten. Insofern wird gewerkschaftliche Bildungsarbeit, egal zu welchen Themen, immer politische Bildung sein. Weil diese politische Dimension aber nicht automatisch eintritt, muss sie den Fachthemen durch politisch-didaktische Reflexion abgerungen werden. In der gewerkschaftlichen Bildungsarbeit müssen Interessenlagen geklärt, gesellschaftliche Hintergründe diskutiert, Perspektiven und Bündnismöglichkeiten aufgezeigt und Durchsetzungsstrategien entwickelt werden. Zugleich sollen alle Arten von Kompetenzen entwickelt werden, die für politisches Handeln erforderlich sind. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Bildungsveranstaltungen sollen in die Lage versetzt werden, unter den sich ständig verändernden betrieblichen und gesellschaftlichen Bedingungen verantwortungsbewusst und wirkungsvoll die Interessen abhängig Beschäftigter zu vertreten. Die Bildungsarbeit ist eng in die Entwicklung der gewerkschaftlichen Interessenvertretungspolitik eingebunden. Das jeweilige Verständnis der Handlungssituation, das der Organisationspolitik zugrunde liegt, die Schwerpunktsetzungen und aktuellen Kampagnen müssen sich in der Bildungsarbeit wiederfinden.

Für die Gewerkschaft der Polizei hat gewerkschaftliche Bildungsarbeit einen hohen Stellenwert. Trägt sie doch dazu bei, Funktionsträgerinnen und Funktionsträgern Fähigkeiten und Fertigkeiten zu vermitteln, die sie in die Lage versetzen, aktiv, kompetent und zielorientiert die Interessen ihrer Kolleginnen und Kollegen zu vertreten.

Die Grundpositionen und Zielsetzungen unserer Bildungsarbeit auf Bundesebene sind unverändert geblieben. Die zentrale gewerkschaftliche Bildungsarbeit der GdP verfolgt das Ziel, Kolleginnen und Kollegen, die Verantwortung in der GdP auf Landes- oder Bundesebene übernommen haben, bei ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit zu unterstützen und sie dafür zu qualifizieren. Unsere gewerkschaftliche Bildungsarbeit ist mehr oder weniger ein ausgeklügeltes Baukastensystem zur Qualifizierung von Funktionsträgerinnen und Funktionsträgern bzw. für Mitglieder, die mittel- bis langfristig für gewerkschaftliche Tätigkeiten, d. h. für Funktionen, gewonnen werden sollen. Dabei sind wir stets bemüht, moderne Formen der Erwachsenenbildung anzuwenden und die inhaltliche Gestaltung der einzelnen Seminare an den Bedürfnissen unserer Teilnehmerinnen und Teilnehmer und den politischen Zielen und Interessen der Organisation auszurichten.

Die in den letzten vier Jahren geleistete Bildungsarbeit kann sich sehen lassen. Die kontinuierlichen Bemühungen, die Qualität unserer Angebote zu verbessern, haben dazu geführt, dass die Bildungsarbeit der GdP auf Bundesebene einen hohen Stellenwert hat, der sich in großer Nachfrage nach unseren Seminaren und Trainings zeigt.

Gewerkschaftliche Bildungsarbeit geht von den gesellschaftlichen Interessen und Erfahrungen der Mitglieder aus. Sie muss wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Interessen und deren Widersprüche darstellen und deren Ursachen erkennen. Gewerkschaftliche Bildungsarbeit darf nicht nur dem Präsentieren von Wissen dienen, sondern muss Methoden des selbstständigen Denkens und Analysierens sowie Maßstäbe des solidarischen Handelns vermitteln. Die gewerkschaftliche Bildungsarbeit der GdP zielt nach ihrem eigenen Selbstverständnis auf die Emanzipation des Lernenden. Das bedeutet für die GdP-Bildungsarbeit, dass alle unsere Bildungsangebote auf dem Prozess der Selbstbildung, Eigenentwicklung und Eigenleistung aufbauen, für all diejenigen, die mit professioneller Unterstützung ihr persönliches Lernziel erreichen wollen. Deshalb sind alle unsere Veranstaltungen auf die Eigenaktivität und die Bedürfnisse der Lernenden ausgelegt. Die Lernenden holen sich aus den Seminaren die Elemente heraus, die für ihre individuelle Entwicklung wichtig sind, und nicht die Elemente, die die Veranstalter wichtig finden. Dabei ist Bildungsarbeit immer mit dem Dilemma konfrontiert, verschiedene Logiken miteinander verbinden zu müssen, die sich aus der Trias von Persönlichkeit, Gesellschaft und Ökonomie ergeben. Die Persönlichkeit verlangt nach individueller Entwicklung, die Gesellschaft nach Integration und Demokratisierung und die Ökonomie nach Qualifikation. Ein wichtiger Bestandteil unserer Bildungsarbeit beinhaltet die Befähigung zur aktiven Kommunikation, die unverzichtbar ist zur Ausbildung von Beziehungsgeflechten, wie sie in den modernen Interessenstrukturen der heutigen individualisierten Gesellschaft nötig sind. Kommunikationsbildung soll dazu befähigen, kritisch, mündig und gestaltungsfähig mit Ambivalenzen umzugehen, also ohne Gewissheiten Verhaltenssicherheiten zu gewinnen. Das braucht Erfahrungen und Wissen über kommunikative Zusammenhänge. Der Prozess der Wahrnehmung von Kommunikation und die aktive Auseinandersetzung damit spielen dabei eine entscheidende Rolle. Gewerkschaftliche Bildungsarbeit schafft – das wird in ihrer Bedeutung oft unterschätzt – Räume zum Austausch und zur Klärung von Erfahrungen. Die geschieht im offiziellen Seminar genauso wie im so genannten zweiten Seminar, den freien Zeiten. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer unserer Seminare sind alle in aktives gewerkschaftliches Handeln eingebunden. Sie kommen mit Lerninteressen und Fragen aus ihrer Praxis, die sie reflektieren und beantwortet wissen wollen. Hier spielen fachliche Fragen eine Rolle, aber in vielen Punkten geht es um die Aufarbeitung schwieriger Situationen, um viele Fragen der Alltagsarbeit, um Erfahrungen mit Rückschlägen und Niederlagen. Das Gefühl, mit diesen Erfahrungen nicht allein da zustehen, sie sich nicht persönlich anrechnen zu müssen und in einer Gruppe zu sein, die teilweise ähnliche Erfahrungen gemacht hat und gleiche Ziele verfolgt, bedeutet oft eine große persönliche Stärkung und Ermutigung. Diesen Prozessen Raum zu geben ist ein wichtiges Element unserer gewerkschaftlichen Bildungsarbeit.

Gewerkschaftliche Bildung ist nicht Bildung für die Gewerkschaft, sondern Bildung in der Gewerkschaft

Unsere gewerkschaftliche Bildungsarbeit hat neben der Herausbildung von politischer, beruflicher und sozialer Handlungskompetenz außerdem den Anspruch, eine Vermittlungsfunktion zu erfüllen, auch und gerade innerorganisatorisch. Es geht um die Vermittlung
  • zwischen den unterschiedlichen politischen Meinungen und Positionen,
  • zwischen Funktionsträger/-innen und einfachen Mitgliedern,
  • zwischen Männern und Frauen,
  • zwischen den verschiedenen organisierten Berufsgruppen,
  • zwischen den einzelnen Landesbezirken und Bezirken,
  • zwischen alten und jungen Mitgliedern.

Hierdurch ermöglicht gewerkschaftliche Bildungsarbeit die Herstellung von wechselseitigem Verständnis und Solidarität, denn Solidarität entsteht unter den heutigen gesellschaftlichen Bedingungen von Individualität und Reflexivität nicht mehr in traditionellen sozialen Milieus, sondern erst durch Kommunikation unter verantwortlichen, mündigen Menschen. So gestärkt kann die Organisation den Druck auf die politisch Verantwortlichen erhöhen und die Interessen der Mitglieder nachdrücklich vertreten.

Mit unseren Seminarangeboten haben wir im Berichtszeitraum versucht, diesen Anforderungen gerecht zu werden. Wir haben Seminare angeboten, die den teilnehmenden Kolleginnen und Kollegen praxisorientiertes Wissen für ihre gewerkschaftliche und personalrätliche Arbeit vermittelt haben, die ihnen aber auch geholfen haben, sich im beruflichen Umfeld besser zu behaupten, die sie für den Beruf besser gerüstet haben und an der ein oder anderen Stelle auch Fähigkeiten und Fertigkeiten vermittelt haben, die im privaten Bereich von Nutzen sein können. Die zentral angebotenen Seminare der Gewerkschaft der Polizei werden nach wie vor sehr stark nachgefragt, so dass in der Regel nicht alle Teilnahmewünsche berücksichtigt werden können. Umso bedauerlicher ist es, dass immer wieder einzelne Teilnehmerinnen und Teilnehmer ohne Abmeldung oder Entschuldigung nicht zum Seminar erscheinen.

Einen Überblick über die wichtigsten Seminarangebote und -inhalte vermittelt die folgende Darstellung:

1.1 GdP-Seminarreihe „Führungstraining“ (nach oben)
Gewerkschaftliche Führungskräfte stehen vor großen Herausforderungen, weil sie sich den veränderten Bedingungen in Staat und Gesellschaft stellen müssen, um eine wirkungsvolle, an den Interessen der Mitglieder orientierte Interessenvertretung zu gestalten. Die Rahmenbedingungen für gewerkschaftliche Interessenvertretung haben sich in den vergangenen Jahren spürbar verändert. Nicht nur politische Entscheidungen in der Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik, der Steuer-, Finanz- und Geldpolitik, sondern auch wirtschaftliche Entwicklungen haben dazu beigetragen, Strukturanpassungsprozesse in vielen Branchen bis hin zum öffentlichen Dienst auszulösen, mit unmittelbaren Auswirkungen auf Beschäftigung, Einkommen und soziale Sicherheit. Wer sich als gewerkschaftliche Führungskraft heutzutage auf Patentrezepte verlässt, der ist verlassen. Führen ist situativ und deshalb in jeder Situation und bei jedem Mitarbeiter, bei jeder Kollegin und jedem Kollegen anders. Nur wer diesen Anforderungen gerecht wird, der ist in der Lage, Mitarbeiter und Teams ohne Reibungsverluste auf Ziele zuzuführen. Im politischen Management ist heute die wirksame Kombination von Führung und Wissen gefragt. Ausgewählte professionelle Managementtechniken und Entwicklungsstrategien bieten dafür die besten Voraussetzungen. Die Möglichkeit, Management-Kompetenzen zu entwickeln und zu fördern, bietet die dreiteilige Seminarreihe „GdP-Führungstraining“. Diese Seminarreihe, die seit 15 Jahren fester Bestandteil unseres Bildungsangebotes ist, wurde kontinuierlich weiterentwickelt. Die Seminare richten sich an Mitglieder von Landesbezirksvorständen und Gremien auf Bundesebene. Die drei Seminarbausteine werden regelmäßig überarbeitet und an den veränderten Bedarf der Teilnehmerinnen und Teilnehmer angepasst. Die überaus große Nachfrage zeigt: Diese Seminarreihe wird als wirksame Hilfe für die gewerkschaftliche Arbeit sehr gut angenommen. Die Rückmeldungen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu diesen Seminaren sind überdurchschnittlich gut, was sich auch an dem immer weiter steigenden Interesse an dieser Seminarreihe und der stets größer werdenden Nachfrage zeigt.


Auswahl von Seminarkritiken (Stand: 29.03.2010)

Führungstraining 2009/2010

"Habe eine solche Moderation noch nicht erlebt. Professionell, geht sensibel auf uns ein, nehme sehr viel mit. Danke!"

"Neu, einzigartig, echtes Führungstraining. Grenzerfahrung mit mir selbst, habe Spiegel vorgehalten bekommen, Klasse. Hat Spaß gemacht. Tolle Truppe."

"Danke! Das beste Seminar, das ich mitgemacht habe. Tolle Gruppe."

"Beispielgebende Moderation. Strategien, Inhalte – äußerst interessant. Dank an Moderation, auch wegen der Beratung."

"Toll gelaufen! Gewinn für meine Persönlichkeit und Kommunikation."

"Ich bin sehr leistungsorientiert und habe jetzt gelernt, auch Neugierde auf Menschen zu entwickeln. Bereichernd."

"Schade, dass es vorbei ist."

"Habe Zeit gebraucht anzukommen. Habe dann neue Ideen, neue Vorgehensweisen kennen gelernt, habe sehr viel mitgenommen."

"Gesamte Gruppe eine Bereicherung für mein Leben. Auch die Moderation. Traurig, dass es vorbei ist. Die Moderation: Das Beste, was ich erlebt habe."
Führungstraining 2007

"War toll, ich habe mich auf jeden Baustein gefreut und bis sehr gern hergekommen, tolles Team."

"Sehr viele Erkenntnisse gewonnen, war sehr lehr- und hilfreich für mich, bringt mich in meiner Arbeit weiter."

"War alles sehr gut, viel mitgenommen, Arbeit von euch Teamern war super."

"War einfach nur hervorragend, hilft mir weiter."

"Viel gelernt, weiter so, wer nicht herkommt, verpasst was."


Seminarleiterseminare (1++.)

"Kein stures Programm, situativ gehandelt, spannend, Klasse. Diese Art Bildungsarbeit in der GdP weiter behalten."

"Die Art der Moderation bewundere ich. Gewöhne mich langsam daran, auch mal etwas anderes zu wollen. Ändere mich."

"Zur Moderation: klasse. Das beste Seminar, das ich je erlebt habe, gewerkschaftlich und dienstlich. Die psychologischen Dinge sind wichtig, wie gehe ich mit Menschen um. Kritik: Ein dritter Baustein fehlt. Noch mehr Übungen wären gut."

1.1.1 Baustein 1: Selbst- und Zeitmanagement
Sich selbst besser kennen lernen, seine Fähigkeiten und Fertigkeiten objektiver einzuschätzen, mit seinen persönlichen Ressourcen effizienter umzugehen – kurz: sich besser zu organisieren lernen ist Ziel des ersten Bausteins. Terminstress, Doppel- und Dreifachbelastung, Koordinationsprobleme und Unzufriedenheit trotz hoher Arbeitsleistung: Viele kennen diese Situation und suchen nach Auswegen. Gewerkschaftliches Engagement und Personalratsarbeit haben ihren Preis. Nicht zuletzt oft zum Nachteil von Familie, Freunden und Freizeit. Das Seminar soll helfen, die verfügbare Zeit besser einzuteilen und sich selbst und seine Arbeit sowie das ehrenamtliche Engagement ebenso wie das private Leben sinnvoller und effizienter zu organisieren. Der in diesem Baustein angebotene Persönlichkeitsfaktorentest (16 PF) wurde bisher von allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern angenommen und wird durchweg als sehr hilfreich für die Bestimmung der eigenen Position und für die persönliche Weiterentwicklung angesehen.

1.1.2 Baustein 2: Konfliktmanagement und Kommunikation
Konflikte gehören zu unserem Leben. Führungskräfte, egal in welcher Position, sollten die Fähigkeit besitzen, Konflikte zu erkennen, sie zu beherrschen und zu lösen. In der gewerkschaftlichen Arbeit werden gerade diejenigen, die sich engagieren, immer wieder mit Konflikten konfrontiert. Ein Blick in die Geschichte und unsere eigene Erfahrung zeigt, dass es immer Konflikte gab und gibt. Die Existenz von Konflikten ist jedoch nicht das Ergebnis einer grundlegenden „Schlechtigkeit“ des Menschen. Zu den Grundbedingungen unserer Existenz gehört, dass kein Mensch unabhängig von anderen Menschen handeln kann. Das Verhalten und die Zielvorstellungen jedes Einzelnen haben unvermeidlich Einfluss auf Handlungen, Verhalten und Pläne anderer. Konflikte können nicht ohne Reibung, Veränderung und Verlust stattfinden. Sie können jedoch ohne Gewalt ausgetragen werden. Wer Gewalt, Ungerechtigkeiten, Unterdrückung beseitigen will, muss Konflikte führen können. Konflikte und vor allem deren konstruktive Lösung können sehr produktiv sein und Entwicklungen entscheidend voranbringen. Das rechtzeitige Erkennen, Analysieren und Lösen von Konflikten stehen daher im Mittelpunkt dieses Seminarteils. Dabei werden den Teilnehmerinnen und Teilnehmern vor allem Handlungsstrategien in Konflikten vermittelt, die sie in der täglichen gewerkschaftlichen Arbeit anwenden können. Dazu gehört auch, dass die Grundregeln der Kommunikation beherrscht werden. Richtig miteinander reden, seine Botschaften klar und unmissverständlich zu formulieren, zuhören zu lernen und die Möglichkeiten der Kommunikation richtig einzusetzen ist wichtiger Bestandteil von Konfliktlösungsprozessen, wie der gewerkschaftlichen Arbeit überhaupt.

1.1.3 Baustein 3: Projektmanagement
In der gewerkschaftlichen Praxis vor Ort werden viele Projekte geplant und umgesetzt. Dabei hängt der Erfolg nicht unwesentlich davon ab, dass die Planung und Umsetzung eines Projektes professionell erfolgen. Führungskräfte sollten in der Lage sein, Projekte erfolgreich zu planen und umzusetzen. Im Jahr 1980 wurde „Projektmanagement“ nach DIN 69901 folgendermaßen definiert: „... die Gesamtheit von Führungsaufgaben,
-organisation, -techniken und -mitteln für die Abwicklung eines Projektes.“ So allgemein diese Begriffsbestimmung auch gehalten ist, macht sie doch deutlich, dass es beim Projektmanagement um die umfassende Bearbeitung von Projekten geht und nicht nur darum, diese zu bearbeiten. Vielmehr geht es darum, Projekte in der vorgegebenen Zeit und mit dem gewünschten Ergebnis so zu realisieren, dass alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beteiligt sind und das bestmögliche Ergebnis erreicht wird. Folgende Fragen stehen im Mittelpunkt des Seminarbausteins: Wie gehe ich vor, um ein Projekt zu planen und zu realisieren? Was ist zu beachten? In welcher Reihenfolge muss was erfolgen, wie beziehe ich meine Kolleginnen und Kollegen ein, welche Partner brauche ich dazu? Im dritten Seminarteil werden den Teilnehmerinnen und Teilnehmern die wichtigsten Grundlagen für erfolgreiche Planung und Umsetzung von Projekten vermittelt. Dabei werden die einzelnen Projektschritte an konkreten, von den Teilnehmenden mitgebrachten Projektideen erarbeitet, so dass diese fertige Projektkonzeptionen mit in ihre Landesbezirke nehmen können.

1.2 Rhetorik I und II (nach oben)
Wer kein erfolgreicher Einsiedler werden will, braucht mit Sicherheit rhetorische Fähigkeiten – nicht nur für eine große Rede, sondern auch für jede Mitteilung und jedes Gespräch, das wichtig ist. Die Formel für rhetorischen Erfolg liegt nun in einem guten Zusammenspiel von Argumenten, Redegewandtheit und Körpersprache. Dieses Seminar gilt für alle, die ihre Sprache im Gespräch oder in einer Rede bewusster und wirkungsvoller einsetzen wollen, um ihr Gegenüber effektiver zu erreichen. Ziel des Seminars ist, dass die Teilnehmer/-innen durch bewussten Umgang mit Sprache, Gestik, Mimik etc. ihre Redefähigkeit verbessern. Es geht um das Erkennen des eigenen Sprachmusters und -verhaltens. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sollen lernen, es zu verbessern und Sicherheit und Überzeugungskraft zu gewinnen. Sie bauen Redehemmungen ab, erproben einen neuen konstruktiven Umgang mit Lampenfieber und trainieren, in schwierigen Situationen gelassen und rhetorisch sicher zu agieren.

1.3 Tarifrecht/Tarifpolitik (nach oben)
Es ist eine selbst gestellte Aufgabe aller Gewerkschaften, für eine gerechte gesellschaftliche Verteilung der Einkommen sowie der finanziellen Belastungen einzutreten. Die Tarifvertragsparteien leisten dazu ihren tarifpolitischen Beitrag. Dabei verbirgt sich hinter dem Begriff Tarifpolitik eine ganze Fülle von Regelungsbereichen, die neben der Einkommens- und Belastungsfrage auch die Arbeitszeit, den Arbeitsschutz, den Urlaub und die Aufstiegsmöglichkeiten berühren. Mit der Tarifpolitik werden Rechts-, Fach-, Verfahrensfragen und allgemein politische Fragestellungen berührt. Die Durchsetzungschancen der Interessen aller gewerkschaftlich organisierten Beschäftigten hängen ganz wesentlich von einem gleichgewichtigen Kräfteverhältnis zwischen den Tarifvertragsparteien ab. Der sozialen Macht der Arbeitgeber können wir nur die solidarische Macht der gewerkschaftlich organisierten Beschäftigten entgegensetzen. Diesen Zusammenhang zu erkennen ist für alle Beschäftigten von existentieller Bedeutung. Eine Gewerkschaft, die es nicht versteht, den Sinn von Tarifpolitik und Tarifautonomie zu vermitteln, wird es sehr schwer haben. Vor diesem Hintergrund erklärt sich die Bedeutung von Tarifseminaren auf Bundes-, Landes- und Kreisgruppenebene. Denn mit Tarifverhandlungen sind nicht nur Prozentsätze und tarifpolitische Verfahrens- und Rechtsfragen verbunden, sondern gleichermaßen Fachfragen aus der Wirtschafts- und Sozialpolitik. Unsere Kolleginnen und Kollegen müssen sich also das dringend notwendige Fachwissen dazu aneignen. Zum einen für die eigene Kompetenz in der aktiven Tarifarbeit, zum anderen, um die Diskussion mit unseren Mitgliedern über die Empfehlungen und Forderungen zur jeweiligen aktuellen Tarifrunde fachkundig und überzeugend führen zu können.

1.4 VBL-Seminare (nach oben)
Diese Seminare wurden in Kooperation mit der VBL durchgeführt. Sie informieren über die Grundzüge des Leistungsrechts bei Sozialrentnern, die Voraussetzungen für den Anspruch auf Versorgungs- und Versicherungsrente, die Wartezeit, den Beginn der Rente, die Berechnung der Versorgungs- und Versicherungsrente, Kürzungen der Versorgungsrente bei vorzeitiger Inanspruchnahme, Anpassung der Versorgungsrenten, den Zahlbetrag, die Klagemöglichkeiten und das Ruhen der Versorgung in besonderen Fällen. Die teilnehmenden Kolleginnen und Kollegen sollen so in die Lage versetzt werden, die Thematik VBL komplex zu verstehen. Sie sollen als Ansprechpartner zu diesem Thema in ihren Landesbezirken zur Verfügung stehen.

1.5 Gender Mainstreaming (nach oben)
Die Gender-Perspektive betont, dass Frauen und Männer gesellschaftlich unterschiedliche Lebensbedingungen und Chancen vorfinden, aufgrund geschlechtsspezifischer Sozialisation unterschiedliche Interessen und Bedürfnisse entwickeln und von gesellschaftlichen Entwicklungen und deren Auswirkungen unterschiedlich betroffen sind. Mit dem Seminar „Gender Mainstreaming“ bietet die GdP ein Weiterbildungsprogramm zu Fragen der beruflichen Gleichstellung von Frauen und Männern an. Dabei sollen die Teilnehmenden durch die Erweiterung fachlicher, methodischer und sozialer Kompetenzen zu Fachleuten im Gleichstellungsprozess qualifiziert werden. Innerhalb der Weiterbildung wird eine Brücke geschlagen zwischen Wissensvermittlung, persönlicher Weiterentwicklung und Umsetzung in die Praxis. Das Seminar richtet sich an Frauen und Männer, die mehr über Gender Mainstreaming wissen wollen, Gender-Kompetenz für ihr eigenes Handlungsfeld entwickeln wollen, sich mit der gesellschaftlichen und sozialen Bedeutung von „Geschlecht“ auseinandersetzen wollen, Gender Mainstreaming in ihrer Organisation und im beruflichen Umfeld umsetzen wollen.

1.6 Konflikte in der Arbeitswelt (nach oben)
Die meisten Konflikte lassen sich gar nicht verhindern, wenn Menschen mit unterschiedlichen Interessen, Zielen, Ansichten, Gewohnheiten, Gefühlen und Wahrnehmungen aufeinandertreffen: Konflikte sind unvermeidbar und gehören zu unserem täglichen Leben dazu. Es hängt immer von der eigenen Sichtweise ab, ob einem Konflikt grundsätzlich positiv oder negativ gegenübergestanden wird. Dazu kommt, dass der Umgang mit Konflikten zum Kernbestand gewerkschaftlicher und polizeilicher Arbeit gehört. Sowohl die Handhabung von Routinetätigkeiten im täglichen Dienst als auch die Bewältigung besonderer Einsatzlagen sind im Wesentlichen Konfliktmanagement. Um zukünftig in einem Konflikt besser agieren und reagieren zu können, sollen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erkennen, welche verborgenen Kräfte in ihnen wirken, wenn sie einen Konflikt erleben, wie Glaubenssätze und Überzeugungen, Gefühle und Wahrnehmungen, Gedanken und Handeln zusammenspielen und sich gegenseitig bestimmen, welche Prozesse im Inneren und in der zwischenmenschlichen Interaktion dazu führen, dass ein Konflikt entsteht und eskaliert, welche Möglichkeiten der Entschärfung und Befriedung von Konflikten sie nutzen können. Durch unsere Seminare leisten wir einen aktiven Beitrag, um den Umgang mit Konflikten zu verbessern, Konflikte zufrieden stellend zu lösen und eigene Strategien für den Umgang mit Konflikten zu entwickeln. Diese Seminare haben eine sehr große Resonanz gefunden. Im Zusammenhang mit den dazu entwickelten Broschüren „Konfliktbewältigung“ und „Konfliktfähigkeit“ werden einfache, gut umsetzbare Konfliktlösungsmethoden vermittelt.

1.7 Mobbing am Arbeitsplatz (nach oben)
Mobbing heißt das aktuelle Stichwort: Es steht für Intrige, Schikane und Psychoterror. Beschäftigte werden – über einen längeren Zeitraum hinweg – gequält, ausgegrenzt und schließlich von ihrem Arbeitsplatz verdrängt. Gesundheitliche, psychische und physische Störungen sowie wirtschaftliche Nachteile für die Betroffenen, aber auch für die Dienststelle selbst sind die Folge. Als Ursachen können meist schlechte Arbeitsorganisation, mangelnde Personalführungskompetenzen und konkurrenzorientierte Umgangsformen festgestellt werden. Mobbing ist ein weit verbreitetes Phänomen, unter dem immer mehr Menschen leiden. Im schlimmsten Fall kann Mobbing sogar Auslöser für akute und chronische Krankheiten sein. Durch Mobbing kommt es in Organisationen zu: Ausfall- und Fehlzeiten, reduzierter Leistungsfähigkeit und -bereitschaft, Reibungsprozessen und aufgrund der schlechten Stimmung oft zu einer reduzierten Motivation bei allen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen. Letztlich kostet Mobbing Kraft, Energie und Geld – und zwar die Betroffenen, die Unternehmen und auch den Staat. Mobbing schadet also auf ganzer Linie. Gewerkschaft und Personalräte sind gefragt, den Beteiligten hilfreich zur Seite zu stehen und den Schaden zu begrenzen. In diesem Seminar wollen wir die Möglichkeiten untersuchen, durch Hilfen für die Betroffenen sowie Maßnahmen zur Verbesserung des Betriebsklimas und zur Konfliktlösung Mobbing-Aktivitäten vorzubeugen oder diese zu beenden. Ziel des Seminars ist, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer klar erkennen können, was Mobbing ist, und über ein Instrumentarium verfügen, um sich gegen Mobber und Mobbinghandlungen erfolgreich zur Wehr zu setzen. Andererseits soll den Teilnehmerinnen und Teilnehmern vermittelt werden, welche rechtlichen Möglichkeiten es gibt, um andere Kolleginnen und Kollegen zu unterstützen, wenn sie sich in einer Mobbingsituation befinden.

1.8 Richtig verhandeln lernen (nach oben)
Im Arbeitsalltag gibt es zahlreiche – oft verfahrene – Situationen, in denen kontroverse Standpunkte zu Spannungen führen, so dass eine gemeinsame Lösung und damit ein tragfähiges Ergebnis nicht mehr möglich scheinen. In diesem Seminar lernen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Vorgehensweisen kennen, die die Starrheit der unterschiedlichen Ausgangspositionen in flexible Alternativen umzuwandeln vermögen und dabei dennoch für alle Verhandlungsparteien akzeptabel sind. Sie gewinnen einen vertieften Einblick in den „Prozess des Verhandelns“ und können dabei ihre persönliche Verhandlungsfähigkeit steigern. Das Seminar richtet sich an Personalratsmitglieder, Gleichstellungsbeauftragte und Funktionsträger/-innen, die ihre Fähigkeit, zu verhandeln, erweitern und verbessern wollen, um ein/e kompetentere/r Ansprechpartner/-in von Politik, Dienststellenleitung und Personalleitung zu sein. Personalratsmitglieder – insbesondere Personalratsvorsitzende –, die häufig Verhandlungen mit dem Arbeitgeber durchführen müssen und einen vertieften Einblick in den Prozess des Verhandelns gewinnen wollen, um somit die eigene Verhandlungsführung in der Wahrnehmung der Vertretungsaufgaben zu verbessern. Die Teilnehmer/-innen sollen die wichtigsten Gesprächstechniken zur Verhandlungsführung kennen lernen; sie sollen die Wirkung geeigneter Kommunikation kennen und zielorientiert eine Argumentationslogik aufbauen können. Sie sollen über die Kenntnisse verfügen, wie sie Argumente in der Verhandlungsführung unter Beachtung der gesetzlichen Bestimmungen effektiv einbringen können. Sie sollen wissen, wie Verhandlungen vorzubereiten sind (Zielsetzung, Planung, Strategie) und das eigene Gesprächsverhalten überzeugender zu gestalten ist. Die Teilnehmer/-innen sollen lernen, kritische Gesprächssituationen besser zu erkennen und zu bewältigen, um somit ihren Vertretungsauftrag effektiver erfüllen zu können.

1.9 Die Europäische Union (nach oben)
Die in Kooperation mit der Karl-Arnold-Stiftung in Brüssel, Den Haag und Straßburg durchgeführten Seminare zum Thema „Die Europäische Union: Institutionen und die Politikfelder Innen und Justiz unter besonderer Berücksichtigung der Beziehungen zur Republik Frankreich“ wurden von unseren Kolleginnen und Kollegen sehr gut angenommen. Die Seminare vermittelten einen Überblick über unterschiedliche Rechtsstrukturen in Europa, aber auch über Möglichkeiten zur konkreten polizeilichen Zusammenarbeit über Staatsgrenzen hinweg. Es wurden Informationen über die Tätigkeit und die Zuständigkeiten der einzelnen Institutionen der EU gegeben und Gespräche mit Vertretern des Europarates und des Europäischen Parlamentes geführt. Ein Besuch bei EUROPOL gehörte ebenfalls zum Programm dieser Seminare.

1.10 Seminare vorbereiten und durchführen (nach oben)
Diese zweiteilige Seminarreihe richtet sich an diejenigen Kolleginnen und Kollegen, die zur Unterstützung der Bildungsarbeit in ihren Landesbezirken selbst Seminare durchführen wollen. Ihnen werden Grundlagen der Moderation, der Präsentation und der Visualisierung ebenso vermittelt wie Kenntnisse in Kommunikation und Planung sowie Vorbereitung von Seminaren. Der Einsatz verschiedener Arbeitstechniken für das Lernen in Gruppen und didaktisch-methodische Grundkenntnisse sind ebenfalls Bestandteil dieser Seminarreihe. Im zweiten Baustein werden Fragen der Gruppendynamik und der Steuerung von Gruppen in Lernprozessen behandelt. Die Seminare werden mit Studienbriefen begleitet. Viele der Kolleginnen und Kollegen, die diese Seminarreihe besucht haben, führen inzwischen selbst erfolgreich Seminare durch.
Wesentliche Seminarinhalte sind:
  • Seminargestaltung – das Leiten von Gruppen – Gruppendynamik
  • Die Dimensionen der Teamarbeit: Inhalt – Interaktion
  • Moderationstechniken
  • Zielfindung, Entscheidungsprozesse, Ergebnisbeurteilung
  • Arbeit in und mit Arbeitsgruppen
  • Formen und Methoden der Visualisierung
  • Kommunikationsgrundlagen der Seminarleitung

1.11 Training Verhandlungsleitungen (nach oben)
Im Seminar werden Methoden und Handlungsweisen vermittelt und eingeübt, die es ermöglichen, Konferenzen und Tagungen so zu moderieren, dass sie straff, produktiv und in einem positiven Arbeitsklima ablaufen. Elemente der „Moderationsmethode”, Mittel zur Steuerung von Gesprächsprozessen, gesprächspsychologisches und sprechwissenschaftliches Hintergrundwissen sowie gezielter Medieneinsatz gehören zu den Bausteinen, die den Teilnehmern eine erfolgreichere Gesprächspraxis ermöglichen sollen.

1.12 Tagung der Bildungsbeauftragten der Landesbezirke und Bezirke (nach oben)
Alljährlich finden mit den Bildungsbeauftragten der Landesbezirke/Bezirke zwei- bis dreitätige Tagungen statt. Neben einem Erfahrungsaustausch über den Stand der Bildungsarbeit, der immer restriktiveren Freistellungsregelungen und neuen Seminarinhalten werden Ideen im Bildungsbereich ausgetauscht.
Bei der im Dezember 2009 stattgefundenen Tagung wurden Themen diskutiert, wie
  • Welche Ziele soll/muss die GdP-Bildungsarbeit der Zukunft haben?
  • Was für Formen/Methoden sind für eine moderne und wirkungsvolle GdP-Bildungsarbeit wünschenswert bzw. zwingend erforderlich?
  • Wird es künftig noch notwendig sein, auf Bundesebene Seminare und andere Bildungsveranstaltungen anzubieten/durchzuführen?
Tenor: Bildungsarbeit ist eine Investition in die Zukunft und darf nicht eingeschränkt werden.

1.13 Statistisches (nach oben)
Einen Überblick über die Anzahl der im Berichtszeitraum durchgeführten Seminare, die Anzahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer und den Anteil der GdP-Landesbezirke und -Bezirke an den Seminarteilnehmerinnen- und Teilnehmern geben die folgenden Übersichten.
Im Berichtszeitraum fanden 68 Seminare statt.

Download: Übersicht Seminare im Berichtszeitraum